Die bayerische Landeshauptstadt wäre die erste, die bei einem Zuschlag für 2022 sowohl olympische Sommer- als auch Winterspiele ausgetragen hätte. Auf dem Weg dorthin haben am 10. November die Bürger das Wort: Bei vier Bürgerentscheiden in München, Garmisch-Partenkirchen sowie den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land geben sie ihr Votum ab. Wir haben die Hauptargumente von Gegnern und Befürwortern zusammengetragen.

Zweiter Versuch: Nachdem die Kandidatur für die Olympischen Spiele 2018 wegen des Zuschlages für Pjöngjang gescheitert ist, will München das internationale Großereignis nun 2022 austragen. Am Freitag stellten Gegner und Befürworter in München noch einmal ihre Argumente vor. Der designierte Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Alfons Hörmann sprach von einer "Entscheidung mit zeitlicher oder historischer Tragweite". Die Bewerbung unterstützt übrigens auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB). "Olympische Spiele sind eine Chance für den deutschen Sport und das gesamte Land, deshalb würden wir uns ein klares Votum dafür wünschen", sagt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Argumente Pro Olympia

- Die Spiele könnten der Wirtschaft in den Regionen einen riesigen Schub geben. Rund 1,8 Milliarden Euro sollen in dauerhafte Infrastrukturprojekte gesteckt werden. Ein solches war auch die Münchner U-Bahn, welche im Zuge der Olympischen Sommerspiele 1972 gebaut wurde. Ähnliches könnte sich dann in Garmisch-Partenkirchen wiederholen, wo die Marktgemeinde vom Verkehr entlastet würde. In ganz Oberbayern würden Schienen- und Straßenprojekte entstehen und der Münchner Olympiapark saniert. Von den ausgebauten Bahnhöfen, Sportstätten und Gebäuden sowie allgemein der Sportinfrastruktur könnten die Bürger auch nach dem Erlöschen der olympischen Flamme noch profitieren, stellen die Befürworter in Aussicht. Laut der Konzeptstudie für München 2022 wären von der Gesamtsumme lediglich rund 670 Millionen Euro direkt Olympia-abhängige Kosten. Rund 530 Millionen Euro davon würden voraussichtlich durch die öffentliche Hand getragen. "Wenn die richtigen Personen in den richtigen Positionen in der Verantwortung sind, dann werden wir mit Olympia Geld verdienen", verspricht Sportfunktionär Hörmann.

- Neben der Wirtschaft könnte auch der Tourismus langfristig von Olympia profitieren. Die Befürworter rechnen mit zwei Millionen Zuschauern vor Ort und bis zu drei Milliarden Zuschauern an den Fernsehern. Somit würde der Bekanntheitsgrad ganz Bayerns weltweit deutlich steigen und Deutschland könnte sich als guter Gastgeber präsentieren wie schon bei der Fußball-WM 2006. In der Konzeptstudie wird mit rund 70.000 zusätzlichen Zimmern alleine an den Austragungsstätten gerechnet.

- Zudem erwarten die Befürworter, die Bürger durch die Spiele zu mehr Sport und Gesundheitserhaltung zu bewegen. "Studien in London und nach der Fußball-WM 2006 haben ergeben, dass die Menschen dort signifikant mehr Sport getrieben haben als vorher", sagte Thomas Urban, Leiter des Sportamtes München, auf Anfrage von WEB.DE. Durch die Paralympics erhofft er sich auch einen "großen Schub" für die gemeinsame Sportausübung von behinderten und nicht behinderten Menschen in den Vereinen und im Sport insgesamt.

- Das Weltereignis wird nach Überzeugung der Befürworter Klimaschutz- und Energiesparprojekte im Freistaat enorm befördern. Es solle ein "positives grünes Erbe" in der Region hinterlassen. Dafür stehen 180 Millionen Euro bereit. Dann würde das neu zu errichtende Olympische und Paralympische Dorf in München und alle permanenten Gebäude im Plusenergie-Standard errichtet und die Sportler, Betreuer, Delegationen sowie Medienvertreter mit alternativ betriebenen Fahrzeugen transportiert werden. Wie DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Freitag im Interview mit dem Fernsehsender Phoenix unterstrich, bestehen zudem 84 Prozent der Sportanlagen bereits. Für die neuen Anlagen würde nur ein Hektar an Landschaftsfläche benötigt werden. Somit seien die Eingriffe geringer als "jemals" bei bisherigen Olympischen Spielen.

Argumente Kontra Olympia

- Genau das bestreiten Naturschützer. "Die Olympischen Winterspiele sind in den dafür "auserwählten" Alpengemeinden ohne hohen Natur- und Landschaftsverbrauch nicht zu haben", schreiben die Gegner von "Nolympia" auf ihrer Internetseite unter Hinweis auf benötigte Parkplätze und Infrastrukturmaßnahmen. Für 18 Tage Party würde kostbare Kultur- und Natur-Landschaft geopfert, monieren sie. Die Bewältigung der Verkehrsströme könne nur misslingen, das Oberland werde zu einer "Großbaustelle" gemacht. Sie verweisen zudem auf hohe Energiekosten für künstliche Beschneiung. Speziell auch angesichts des Klimawandels und des damit zu befürchtenden Schneemangels klängen die Aussagen der Bewerbung, die bisher "ökologischsten" und "nachhaltigsten" Olympischen Winterspiele durchführen zu wollen, "nicht nur unglaubwürdig, sondern kommen einer bewussten (Selbst-)Täuschung gleich".

- Wie schon bei einigen früheren Spielen befürchten die Gegner eine Kostenexplosion. Auf rund 3,3 Milliarden Euro wird das Budget jetzt geschätzt. Wie üblich bei Großprojekten dürften die tatsächlichen Zahlen am Ende deutlich höher ausfallen. Davon können frühere Austragungsstädte wie Calgary, Montreal und Nagano ein Lied singen. Sie mussten teilweise über Jahrzehnte Schulden abstottern.

- Nachteile hätten auch die Menschen zu befürchten durch steigende Mieten und Lebenshaltungskosten. Dabei seien diese speziell in München jetzt schon hoch, sagen die Olympiagegner. Und kleinere Austragungsorte wie Garmisch-Partenkirchen könnten ein solches Wachstum gar nicht vertragen.

- Starke Kritik gibt es allgemein am Internationalen Olympischen Komitee (IOC). "Es geht um die Durchsetzung einer pervertierten olympischen Idee, nicht um den Sport als solchen", mahnt BUND-Chef Hubert Weiger. Am Ende - so die Gegner - bleibt dem IOC der Gewinn, die Kosten aber den Austragungsorten.

Am Sonntag sind 1,3 Millionen Menschen zum Votum über die Bewerbung aufgerufen. Sollte einer der vier Bürgerentscheide ein "Nein" ergeben, wäre das Thema München 2022 gestorben. Sprechen sich die Oberbayern dafür aus, muss bis zum 14. November die Bewerbung beim IOC eingereicht werden. Auf jeden Fall auf der Bewerberliste steht Oslo, dazu könnten noch Peking, Krakau, das ukrainische Lwiw sowie Almaty (Kasachstan) kommen.