Uli Hoeneß‘ attackiert im "Doppelpass" mal wieder in mehrere Richtungen und die Frage steht im Raum: Welche Auswirkungen haben die teilweise harten Aussagen auf die komplizierten Verhandlungen mit David Alaba und Thiago?

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Den Tiefschlag hatte sich Uli Hoeneß sauber zurechtgelegt. Der Ehrenpräsident der Bayern war am Sonntagvormittag zu Gast in der "Doppelpass"-Jubiläumssendung und noch ehe Hoeneß überhaupt Platz genommen hatte, feuerte er aus allen Rohren.

Nicht im Eifer des Gefechts formuliert oder aus einer hochgeschaukelten Emotion heraus gesprochen, sondern offenbar sorgsam überlegt, ließ Hoeneß die Zuseher am TV und alle Nachrichtenagenturen wissen, was er von David Alabas Berater Pini Zahavi so hält. Alaba habe "einen geldgierigen Piranha als Berater", so Hoeneß und damit war unmissverständlich der Ton gesetzt.

Wer Hoeneß einlädt, der bekommt auch Hoeneß. Das war eine der Kernbotschaften eines manchmal launigen, manchmal auch etwas abstrusen Frühschoppens, den der 68-Jährige auch dazu nutzte, einige aus seiner Sicht wichtige Dinge gerade zu rücken. Also plauderte Hoeneß drauf los und verriet interessante Details aus den sich seit Monaten - allerdings auch von der Champions-League-Endrunde unterbrochenen - Vertragsverhandlungen mit der Alaba-Seite.

Hoeneß plaudert Interna aus

Zahavi sähe demnach für eine Unterschrift Alabas unter einen neuen Vertrag für sich selbst ein Honorar "im zweistelligen Millionenbereich" vor und: "Sie würden sich wundern, was der Berater im Laufe des Jahres für einen Schmarrn erzählt hat." Der Spieler und sein Vater George ließen sich vom Israeli treiben, denn "es geht wirklich nur um Geld und sonst gar nichts. David ist ja schon beim besten Verein der Welt."

Alabas Vertrag in München läuft im kommenden Sommer aus, die Bayern wollen dem Österreicher einen "Vier- oder Fünfjahresvertrag" vorlegen, wie Hoeneß erklärte. Allerdings: Zum Spitzenverdiener im Kader solle Alaba deswegen aber nicht aufsteigen. "Robert Lewandowski und Manuel Neuer sind das Maß aller Dinge. Darüber geht nichts", so Hoeneß weiter. Die Gehaltsstruktur wolle sich der FC Bayern durch die Forderungen der Alaba-Seite auf gar keinen Fall durcheinanderbringen lassen. "Die letzten ein, zwei, drei Millionen Euro machen ihn nicht glücklicher", stattdessen wolle Zahavi "den Super-GAU. Der wäre - und das ist das Ziel von Herrn Zahavi - David nächstes Jahr vom FC Bayern ablösefrei loszulösen. Das muss der FC Bayern unbedingt verhindern!"

Hoeneß war also gelinde formuliert etwas redselig und attackierte forsch und man konnte sich nur zu gut vorstellen, wie Hasan Salihamidzic, Karl-Heinz Rummenigge oder der eine oder andere Vertreter des Aufsichtsrats zu Hause auf dem Sofa saßen und einigermaßen erstaunt waren über Hoeneß‘ Freizügigkeit, die die Verantwortlichen nun nach und nach wieder etwas einfangen müssen.

Schmaler Grat

Ob und wie das der Fall sein wird, dürfte für immer ein Geheimnis bleiben. Jedenfalls werden die Protagonisten im operativen Geschäft eher nicht so offen darüber parlieren, wie sich Zahavi denn nun nach der doch sehr frontalen Kritik weiter in den Verhandlungen präsentiert. Bedeutend einfacher dürfte sich die Angelegenheit für die Bayern seit Sonntag aber eher nicht ausnehmen.

Es bleibt ein schmaler Grat, den Hoeneß und sein Klub beschreiten. Der Ehrenpräsident heißt ja auch deshalb Ehrenpräsident, weil er sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Seine Wirkmacht im Klub und auch in den Medien aber bleibt. Wenn Hoeneß erzählt, dass er Leroy Sane und dessen Sohn bei sich zu Hause an den Tegernsee eingeladen hatte, als der gerade in der Reha weilte und ihm offenbar etwas langweilig war und dass Sanes Sohn mit Hoeneß‘ Hund spielte und danach die Weichen für einen Wechsel gestellt gewesen seien - dann ist das eine launige Geschichte, aber auch ein Hinweis darauf, wie Hoeneß willentlich immer noch Einfluss nehmen kann auf die Geschicke des Klubs.

"Versuchen uns zu erpressen"

In der Causa Thiago muss dieser Einfluss vielleicht gar nicht mehr so groß sein, immerhin hätten die Bayern mit "Goretzka, Kimmich und Müller" genug andere Spieler, die im Mittelfeldzentrum spielen könnten. Trotzdem wollte Hoeneß auch da noch ein bisschen was los werden. Die interessierten Klubs FC Liverpool und Manchester United würden versuchen, "uns zu erpressen", sagte Hoeneß. "Beide Vereine bluffen jetzt. An uns ist noch kein Verein herangetreten. Das ist kein Stil." Die vermeintlichen Interessenten würden die Bayern nun wohl bis zum Ende der Transferperiode hinhalten, um uns dann "ein billiges Angebot hinzuhauen."

Über Stil lässt sich ja bekanntlich ebenso streiten wie über Geschmack, es entbehrt aber nicht einer gewissen Ironie, dass es im letzten Sommer der FC Bayern selbst war, der sich im Feilschen um Sane letztlich in Person des damaligen Trainers Niko Kovac bei Manchester City und dessen Trainer Pep Guardiola entschuldigen musste für sein zu forsches Vorgehen und den letztlich fragwürdigen Stil. Darüber verlor Hoeneß kein Wort.

Den Bayern stehen nun noch drei ziemlich heiße Wochen ins Haus. Der Transfermarkt ist in diesem Sommer noch bis 5. Oktober geöffnet und damit so lange wie noch nie. Spätestens dann stehen die Bayern-Verantwortlichen vor der Frage, ob sie Thiago ziehen lassen oder nicht. "Ob wir uns das gefallen lassen", wie Hoeneß sagte, denn: "Es beginnt im Moment ein Stil auch unter großen Klubs sich breitzumachen, den ich so nicht gekannt habe."

Uli Hoeneß hat die Bayern in beiden Angelegenheiten, bei Thiago und im Rennen um David Alabas Zukunft, positioniert. Ob und wenn ja welche Auswirkungen seine Attacken nun haben, werden die kommenden Tage und Wochen erst zeigen.

Verwendete Quelle:

  • sport1.de: "Geldgieriger Piranha: Hoeneß schießt gegen Alaba-Berater"
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