Lukas Podolski, den man hierzulande jetzt nicht unbedingt mit gewaltigem Intellekt und außergewöhnlichem Scharfsinn in Verbindung bringt, stellte sich im Format „Bin ich schlauer als…?“ einem Wissenstest. Der überaus mutige Kicker musste nicht nur zeigen, was er so auf dem Kasten hat, sondern sich auch mit Stand-up-Comedienne Tahnee, Moderator Guido Cantz, Schauspieler Martin Klempnow und dem Rest der Deutschen messen.

Robert Penz
Eine Kritik
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"Aber sowas von sicher!", werden sich viele beim Schmökern des TV-Programms am Samstag und Entdecken des RTL-Formats "Bin ich schlauer als Lukas Podolski?" gedacht haben. Jene, die dies auch noch verifiziert wissen wollten oder plötzlich extrem unsicher wurden, waren um 20:15 Uhr dann tatsächlich dabei.

Extrem viele dürften dies jedoch nicht gewesen sein, worauf zumindest die Sozialen Medien hindeuteten, fand die Sendung doch dort im Grunde kaum statt. "Was ist denn der richtige Hashtag für #binichschlauer mit Lukas Podolski bei 'RTL' heute? Finde da nichts, wo aktiv getwittert wird?", twitterte jemand unter dem völlig richtigen Hashtag. Die Erklärung: Auf ProSieben lief das Finale von "The Masked Singer".

"Bin ich schlauer als ...?": Poldis Intellekt wird vermessen

Erneut ging es in der einmal mehr von Günther Jauch moderierten Sendung darum, zahlreiche Fragen eines wissenschaftlich fundierten Tests zu beantworten, der die Schlauheit Lukas Podolskis – von allen nur "Poldi" genannt wird – vermessen sollte.

Der Kicker hatte sich jedoch bereits im Vorfeld durch den Fragendschungel zu kämpfen, um mit seinem Ergebnis dann in der Show gegen Stand-up-Comedienne Tahnee, Moderator Guido Cantz und Schauspieler Martin Klempnow anzutreten. Sie mussten sich dem Test live in der Sendung stellen. Ebenso wurden im Vorfeld in einem repräsentativen Panel die durchschnittlichen Antworten der Deutschen ermittelt. Heißt: Die Promis im Studio traten auch gegen das ganze Land an.

Schlaue Sprüche vom Neurowissenschaftler

"Mit Kopfarbeit habe ich kein Problem. Die meisten Tore habe ich mit dem Kopf gemacht", meinte Poldi vor dem Test, der von Neurowissenschaftler Martin Korte begleitet und mit schlauen Sprüchen unterfüttert wurde. "Je besser wir das können, umso höher ordnet man uns soziale Kompetenz zu", so der kluge Kopf beispielsweise über die Fähigkeit, Gesichter gut zuordnen zu können.

Zunächst aber galt es für die Kandidaten, innerhalb weniger Sekunden zu erkennen, wie viele Glühbirnen, Fensterscheiben und Gläser zu Bruch gingen. "Hat 'RTL' eine gute Haftpflichtversicherung bei den ganzen Scherben", versuchte Guido Cantz, der kürzlich positiv auf COVID-19 getestet worden war (die Sendung wurde aufgezeichnet), gute Laune in das bereits gleich zu Beginn etwas triste Geschehen zu bringen.

Jauch kritisch: "Das nenn ich Kollektivversagen"

Als Cantz nach zwei Testrunden an letzter Stelle lag, war aber auch bei ihm die gute Laune verflogen. Das Erkennen von Geräuschen wie etwa dem Abziehen eines Tesafilms oder einer Fahrradschaltung war nicht so ganz sein Ding. Poldi hingegen startete formidabel, bekam er doch in den deutschen Stadien mit Sicherheit stets jede Menge zu hören – nur vom Trainer offenbar weniger: "Nur wenn man auf der Seite des Trainers spielt, hat man die Arschkarte. Wenn man in der Mitte oder auf der anderen Seite steht, bekommt man null mit", erklärte der Kölner.

Beim Entziffern von Spiegelbildern taten sich alle schwer. "Das nenn ich Kollektivversagen", so der Befund Jauchs, der selbst einmal Kandidat dieser Sendung war und richtig übel abgeschnitten hatte.

Tahnee bei Neuro-Übungen am geschicktesten

Es wollte einfach nicht recht Stimmung aufkommen. So als ob die Protagonisten wussten, dass sie diese Show hier lediglich vor einer Handvoll Leute abziehen mussten. Immerhin war ein kleiner Lerneffekt gegeben, für den Biologe Korte sorgte: "Kreuzworträtsel führen dazu, dass man präziser mit Sprache umgehen kann", erzählte er etwa.

Kollektives Versagen gab’s dann auch, als Neuro-Athletik- und Skisprungtrainer Marc Nölke auftauchte, um mit den Kandidaten ein paar Übungen zu machen, die beide Gehirnhälfte aktivieren sollten. Eine Herausforderung etwa: Zwei Bälle hochwerfen, Hände kreuzen, Bälle überkreuzt wieder fangen. Lediglich Tahnee konnte das. Der Rest – Jauch und Korte inklusive – scheiterte kläglich.

Poldi klaute Zeitungen

Etwas gelacht wurde an diesem Abend lediglich bei der Spielrunde "Aus dem Leben", als Poldi von einer Jugendsünde erzählte: "Ich habe früher immer den 'Express' (Anm: Kölner Boulevardzeitung) rausgeholt aus dem Kasten." Münzen habe er dafür keine gebraucht. "Also geklaut!", meinte Jauch, worauf Poldi dem Moderator schlagfertig und breit grinsend ein "Aufgemacht für jemanden" rüberschob. Eine Frage dieser Kategorie lautete etwa wie folgt:

Das Gemüsefach ist in einem Kühlschrank meist ganz unten angesiedelt. Welche Lebensmittel sollte man in das Fach direkt darüber einsortieren?

  • A: Quark, Joghurt ,Sahne
  • B: Fisch, Fleisch, Wurst
  • C: Salat, Obst, Butter
  • D: Dressings, Senf, Glaskonserven

"Ist doch jedem selber überlassen”, meinte Poldi, der jedoch Antwort A tippte. "Ich hätte auch keine Idee gehabt", so Jauch, während Tahnee und Klempnow sich rasch für die korrekte Antwort B entschieden. "Fisch, Fleisch und Wurst verderben schnell und müssen daher gut gekühlt werden. Und ganz unten ist die kühlste Stelle im Kühlschrank", klärte die 29-Jährige auf.

Auch die Gedächtnis- und Multitasking-Fähigkeiten wurden am Samstagabend noch überprüft. "Man trainiert seine Multitasking-Fähigkeit am besten dadurch, indem man sich lange auf eine Sache konzentriert. Die besten Multitasker sind tatsächlich buddhistische Mönche", ließ es Korte wissen. Durch ihre stundenlange Beschäftigung mit einer Sache würden diese ihren Stirnlappen optimal trainieren, so der Neurowissenschafter weiter.

Poldi schlauer als 69 Prozent der Deutschen

Konnte Poldi zu Beginn des Formats noch richtig punkten, wurde er dann aber zunehmend von seinen Kontrahenten abgehängt. Vor allem Schauspieler Martin Klempnow startete irgendwann eine fulminante Aufholjagd, um sich schließlich sogar den Sieg zu holen. Er gilt somit schlauer als 92 Prozent der Deutschen, die beim Test übrigens am schlechtesten abschnitten.

Poldi landete auf dem vierten Platz und somit hinter all seinen prominenten Kollegen. Dennoch gilt er als schlauer als 69 Prozent der Deutschen, die angesichts des Ergebnisses immerhin darauf hoffen dürfen, dieses auch rasch wieder zu vergessen. Im Grunde war ja die ganze Sendung zum Vergessen.

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