Die Debatte um das russische Gesetz gegen Homosexualität lag wie ein Schatten über der Leichtathletik-WM in Moskau. Nun gießt der Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds zusätzliches Öl ins Feuer.

Sportlich gesehen bot die Leichtathletik-WM in Moskau eher wenige Überraschungen. Die deutsche Mannschaft schnitt sogar etwas besser ab als erwartet. Vor allen Dingen bleibt ein übler Nachgeschmack. Wegen des diskriminierenden Anti-Schwulen-Gesetzes in Russland, wurde die WM von weltweiten Protesten begleitet. Diese halten auch nach dem Ende der Wettkämpfe an.

Denn bereits im kommenden Jahr finden auch die Olympischen Winterspiele in Russland statt. Auf eine klare Positionierung der Offiziellen zum Thema Homosexualität wartet man allerdings vergebens. Christian Klaue, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), leistete sich zu dem Thema stattdessen sogar eine kleine Entgleisung.

Auf die Frage des Magazins "Der Spiegel", ob der DOSB deutsche Sportler schützen werde, die abseits der Spiele für die Rechte Homosexueller einträten, erwiderte Klaue, es seien die Gesetze des Landes zu achten. Das sei "wie bei Trunkenheit am Steuer: Manchmal ist bei 0,8 Promille die Grenze, manchmal bei 0,0." Ein Vergleich, der nicht nur offen homosexuelle deutsche Sportler wie etwa die Degenfechterin Imke Duplitzer vor den Kopf stoßen dürfte.

Lackieren von Fingernägeln verboten?

Das umstrittene russische Gesetz verbietet "Propaganda für nichttraditionelle sexuelle Beziehungen" im Beisein von Minderjährigen. Darunter fällt so gut wie jede öffentliche Solidaritätsbekundung gegenüber der Homosexualität. Bei der Leichtathletik-WM in Moskau hatten zwei schwedische Athletinnen ihre Finger in den Farben der Regenbogenfahne lackiert. Diese ist ein Symbol für Toleranz und Vielfältigkeit. Die Sportlerinnen wurden genötigt, ihre Nägel zu übermalen.

Anfang August hatte der "Spiegel" DOSB-Chef Thomas Bach einen Katalog von Fragen zur Debatte geschickt. Mit seiner Antwort warte Bach jedoch, bis das Internationale Olympische Komitee das umstrittene Gesetz bewertet habe.