Endlich Oktober. Endlich wieder Champagnerlaune bei Deutschlands D-Promi-Fangemeinde. Und natürlich auch Hochstimmung bei Ihrer Trash-TV-Kolumnistin der Herzen: Das "Sommerhaus der Stars" ist zurück.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
von Marie von den Benken
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Und was auf der pittoresken Waldlichtung in der Einöde des Westmünsterlandes passieren wird, darauf wartet die Nation schon gebannter als Lothar Matthäus darauf, was "I hope we have a little bit lucky" wohl auf Deutsch heißt. Denn RTL hat nach dem "Sommerhaus"-Fiasko des letzten Jahres einiges gut zu machen. Ein neues Logo reicht da nicht aus.

In der vergangenen Saison geriet das "Sommerhaus" großflächig außer Kontrolle. Das zum Resozialisierungs-Camp für sozial inkompetente Berufs-Mobber abgestiegene Wohnprojekt zerstörte damals zahlreiche Karrieren, einige Promi-Beziehungen und beinahe auch die gesellschaftliche Akzeptanz von Formaten, in denen intellektuell weitestgehend Nichtbetroffene ihre Angst vor der Privatinsolvenz mit dem Aufsagen aller Schimpförter zu kompensieren versuchen, die sie kennen.

Um dieses Jahr Buße zu tun und Werbepartner wie Publikum zu demonstrieren, dass ein "Sommerhaus" ohne 20 schwere Beleidigungen pro Sendeminute möglich ist, hat RTL das neue Teilnehmerfeld besonders sorgsam ausgesucht. Der Plan, weniger Mobbing, menschliche Tragödien und anschließende Langzeittherapien zu produzieren, geht in der ersten Folge – sagen wir mal freundlich – nur so mittelgut auf. Aber mal der Reihe nach.

Wake me up when Sommerhaus starts

Als es losgeht, fällt als erstes auf: Bei den meisten, na ja, Promi-Paaren spart sich RTL sogar im Vorspann den Nachnamen. Wohl um zu suggerieren, als Boulevard-Magazin-Konsument und potenzieller "Sommerhaus"-Rezipient hätte man die Damen und Herren eben zu kennen.

Und so geht es dann in den Promi-Sonnenuntergang mit Steff und Peggy, Samira und Yasin, Sissi und Ben, Roland und Janina oder Michelle und Mike. Klingt immerhin alles wie eine Sitcom auf einem Spartenkanal im US-Regionalfernsehen – zum Glück bleiben aber zumindest die eingespielte Lacher aus.

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Viel zu lachen gibt es für den Promi-Jahrgang 2021 ohnehin nicht, denn die Randale-Riege der 2020er Pöbel-Klassenfahrt unter der Leitung von Läster-General Andrej Mangold und Fäkal-Prinzessin Lisha hat das Haus in katastrophalem Zustand hinterlassen. Und Hauptmieter RTL hat seit August letzten Jahres nicht mehr geputzt. Es stinkt, es ist dreckig, es ist ekelhaft. Ein bisschen wie eine "helle, individuelle 38-Quadratmeter-Mietwohnung" im Zentrum von München für 3.600 Euro kalt.

Auf den ersten Blick erkenne ich zumindest Mola Adebisi, der mal im Fernsehen Musik anmoderiert hat, als es noch Musikfernsehen gab, das nicht aus Spongebob-Comics bestand. Er hat sich seinen vorlauten Charme von damals bewahrt, inzwischen allerdings die Figur von Viva-Erfinder Dieter Gorny.

Adelina Zilai hatte als Jugendliche ein Poster von Freund Mola

Mola wird begleitet von Partnerin Adelina Zilai. Klingt wie eine mittelmäßig erfolgreiche Instagram-Schmuckdesignerin, ist sie aber nicht. Zilai hatte als Jugendliche ein Poster von Adebisi in ihrem Zimmer und inzwischen die "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Karriere für Groupies durch: Fan, Kontakt via Facebook, Große Liebe.

Als Käpt'n Mola anfing, bei VIVA zu moderieren, war Zilai sechs Jahre alt. Er blieb dann aber auch elf Jahre. In welchem Alter Zilai Fan wurde, bleibt unklar. Spielt aber auch keine Rolle, denn Zilai verrät: "Ich war so richtig verliebt in ihm". Fast so verliebt wie in Grammatik. Oder wie "Sommerhaus"-Fan und mein Mitgucker (Deutschlands bekanntester Polit-Fluencer und "Die Zeit"-Testimonial) "Pi-Dschäy" Jessen sagt: "Konsequent, dass Mola seinen letzten verbliebenen Fan heiratet".

Wer ist der Opa von Lars Steinhöfel?

Der zweite Teilnehmer, den ich kenne, ist Almklausi. Der 51-jährige Ballermann-Star mit Schlagerhintergrund ist vor allem für seine Marco-Reus-Frisur und den Hit "Mama Lauda" bekannt. Das war es auch schon.

Dafür sieht aber einer der weiteren Kandidaten aus wie der jüngere Bruder von Carsten Maschmeyer, der Jürgen von der Lippes Hawaii-Hemden auftragen muss. Zum Glück ist Einzugs-Show, also dauert es nicht lange, bis ich alle anderen kennenlernen, tja, darf.

Als erstes wären das Steff und Peggy. Steff ist der Maschmeyer-Clon, Peggy seine Frau. Beide sind, sagen sie jedenfalls, "bekannt aus Goodbye Deutschland". Für das "Sommerhaus" hat RTL sie jetzt zurück geholt an den Busen der Trash-Natur. Vor allem, um das Macho-Potenzial von Maschi-Junior auszuspielen. Einer seiner ersten Sätze der Staffel lautet daher imageförderlich: "Hier muss geputzt werden? Da bin ich raus!"

Anschließend schickt der Kölner Auffangsender für knapp an der Weltkarriere vorbeigeschrammte Reality-Stars Lars Steinhöfel und seinen Freund Dominik ins Rennen. Steinhöfel spielt seit 16 Jahren im Ensemble von "Unter Uns". Ob sein Opa der Rechtsanwalt ist, der Anfang der 90er mal sehr kurzzeitig bekannt wurde, weil er auf RTL gerne Zuschauer angepöbelt hat, wird noch nicht verraten. Dafür aber, dass Dominik seinen Lars zu Hause "pedantisch" findet.

RTL greift in die Klischee-Kiste

Der ist direkt scheinempört. Natürlich ist er nur "ordentlich". So oder so – er ist offensichtlich das Gegenteil von Maschi-Junior. Um zum Start direkt mal ganz tief in die Klischee-Kiste zu greifen, lässt RTL ihn sagen: "Beruflich bin ich Flugbegleiter und mein Hobby ist Akrobatik auf dem Pferd". Ja - Lassen Sie das ruhig mal einen Moment auf sich wirken.

Das Paar Roland Heintz und Janina Korn ergänzt die Runde. Sie gilt als die größte RTL-Hoffnungsträgerin auf die Nachfolge von Annemarie Eilfeld als Singsang-Ikone. Janina kommt immerhin aus einer berühmten Familie. Und nein, ihr Stammbaum beinhaltet nicht die Erfindung des Korns. Tatsächlich ist sie die Tochter von "Major Tom" One-Hit-Wonder Peter Schilling.

Ihr etwas älterer Lebenspartner Roland ist Schauspieler und Theater-Regisseur und stellt sich mit einer sympathischen Burgtheater-Performance vor. Sofort wird klar: Er wird der Hubert Kah der Staffel. Schon auf dem Hinweg in der klimatisierten Limousine zeigt er sich als Turbo-Feminist: "Bitte komm' nicht an die Knöpfe". Wann er zuletzt an irgendwelche Knöpfe durfte, wird nicht verraten.

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Da müssen wir Mola drüber sprechen

Ebenfalls dabei sind Samira und Yasin. Beide haben beim "Sommerhaus" Trainings- und Qualifikationscamp "Love Island" zwar nicht als Klassenbeste abgeschnitten, dürfen jetzt aber dennoch am "Dschungelcamp" für Kassenpatienten teilnehmen.

Vollkommen ohne "Love Island" Historie stoßen Michelle Monballijn (laut RTL Schauspielerin) und ihr knapp zehn Jahre jüngerer Ehemann Mike Cees-Monballijn, der senderintern mal erfolglos um "Bachelorette" gebuhlt hat, zum Kader. Bereits der beschwerliche Kiesweg bis zum Gartenzaun des Promi-Bauernhauses macht Mike schwer zu schaffen: "Mir ist gerade voll die Fliege an den Kopf geflogen". Und das hallt dann natürlich minutenlang nach.

Das ist aber noch lange nicht alles, was Mike zur Weißglut bringt. Denn kaum hat der vollkommen in sich ruhende Buddha der Staffel seinen Reisekoffer abgestellt, platzt die erste Bombe: Seine Frau Michelle Monballijn war vor vielen Jahren mal mit Mitinsasse Mola zusammen. Mike ist außer sich: "Es wirft Bilder in mir auf".

Die gesamte Dramatik, dass Michelle und Mola vor Urzeiten mal kurz zusammen waren, als Mike vermutlich so etwa 12 war, erschließt sich mir nicht. Ihr auch nicht. Eigentlich niemandem.

Außer Mike. Der erleidet einen Fakten-Infarkt und wird von der Ex-Freund-Vergangenheit seiner Frau derartig überrollt, dass seine Reaktion recht drastisch ausfällt: "Es gibt keinen Kontakt zu Mola, er ist ein rotes Tuch, auch für dich!" befiehlt er seiner ob dieser Heftigkeit verstörten Ehefrau.

Das "kein Kontakt"-Dekret gilt allerdings nicht lange und vor allem nicht für ihn selbst, denn schon am nächsten Morgen muss Mike seine Gefühlslage Adelina Zilai, diversen anderen Mitbewohnern und schließlich auch Mola schildern. Der zeigt sich lässig und verständnisvoll. Katerstimmung in der "Sommerhaus"-Redaktion. Die erste Verbal-Schlägerei bleibt aus. Aber die Staffel ist ja noch jung.

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"Sommerhaus der Stars" 2021: Wie heißt die Mutter von keiner kennt mich?

Als letzter Teilnehmer taucht dann Almklausi auf der Waldlichtung auf. Voller Vorfreude schmettert er ein lautes "Wie heißt die Mutter von Niki Lauda?" in den Vorgarten. Niemand der Anwesenden reagiert. "Ein peinlicher Moment" attestiert Mola-Kryptonit Mike. Und erklärt auch, warum: "Wenn Sebastian Vettel hier mitmacht, kommt der ja auch nicht mit dem Formel 1-Wagen". Und da hat er recht.

Ich gehe sogar noch weiter: Wenn Arjen Robben beim "Sommerhaus" mitmacht, lässt der sich ja auch nicht alle drei Minuten mit schmerzverzerrtem Gesicht fallen und fordert Strafstoß. Auch Mike selber bleibt dieser Strategie treu und hat als "Bachelorette"-Drop-Out keine Rosen dabei.

Almklausi lässt das kalt. Er ignoriert professionell weg, dass das "Sommerhaus"-Ensemble auf seine Partykracher so euphorisch reagiert wie die FDP auf die ständigen Informations-Leaks aus den Sondierungsgesprächen, die von der WhatsApp-Fraktion der CDU in Echtzeit an die "Bild" durchgestoßen werden. Der schlimmste Diss kommt dann von Peter Schillings Schwiegersohn Roland: "Als ich da wen singen hörte, dachte ich, Mickie Krause kommt. Das hätte mich gefreut".

Als Mola am ersten gemeinsamen Morgen das Thema "Ex-Freundin" nochmals aufwärmt, wertet Mike das als "Demütigung" – vor allem für seine Frau. Ein Spätsommer voller verbalem Brechdurchfall scheint vorprogrammiert. Dieses hochemotionale Thema schlägt auf die Nerven.

Beim folgenden Spiel "Im siebten Himmel" möchte Mike abbrechen, weil ihm "das Thema die ganze Energie geraubt hat". Er kann also keine Fragen mehr in 20 Meter Höhe beantworten, weil Mola Adebisi vor 15 Jahren mal mit seiner Frau zusammen war. Was kommt als nächstes? Almklausi beendet seine Gesangskarriere, weil Lars Steinhöfel seine Frisur hässlich findet?

Ground Control to Major Toms Schwiegersohn

Zum Glück kann die Mola-Verflossene Michelle ihren Mann überzeugen, noch ein paar Fragen durchzuhalten. Das lohnt sich. Mit vier von sieben richtig beantworteten Fragen gewinnen sie das Spiel und sind die ersten Nicht-Nominierbaren der Staffel. Okay, gewinnen mit vier von sieben Fragen ist ein bisschen wie Deutscher Pokalsieger zu werden mit einem Finalsieg nach Elfmeterschießen gegen eine gegnerische Mannschaft, die gar nicht angetreten ist, aber wir sind ja nicht beim Nobelpreis-Komitee.

Zum Finale des "Sommerhaus"-Auftakts gibt es dann noch eine Drohung von Mike an Mola: "Spielst du ein Spiel mit mir, nehme ich dir alles!" – natürlich nicht vis-a-vis, sondern im Schutz des Sprechzimmers. Plus: einen ersten Zwischenstand im Beliebtheitsranking. Beim Stimmungsbarometer erhalten Janina und Roland mit fünf Stimmen die mit Abstand meisten Nennungen und gelten als besonders gefährdet, bei der kommenden Nominierung vor die Tür gesetzt zu werden. Das ist allerdings nur ein Zwischenstand – und bis dahin wird es noch weitere Spiele geben, bei denen die beiden sich ebenfalls sichern könnten.

In der Ad-Hoc-Analyse vermuten die Peter-Schilling-Tochter und der Regisseur, sie wären so unbeliebt, weil sie zu wenig in der Küche helfen. Ob das zutreffend ist, können wir schon morgen klären, denn RTL spendiert dieses Jahr jede Woche gleich drei "Sommerhaus"-Episoden: Jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Ich werde für Sie dranbleiben!

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