Immer mehr Fußballprofis infizieren sich mit Corona. Ein Sportmediziner erklärt, was die Gründe dafür sind, wie der Fußball damit umgehen sollte und warum er sich Sorgen um den Spielbetrieb macht.

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Im Profifußball häufen sich die Corona-Fälle. Mit Kylian Mbappé wurde schon der siebte Profi von Paris St. Germain positiv auf das Coronavirus getestet. Die tschechische Nationalmannschaft musste in der Nations League gegen Schottland mit einer Not-Elf auflaufen. Auch Fortuna Düsseldorf und FSV Mainz 05 waren zuletzt von Corona betroffen.

Der Sportmediziner Prof. Wilhelms Bloch von der Sporthochschule Köln verrät, worauf die steigenden Corona-Fälle zurückzuführen sind, worin die Gefahren für die neue Saison liegen und wie der Fußball damit umgehen sollte.

Herr Bloch, warum infizieren sich momentan immer mehr Fußballspieler mit dem Coronavirus?

Prof. Wilhelms Bloch: Je mehr Fallzahlen wir in der Gesellschaft haben, desto größer ist das Risiko, dass auch im Profisport Fälle auftreten. Das ist momentan der Fall. Der Urlaub spielt natürlich eine Rolle. Das haben wir gerade bei Paris Saint-Germain gesehen. Wenn Spieler in einem Risikogebiet Urlaub machen und dort die Hygiene-Regeln nicht beachten, ist die Gefahr einer Infektion groß.

Im Urlaub möchten viele ihr Leben genießen. In engeren Räumen feiern zu gehen, ausgelassen zu sein und viele Kontakte zu haben, bietet einer Virusverbreitung einen Nährboden. Ich muss aber ganz ehrlich sagen: Ich kann nicht verstehen, dass Spieler wie Neymar oder Angel Di Maria nach Ibiza fahren und zusammen feiern. Es ist für einen Profi, der so viel Geld verdient, nicht akzeptabel, die Verhaltensregeln zu missachten.

Corona kann zu Wettbewerbsverzerrung führen

Die französische Liga hat den Spielbetrieb bereits wieder aufgenommen. Auch in Deutschland steht der Saisonstart bevor. Wie viel Sorgen muss sich der Fußball angesichts der steigenden Fallzahlen machen?

Ich denke, dass die Spieler während des Spielbetriebs wieder mehr abgeschottet sein werden. Und sonst müssen wir hoffen, dass die Infektionszahlen in der Gesamtbevölkerung nicht zu hoch sein werden. Je mehr Infektionen es gibt, desto höher ist das Risiko, dass auch der Fußball davon betroffen ist.

Der bevorstehende Herbst und Winter bereitet Sorgen. Je mehr sich das Leben in den Innenräumen abspielt, desto besser kann sich das Virus über die Luft verbreiten. Daher habe ich hinsichtlich des Spielbetriebs Bedenken. Ich will damit nicht sagen, dass die Saison abgebrochen werden muss. Ich kann mir aber vorstellen, dass einige Fußballspiele verschoben werden, weil Spieler positiv getestet werden. Das führt dann auch möglicherweise zu einer Wettbewerbsverzerrung.

Was bedeutet es für den Gegner, wenn Spieler einer Mannschaft positiv auf das Coronavirus getestet werden? Der FC Bayern München hatte beispielsweise erst am 23. August das Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain bestritten…

Bei Paris lässt sich nachvollziehen, dass die Infektionen im Urlaub und somit nach dem Champions-League-Finale geschahen. Daher müssen sich die Spieler vom FC Bayern wohl keine Sorgen machen. Grundsätzlich aber ist das ein großes Thema.

Die Spieler werden zwar regelmäßig getestet. Aber es kann passieren, dass ein Spieler sich infiziert, das nächste Testergebnis noch nicht eingetroffen ist und dennoch eine Partie bestritten wird. Die Ansteckungsgefahr im Spiel ist groß. Besonders wenn ein Spieler im oberen Rachenraum eine große Virenlast hat, also ein sogenannter Superspreader ist. Zudem besteht die Gefahr, dass der Abstrich falsch ausgeführt wird und der Getestete dadurch als negativ befunden wird, obwohl er mit dem Virus infiziert ist.

Corona-Langzeitfolgen können auch für Fußballer gefährlich werden

Was können die Fußballvereine unternehmen, damit keine Spieler sich mit Corona infizieren?

Ganz ohne Risiko wird es nicht gehen. Die regelmäßigen Tests sind natürlich ein wichtiger Punkt. Zudem sollten die Trainingsgruppen eingegrenzt werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass möglichst keine Spieler aus der 2. Mannschaft oder der U 19 unregelmäßig in das Profitraining eingebunden werden.

Die Spieler sollten zudem über die Verhaltensmaßnahmen und auch die Gefahren von Corona besser aufgeklärt werden. Leider glauben noch immer viele junge Menschen, dass Corona sie nicht betrifft, weil junge Menschen daran nur selten sterben. Es kann aber schwere Spätfolgen geben. Und zwar selbst dann, wenn der Krankheitsverlauf moderat oder symptomfrei war. Vielleicht stirbt man nicht jetzt, aber dafür später im hohen Alter zehn Jahre früher, weil man Corona hatte.

Wie sollen Fußballvereine damit umgehen, wenn sich einer ihrer Spieler mit Corona infiziert?

Der Trainings- und Spielbetrieb muss dann erst einmal ausgesetzt werden. Solange die übrigen Spieler nicht positiv getestet sind, sollten die Profis natürlich individuell weitertrainieren, um ihren Fitnesszustand beizubehalten. Sind dann alle Spieler negativ getestet, können sie wieder den Trainingsbetrieb aufnehmen.

Inwiefern könnten Schnelltests dabei helfen, die Gefahr von Infektionen zu reduzieren? Die nordamerikanische Football-Liga NFL soll diese zum Beispiel nutzen…

Bei dem Schnelltest der NFL wird ein spezielles Gerät verwendet. Die Sicherheit ist dabei etwas niedriger - manchen Angaben zufolge bei 80 bis 85 Prozent, laut Hersteller bei 97 Prozent -, ist aber grundsätzlich annehmbar. Es bleibt jedoch das Risiko, dass nicht an den richtigen Stellen abgestrichen wird. Zudem ist das nicht die günstigste Variante.

Über den Experten: Professor Dr. Wilhelm Bloch arbeitet für die Deutsche Sporthochschule Köln am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin. Sein Schwerpunkt in der Forschung ist die Untersuchung von molekularen und zellulären Anpassungen auf metabolische und mechanische Reize.