Am heutigen 1. Dezember wäre der legendäre deutsche Musiksender VIVA 30 Jahre alt geworden. Die verrückte Geschichte seines Aufstiegs, Triumphs und Niedergangs erzählt die dreiteilige ARD-Doku "Die VIVA-Story - zu geil für diese Welt!".

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Kein anderer deutscher Sender verkörperte das Lebensgefühl der 90er-Jahre so wie der 2018 eingestellte Musiksender VIVA. Und kein anderer Sender machte so viele TV-Talente groß, die noch heute die deutsche Fernsehlandschaft prägen. In der ARD-Doku "Die VIVA-Story - zu geil für diese Welt!" kommen diese Talente noch einmal zusammen, um die Geschichte dieses außergewöhnlichen TV-Experiments aus ihrer Perspektive zu erzählen.

Als Hosts führen dabei die einstigen VIVA-Stars Nils Bokelberg, Markus Kavka und Collien Ulmen-Fernandes durch je eine Folge. Zudem kommt eine schier endlose Reihe weiterer VIVA-Veteranen zu Wort, darunter noch heute wohlbekannte Namen wie Matthias Opdenhövel, Mola Adebisi, Oliver Pocher, Klaas Heufer-Umlauf oder Gülcan Kamps.

Weitere Kollegen wie Stefan Raab, Heike Makatsch und Niels Ruf steuern zwar keine eigenen Anekdoten bei, werden aber in dem massenhaft aus den Archiven geborgenen filmischen Fundstücken ebenfalls ausführlich gewürdigt. Neben dem damaligen VIVA-Geschäftsführer Dieter Gorny (70) steuern auch die Programmchefs und Redaktionsleiter von damals aufschlussreiches Insiderwissen bei.

Chaos und Imperfektion als Markenzeichen

Besonders interessante Einblicke hinter die Kulissen bietet die Doku hinsichtlich der Entstehungsgeschichte des für seinen knallbunten Anarchismus berühmten Senders. Denn das Chaotische und Imperfekte war zwar von Anfang an Teil des Konzepts, ergab sich allerdings auch wesentlich aus dem Umstand, dass der Sender und seine einzelnen Formate seinerzeit in Windeseile aus dem Boden gestampft werden mussten, um die ergatterte Sendelizenz mit Programm und Leben zu füllen.

In seinen Ausführungen macht der ehemalige VIVA-Chef Gorny klar, warum Anfang der Neunzigerjahre die Zeit definitiv reif war für einen neuen Musik- und Jugendsender: Der Siegeszug von MTV hatte mit "Formel Eins" die letzte für die Jugend gestrickte Musiksendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hinweggefegt und auch der erste deutsche Musiksender-Versuch "Musicbox" war sang- und klanglos wieder von der Bildfläche verschwunden. Mit diesem Wegfall wurde nicht zuletzt auch die deutsche Musikindustrie einer wichtigen Promotion-Plattform für ihre Künstler beraubt.

Kampfansage an den Musik-TV-Giganten MTV

Um diese Lücke zu schließen und dem übermächtigen Monopolisten MTV den Kampf anzusagen, schloss sich eine Initiatoren-GmbH aus ehemaligen "Musicbox"-Redakteuren mit Entscheidungsträgern und Geldgebern diverser Major-Labels wie Warner Music, EMI und Polygram zusammen. Der Legende nach entstand der Name VIVA als Akronym von "Videoverwertungsanstalt" - schließlich ging es in den unterschiedlichen Formaten vor allem darum, über die als "VJs" fungierenden Moderatoren Musikvideos in die Rotation zu bringen und darüber die Label-Künstler zu promoten.

VIVA entstand jedoch nicht nur als Konkurrenz, sondern auch als Gegenentwurf zum US-Giganten MTV. Die Kommunikation mit dem Publikum sollte weniger erwachsen und abgeklärt ablaufen, weshalb bei den erst zwei Monate vor Sendestart stattfindenden Moderatoren-Castings gezielt auf sehr junge Vertreter der Zielgruppe gesetzt wurde. Zu den ersten Mitgliedern der VIVA-Familie erkor man somit unter anderem den damals erst siebzehn Jahre alten Schüler Nils Bokelberg und seine ebenfalls noch blutjungen und völlig unerfahrenen Kollegen Heike Makatsch und Mola Adebisi.

Der Sender als "coole Familie" und Sprachrohr der Jugend

Der damals für die Moderatorensuche zuständige Medienmanager Marcus Wolter beschreibt das Casting-Konzept in der ARD-Doku folgendermaßen: "Wir hatten jedes Rollenbild so ein bisschen definiert, irgendwo zwischen einer coolen WG, einer coolen Familie und einer Soap." Ziel sei es gewesen, den Zuschauern das Gefühl zu vermitteln, ebenfalls Teil dieser coolen Familie zu sein.

Die allererste Sendung eröffnete Heike Makatsch am 1. Dezember 1993 dann auch folgerichtig mit den Worten: "Wir sind VIVA. Und wir sind mehr als nur ein Fernsehsender. Denn wir sind euer Sprachrohr und euer Freund. Und ab heute bleiben wir für immer zusammen. Okay?!" Wie die weitere Erfolgsgeschichte des brandneuen Senders für die musikbegeisterte deutsche Jugend zeigen sollte, ging das Konzept, statt auf Professionalität auf Nahbarkeit zu setzen, voll auf.

Bis zum Ende des Jahrtausends blieb VIVA eine feste Instanz in der deutschen Medienlandschaft und schickte seine Moderatoren mit schier unbegrenzten Budgets um die ganze Welt, um chaotische Interviews mit den damaligen Superstars der Musikszene zu führen. Auf der ersten Welle des Erfolgs gründeten die VIVA-Macher im Jahr 1995 mit VIVA Zwei einen weiteren Sender, der sich an ein älteres Publikum richtete und statt "Hits und Fun" eher Hintergrundinformationen und Musikvideos zu alternativen Rockbands lieferte.

Unglamouröser Niedergang ab der Jahrtausendwende

Kurz nach der Jahrtausendwende hatte VIVA seinen Zenit überschritten. Im Jahr 2004 wurde der Sender ausgerechnet von dem amerikanischen Medienkonzern Viacom übernommen, zu dem auch der große Konkurrent MTV gehörte. Bis zu seinem traurigen Ende im Jahr 2018 geriet der Sender im weiteren Verlauf vor allem durch den Siegeszug des Internet zunehmend in die Bedeutungslosigkeit.

Zuletzt teilte sich VIVA den Sendeplatz mit dem Comedykanal Comedy Central und lag, wie es Ex-Moderator Klaas Heufer-Umlauf formuliert, nur noch "wie eine Leiche in der Ecke". In der letzten Sendung am 31. Dezember 2018 sagte das verbliebene Häuflein an Moderatoren und Moderatorinnen einem mittlerweile längst verschwundenen Publikum endgültig "Auf Vivasehen" und zeigte zum Abschluss noch einmal das erste Video, das zum Sendestart 1993 über den Bildschirm ging: "Zu geil für diese Welt" von den Fantastischen Vier.

Alle drei Teile von "Die VIVA-Story - zu geil für diese Welt!" sind ab dem 1. Dezember 2023 in der ARD Mediathek und auf ardkultur.de verfügbar. Im TV ist die Doku am 6. Januar 2024 um 21:45 Uhr beim WDR und am 16. Januar 2023 um 22:25 Uhr bei 3sat zu sehen.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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