Kevin Krawietz und Andreas Mies haben sich bei den French Open in Paris ins Rampenlicht gespielt. Erstmals seit 1993 stehen zwei deutsche Tennisspieler im Endspiel einer Doppel-Konkurrenz bei einem Grand-Slam-Turnier. Aber wer sind die beiden eigentlich?

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Wenige Stunden, nachdem sich Alexander Zverev als letzter deutscher Tennisprofi im Einzel verärgert und wortkarg verabschiedet hatte, feierte das Überraschungsduo Kevin Krawietz/Andreas Mies mit seiner bunt gemischten Entourage den größten Erfolg seiner noch jungen gemeinsamen Karriere.

Kaum hatten die beiden nach ihrem sensationellen Einzug ins Doppel-Finale der French Open den Platz verlassen, mussten sie schon ihre Kreditkarte zücken.

"Ich habe gerade schon eine Rechnung bekommen von meiner Familie über mehr als hundert Euro, die haben sich alle erst einmal Wein bestellt. Ich kam vom Platz und hab ihnen einfach meine Kreditkarte gereicht", erzählte der 28 Jahre alte Kölner Mies am Donnerstag nach einem weiteren Sandplatz-Coup bei dem Grand-Slam-Turnier in Paris, der ihnen schon ein gemeinsames Preisgeld von 290.000 Euro beschert.

Eltern, Freundin, Schwester, Coach, Nichte, Schwager - alle sind sie nach Paris gereist, um das neue deutsche Doppel-Versprechen zu unterstützen. Mies musste sogar das Appartement wechseln und in ein kleines Haus ziehen - weil der Anhang immer größer wurde und er gar nicht für die komplette Zeit bis zum Final-Wochenende gebucht hatte.

Späte Nachfolger von Goellner und Prinosil

Seit anderthalb Jahren erst spielen der 27 Jahre alte Coburger Krawietz und Mies regelmäßig zusammen. Krawietz ist im Doppel die Nummer 49 der Weltrangliste, Mies rangiert direkt dahinter auf Position 50. Sie gewannen bislang sechs Titel bei ITF- oder Challenger-Turnieren und zuletzt Anfang dieses Jahres erstmals in New York auf der ATP-Tour.

2018 meldeten sie in Wimbledon zum ersten Mal zusammen bei einem der vier großen Turniere für die Qualifikation. Sie erreichten die Hauptrunde und kamen prompt ins Achtelfinale.

Nun stehen sie als erstes deutsches Doppel seit 1993 im Endspiel der French Open. Damals scheiterten Marc-Kevin Goellner und David Prinosil in drei Sätzen an den US-amerikanischen Brüdern Luke und Murphy Jensen.

Prinosil schaffte es an der Seite von Byron Black aus Zimbabwe acht Jahre später in Melbourne bei den Australian Open noch mal in ein Grand-Slam-Finale, blieb aber wieder zweiter Sieger: 1:6, 7:5, 4:6 und 4:6 gegen Jonas Björkman aus Schweden und die australische Legende Todd Woodbridge.

Jetzt geht's gegen die Franzosen Chardy und Martin

"Jetzt wollen wir was Historisches schaffen", sagte Mies vor dem Finale am Samstag gegen die französischen Lokalmatdoren Jeremy Chardy und Fabrice Martin. Dass die letzten deutschen Doppel-Sieger bei einem Grand Slam Gottfried von Cramm und Henner Henkel 1937 waren, wussten sie nur so grob. Nun könnten sich Krawietz und Mies einreihen in die Historie erfolgreicher deutscher Doppelspieler.

Boris Becker und Michael Stich holten 1992 in Barcelona Gold. Davor hatte Michael Stich an der Seite von John McEnroe 1992 schon das Doppelturnier in Wimbledon gewonnen, ein Jahr nach seinem Einzeltriumph dort über Boris Becker.

Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer gewannen 2004 in Athen olympisches Silber. Letzter Deutscher im Doppel-Finale eines Grand Slams war Philipp Petzschner, der 2011 mit dem Österreicher Jürgen Melzer die US Open gewann.

Becker stellte in seiner Funktion als Abteilungsleiter des Deutschen Tennis Bundes schon mal eine Einladung zum Davis Cup in Aussicht. "Das ist natürlich ein absoluter Traum von uns", sagte Krawietz.

"Haben uns bei Tinder kennengelernt"

Über eine halbe Stunde plauderte das rheinisch-fränkische Duo am Donnerstagabend im Untergeschoss des umfunktionierten Roland-Garros-Museums. Die Dame vom Tennis-Weltverband ITF schaute immer mal wieder in den kleinen Interviewraum 2, um sich zu vergewissern, dass alles in geordneten Bahnen abläuft.

Besuch im Eurosport-Studio, Pressekonferenz, Interview mit dem ARD-Hörfunk - noch nie standen die beiden jungen Männer derart im Fokus. Ganz offensichtlich harmonieren Mies und Krawietz nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb blendend. Eloquent und humorvoll spielten sie sich verbal die Bälle zu und sorgten nicht nur mit der Aussage, sie hätten sich bei Tinder kennengelernt, für Gelächter.

"Durch unseren Teamgeist heben wir uns auf ein höheres Niveau", formulierte es Mies. Krawietz ist der etwas ruhigere und besonnenere Part der beiden, Mies der Wortführer und Einpeitscher auf dem Platz. (hau/dpa)

Was bringt Stöhnen beim Tennisspielen?

Es ist wohl eines der typischsten Geräusche auf dem Tennisplatz: Das laute Stöhnen einiger Spielerinnen und Spieler. Doch hat dieser körperliche Ausdruck auch einen Nutzen? Oder ist das "Grunting", so der Fachbegriff für das laute Ausatmen, einzig eine Ablenkung für den Gegenüber?