• Carlos Alcaraz gewinnt die US Open und ist nun der jüngste Weltranglisten-Erste aller Zeiten im Tennis.
  • Sein Aufstieg zum besten Spieler der Welt geschieht binnen kürzester Zeit.
  • Sein Trainer sieht ihn aber erst bei 60 Prozent Leistungsfähigkeit.
Ein Porträt
Dieser Text enthält neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Markus Bosch sowie ggf. von Expertinnen oder Experten. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Im Herren-Tennis bricht wohl ein neues Zeitalter an.

Nachdem in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die "Big Three" um Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic die Grand-Slam-Siege und Spitzenpositionen in der Weltrangliste quasi unter sich aufteilten, steht nun ein neues junges Gesicht an der Spitze des Tennis-Sports.

Sein Name: Carlos Alcaraz. Mit gerade einmal 19 Jahren gewann der Spanier zuletzt die US Open und erklomm damit als jüngster Spieler der langen Tennis-Geschichte die Spitzenposition der Weltrangliste. "Ich hatte das im Kopf, aber es hat mich eigentlich eher angespornt, als dass es mich blockiert hätte", sagte Alcaraz auf der Pressekonferenz nach seinem ersten Grand-Slam-Sieg.

Alcaraz stand vor Finale der US Open bereits über 20 Stunden auf dem Platz

Vor dem Finale meinte er noch: "Es scheint jetzt alles so nah zu sein, aber irgendwie ist es auch noch weit weg." Trotz seines unglaublichen Talents hat Alcaraz bei den US Open einiges durchleben müssen, bevor er die Siegertrophäe in den New Yorker Himmel recken konnte. Gleich drei harte Fünfsatzmatches, darunter ein episches Spiel gegen Jannik Sinner, das das am spätesten endende Spiel der US Open war. Dabei musste der 19 Jahre alte Spanier sogar einen Matchball seines Gegners abwehren und sank nach seinem Sieg im fünften Satz völlig entkräftet auf den Boden.

Mehr als 20 Stunden Spielzeit wurden für Alcaraz vor dem Finale notiert. Es wäre also nicht verwunderlich gewesen, wenn ihm die Kraft gefehlt hätte, um im Finale gegen den Norweger Casper Ruud, der mit einem Sieg ebenfalls die Nummer eins geworden wäre.

Im dritten Satz wirkte der Spanier zwischenzeitlich müde, kämpfte sich aber wieder einmal zurück und gewann letztlich im Tie-Break deutlich. Der Weg zum Sieg und damit zum Titel sowie zur Nummer eins war geebnet. Wieder einmal hatte sich der Spanier mit seinem dynamischen und aggressiven Spiel durchgesetzt.

Vater gibt aus finanziellen Gründen Tennis-Karriere auf

Dies musste er bereits seit frühester Kindheit, als er in der Nähe der spanischen Stadt Murcia geboren wurde. Gemeinsam mit seinen vier Brüdern schlug er bereits im Alter von drei Jahren die Bälle gegen die Wand. Sein Großvater Carlos machte aus einem Jagd- einen Tennisverein und Alcaraz' Vater, ebenfalls ein Carlos, beendete seine Tenniskarriere mit gerade einmal 20 Jahren aus finanziellen Gründen.

Stattdessen leitete er den Familienklub und übte mit Sohn Carlos III. quasi rund um die Uhr das Tennisspiel. Rasch zeichnete sich ab, dass der Junge über ein außergewöhnliches Talent verfügt, doch das Geld für die Reise zum ersten Jugendturnier musste noch ein Geschäftspartner auslegen.

Doch der Aufstieg des Spaniers war nicht mehr zu bremsen. Mit 14 Jahren erspielte sich Alcaraz seinen ersten Weltranglistenpunkt. Damals sei er "so dünn wie ein Spaghetti" gewesen, erklärt sein Trainer heute: "Er hatte überhaupt keine Muskeln." 2018 gewann er mit dem spanischen Nachwuchs-Team den Davis Cup im Juniorbereich und wurde U16-Europameister. 2019 erreichte er in seiner Altersklasse in Wimbledon das Viertelfinale und wechselte anschließend zum Profitennis – mit gerade einmal 15 Jahren.

Vergleiche mit Rafael Nadal

In der Heimat wurden schnell Vergleiche gezogen zum besten Spanier aller Zeiten, Rafael Nadal, der ebenfalls schon als Teenager große Erfolge feiern konnte. Allerdings dominiert Nadal die Ballwechsel hauptsächlich von der Grundlinie, während Alcaraz mit seiner Physis und Dynamik überall auf dem Feld dominieren will.

In gerade einmal drei Jahren spielte sich der 19-Jährige bis in die Top 10 der Weltrangliste und ist nun sogar bereits am Gipfel angekommen. Auf dem Weg dorthin setzte Alcaraz immer öfter Ausrufezeichen. Im vergangenen Jahr schaltete er Stefanos Tsitsipas bei den US Open aus. "Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so hart schlägt", attestierte der Grieche seinem Kontrahenten nach der Partie. Bei den Madrid Open in diesem Jahr schlug er zunächst Landsmann Nadal, anschließend Djokovic und setzte sich im Finale gegen Alexander Zverev durch.

Jener Zverev gilt noch immer als große Zukunftshoffnung im Tennis, im Unterschied zu Alcaraz wartet der 25 Jahre alte Deutsche aber noch auf seinen ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. Und ein Ende der Leistungssteigerung beim Spanier ist wohl nicht in Sicht, wie sein Coach Juan Carlos Ferrero – er trainierte einst auch Zverev – nach dem Finale erklärte: "Ich sage ihm, dass ich ihn erst bei 60 Prozent sehe. Wenn man einmal die Nummer eins ist, ist es nicht vorbei und man hört auf." Auch Alcaraz kündigte an, dass er "Hunger auf mehr" habe.

Roddick: "Alcaraz ist die Gegenwart des Tennis"

Ex-Profi Andy Roddick sieht im 19-Jährigen "nicht mehr die Zukunft des Tennis, sondern schon die Gegenwart". Es scheint, als hätte das Tennis seinen neuen Superstar nach den unglaublichen Erfolgen der "Big Three" gefunden.

Ob er alleine regiert oder Kontrahenten auf Augenhöhe bekommt, wird die Zukunft aber noch zeigen müssen.

Verwendete Quellen:

  • dw.com: Carlos Alcaraz: Ein Teenager auf dem Tennisthron
  • spiegel.de: Die Ära Alcaraz hat begonnen

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