Der österreichische "Promi Big Brother Export" schafft es bis auf den zweiten Platz. Aber wieviel Inszenierung steckte hinter Cathy Lugners tränenreichen Auftritten?

Wasser Marsch! dürfte der mehr oder wenige heimliche Slogan von Cathy Lugners Teilnahme im aktuellen Sat.1 C-Promi-Treffen lauten. In gewohnter Manier flutete sie nun auch das gestrige Finale des TV-Knasts "Promi Big Brother", in dem sie knapp am Sieg vorbeischrammte.

Konkurrent Ben Tewag war ein mindestens so unerwarteter und umso verdienterer Gewinner: Vom verlorenen Sohn (Uschi Glas lässt grüßen) zum sentimentalen Favoriten, so könnte man den Auftritt von Mario Baslers sympathisch unaufgeregtem "Bromance" -Buddy skizzieren.

Egal, er war am Schluss alleine in der Kanalisation mit Nichtraucherin Cathy, die abwechselnd ihr Bedürfnis nach a) einem Arzt (Ich brauche einen A-R-Z-T! Mein Herz!) und b) einer Beruhigungszigarette kundtat– die Nerven, Sie verstehen. Schon alleine dafür gebührt ihm der Pokal.

"Eine emotionale Achterbahn für dich das alles, ne" so Moderator Jochen Schropp dezent euphemistisch zu der erneut völlig aufgelöst-hysterischen Cathy, die den Begriff "overacting" im Finale einmal mehr gar zu wörtlich nahm. Unterhaltsam anzusehen ist das aber allemal gewesen. Und die Gretchenfrage, ob hier jemand ganz und gar nicht actete, sondern im Gegenteil authentisch und echt war – die stellte sich garantiert auch mehr als ein Zuschauer.

Lugner'scher Inszenierungsdrang oder was?

Nichts geschehen: Das Finale von "PBB" war mehr als langweilig.

Aber der Reihe nach: Die Eckdaten des lustigen Fremdscham-Festivals aka "Big Brother" dürften hinlänglich bekannt sein. Diesmal an Bord: Genierwillige Semiprominente mit mittelmäßigem Bekanntheitsgrad, die Klassenkampf spielen durften und im "Big Brother" Haus entweder im Luxus schwelgten oder in der Kanalisation darbten.

Darunter auch Cathy Lugner, die Leider-Nein-Präsidentengattin aus österreichischen Gefilden. Seit 2014 ist die gelernte Krankenschwester mit dem Baumeister der Nation und Möchtegernpolitiker Richard Lugner verheiratet, der seit gefühlt 97 Jahren als peinlichkeitsresistentes und wohlgelittenes Societyinventar fungiert.

Dass seine Cathy jetzt eigenmächtig und aus hehren, emanzipatorischen Gründen (das Klischee des geldgeilen Dummchens gilt es abzuschütteln) in den Container geht – geht gar nicht, meint Mörtel.

Und tut das auch prompt, wie es seiner bekannt diskreten Art entspricht, in den heimischen Medien kund. Zitat: "Als verheiratete Frau geht man nicht in einen Container, wo man mit anderen Männern in einem Zimmer sein muss. Ich sitze allein daheim, weil sie ständig irgendwelche Projekte macht um berühmt zu werden, dazu braucht man keinen Ehemann."

Drama, zweiter Akt: Seine Frau lotet als Reaktion auf ihren öffentlichkeitsaffinen Gatten die Untiefen dieser – Überraschung! – nicht ganz friktionsfreien Ehe coram publico im "Big Brother" Haus aus: Eindeutig in Lugners ihr feindlich gesonnenem Umfeld wäre der Hund begraben, und "es wäre ja einfach, wenn er nur mal auf den Tisch hauen würde und sagen würde, entweder ihr spurt und seid mal respektvoll zu meiner Frau oder ich drehe den Hahn zu."

Die "Bitch, die eh nur sein Geld will"- dieses Image will Cathy Lugner medial zu Grabe tragen und überhaupt, sie will zeigen, wie sie wirklich, so ganz in echt, ist. Das durchaus unerwartete Ergebnis am TV-Bildschirm: Eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, mit dem Charme eines vier Wochen alten Kätzchens.

Das Tal der Tränen

Keine Bitch in Sicht. Mit einer Mischung aus Mitleid, Fremdscham und ordentlich Sympathie, zugegeben, durfte der Zuschauer zwei Wochen lang mitverfolgen, wie sich Frau Lugner durch ein schier endloses Tal der Tränen kämpfte. Immer auch berauscht vom endlich offiziell erfolgten Ritterschlag in Sachen Popularität, denn darum schien es ihr hauptsächlich zu gehen: Jö, die Leut, sie mögen mich ja doch irgendwie– wenn auch nur in der Secondhand-Version.

Die Erleichterung darob dieser Erkenntnis scheint überzuquellen. Wortwörtlich.

Nur, einen Haken hat die Sache. Wie ECHT kann jemand in medialer Dauerbeobachtung agieren, der das Handwerk ausgerechnet von Mörtel höchstpersönlich gelernt hat? Wie sehr haben Lugner und Lugner den Ehecrash gemeinsam inszeniert? Für Publicity würde der Baumeister immerhin sein letztes Hemd geben, der gelernte Österreicher weiß das.

Dass Richard Lugner daher prompt und pünktlich zum zweiten Hochzeitstag extra nach Köln zur Aussprache anreist, hat einen unguten Beigeschmack: Gescripteter Fake, schreit das Ganze. Recht laut. (Übrigens, nix mit Willkommenskultur: Frau Lugner hätte ihren Gatten sichtlich am Liebsten postwendend retour nach Wien transferiert. Kein Happy, sondern Open End.)

Rückendeckung bekam sie allerdings von einem, der es wissen muss: Stephen Dürr, deutscher Soap-Darsteller und temporärer Mitbewohner im Container, "legt seine Hand dafür ins Feuer, dass Cathy nicht spielt." Vielmehr würde Lugner, der Medienprofi, eine Show auf Kosten seiner Frau abziehen.

Nichtsdestotrotz, egal ob Fake oder nicht: Cathy Lugner wird dem Publikum im Gedächtnis bleiben. Als sympathisch neben der Spur, immer einen Tick ZU hysterisch, erfrischend uneitel – und als jemand, der ungeniert nach Akzeptanz und Zuneigung förmlich lechzt. Dass die junge Frau als Vehikel dafür ausgerechnet die Illusionsmaschine "Reality TV" gebraucht hat, DAS ist der eigentliche Vorwurf, dem sich ihr Ehepartner stellen sollte.