RTL wollte das vielgehypte neue Showding "The Masked Singer" auch haben. ProSieben machte das Rennen. Nach der Premiere der Gesangs- und Rateshow mit pompös verkleideten Promis darf gesagt werden: RTL darf sich ruhig ein bisschen ärgern, dass dieser Coup der Konkurrenz gelang, auch wenn die erste Promi-Offenbarung eine kleine Enttäuschung war.

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Ist "The Masked Singer" das ganze Bohei wert, das um das in Südkorea erfundene Showspektakel im Vorfeld gemacht wurde? Ja, denn das grell-schillernde Promi-Versteckspiel, an dem in Übersee bereits Stars wie La Toya Jackson und Ryan Reynolds teilnahmen, ragt aus dem sonst eher mutlosen und wiederkäuenden TV-Betrieb heraus.

Natürlich: Das Show-Rad kann man nicht neu erfinden. Aber man kann es wild drehen - wie einen Mixer: Ein bisschen Gesangsshow hier, ein Hauch von Talentsuche da, dazu ein bisschen venezianischer Karneval und eine Prise "Wer bin ich?"-Ratespaß.

Alles schön im spannenden Ausscheidungsmodus servieren und mit einem Kalauer-erfahrenen Moderator (Matthias Opdenhövel, 48) sowie ein paar gut gelaunt plappernden Ratefüchsen in der "Jury" (Collien Ulmen-Fernandes, 37, Ruth Moschner, 43, Max Giesinger, 30, und Gast Rea Garvey, 46) garnieren. Schon hat man einen neuen Show-Smoothie, der bunter ist als der übliche Einheitsbrei.

Telefone und Kassen klingeln

Obwohl, ein Nebengeschmäckle bleibt. Die Leistungen der verkleideten Promis (die Kostüme wiegen bis zu 20 Kilogramm!) waren fantastisch. Umso bedauerlicher, dass ihre Gesangsauftritte insgesamt kaum eine halbe Stunde von insgesamt drei Stunden Sendezeit einnahmen.

Der Rest? Werbung. Jede Menge Werbung. Und eine Jury, die schulterzuckend irrlichterte und wie Gast-Mitglied Rea Garvey ganz steile Thesen aufstellte: "Ich sag: Mann oder Frau!"

Die Jury riet ins Blaue hinein.

Der meist gesagte Satz des Abends lautete jedoch "Die Telefonleitungen sind jetzt geöffnet." Schließlich durfte das Publikum zu Hause vor dem Fernseher entscheiden, welcher Maskenträger eine Runde weiter kommt. "Das Glöckchen hat geläutet", frohlockte Opdenhövel am Ende jeder Telefonphase.

Er hätte auch sagen können: "Das Kässchen hat geklingelt." Die lukrativen Einnahmen könnten auch der Grund sein, warum die Show in Deutschland live gesendet wird und nicht (wie etwa in Amerika) als Aufzeichnung.

Ist Angela Merkel das Monster?

Was geschieht mit dem vielen Geld? Vielleicht wird es direkt in die Promis (und deren Gagen) investiert. Collien Ulmen-Fernandes glaubt jedenfalls nicht daran: "Ist das Britney Spears? Nee, die ist ProSieben sicher zu teuer."

Überhaupt Collien. Die enthüllte nebenbei und zwischen den Zeilen ein paar sehr witzige Wahrheiten. "Das könnte ja auch die Dingens sein, aber - nee - die ist ja aus der anderen Sendefamilie." Stimmt, RTL, im Poker ums Format unterlegen, wird seine Markengesichter eher nicht so gerne - und wenn auch nur verkleidet - beim Mitbewerber sehen wollen.

Überraschung? Leider nicht. Der erste demaskierte Promi entpuppte sich als eine alte ProSieben-Bekannte.

Denn, bitter für RTL: "The Masked Singer" hat was. Vor allem noch mehr Potenzial: Die Ratefüchse werden mutiger werden. Das Publikum wird seine Lieblinge identifizieren und dann richtig mitfiebern. Mit dem tollpatschigen Monster (Max: "Ich glaub ja, dass Angela Merkel das Monster ist"), dem schönen Kudu, der sexy Pantherdame oder dem Engel, der höllisch metallisch sang. Oder dem Eichhörnchen, das ein so heißes (und enges) Höschen trug, dass Opdenhövel nicht zu Unrecht vom "Eichhorn" sprach. Warum Collien da spontan Robbie Williams einfiel, bleibt ihr lüsternes Geheimnis.

Der Oktopus wird demaskiert

Die fünf Sieger der Masken-Duelle - Engel, Panther, Kudu, Eichhörnchen und Astronaut - zogen direkt in die zweite Runde ein. Von den unterlegenen Sängern (Monster, Grashüpfer, Oktopus, Kakadu, Schmetterling) stellten sich in der Verlängerung einer weiteren Telefonvotingrunde zum Wohle von ProSieben. Wer die wenigsten Anrufe bekam, wurde demaskiert. Totentanz und Ausscheiden statt Mummenschanz in der nächsten Woche. Es erwischte den Oktopus.

Das vielarmige Glibberwesen entpuppte sich - nicht gerade zur Überraschung der meisten TV-Zuschauer und Twitter-User - als Lucy Diakovska (43). Das rothaarige Energiebündel war Teil der No Angels, der erfolgreichsten deutschen Girl-Group aller Zeiten.

Lucy ist zudem ein fester Bestandteil der ProSieben-Senderfamilie und gern gesehener Gast bei Formaten wie "Stars auf Eis" oder so ziemlich allen anderen Sportarten, die man mit Promis veranstalten kann - vom Turmspringen bis zum Wok-Rodeln.

Bleibt zu hoffen, dass ProSieben noch ein bisschen mehr bietet als das leidlich bekannte inzestuöse Familiengeklüngel. Das Format - frisch, spannend, witzig - bietet neuen Drive. Da täten auch mal ein paar neue Promi-Gesichter gut, zumal Matthias Opdenhövel zu Beginn der Sendung vollmundig versprach: "Wir haben Gewinner von insgesamt 41 goldenen Schallplatten, zehnmal Platin, Doppelplatin, Vierfachplatin. Wir haben Sportler, deutsche Meister, Weltmeister. Goldene Kamera Gewinner, Bambi-Gewinner und sogar den Träger eines Verdienstordens."

In Folge zwei nahm der Schmetterling die Maske ab. Es sang GZSZ-Star Susan Sideropoulos. Unter dem Kakadu steckte Heinz Hoenig und Marcus Schenkenberg warf sich jedes Mal ins Eichhörnchen-Kostüm.

(tsch/Jürgen Winzer)

Ist das Monster Angela Merkel? Die Jury hatte da so einen Verdacht.