• Der Grünen-Politiker Janosch Dahmen spricht sich bei "maischberger. die woche" gegen ein vorzeitiges Ende der Corona-Maßnahmen und für eine Impfpflicht aus.
  • Der Lungenfacharzt Thomas Voshaar widerspricht in allen Punkten.
  • Der frühere Diplomat Wolfgang Ischinger bezeichnet den russischen Aufmarsch an der ukrainischen Grenze als sehr bedrohlich.
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Eine Kritik

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Das ist das Thema bei "maischberger. die woche"

Es gibt derzeit eine Menge Themen, die zu kontroversen Diskussionen einladen. Da ist zum einen die Corona-Lage in Deutschland, in der trotz immer neuer Rekordzahlen der Ruf nach Lockerungen lauter wird. Unvermindert ernst ist die Lage im Ukraine-Konflikt, der wechselhafte Kurs der deutschen Regierung im Umgang mit Russland sorgte zuletzt für Kritik. Und dann sind da noch die am Freitag beginnenden Olympischen Spiele in Peking, die wegen der Menschenrechtsverletzungen des Gastgebers China umstritten sind. Die ARD-Talkshow "maischberger. die woche" widmete sich am Mittwoch allen drei Themen.

Mit diesen Gästen diskutierte Sandra Maischberger

Janosch Dahmen: Gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag und Mitglied im Gesundheitsausschuss. Vor seiner politischen Karriere arbeitete Dahmen als Oberarzt im Rettungsdienst Berlin.

Thomas Voshaar: Chefarzt der Lungenklinik Bethanien in Moers und Präsident des Verbands Pneumologischer Kliniken.

Wolfgang Ischinger: Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Ischinger arbeitete früher als Diplomat und Jurist.

Gerhard Delling: Als Moderator war Delling viele Jahre eines der bekanntesten Gesichter bei ARD-Sportübertragungen. Mit Experte Günter Netzer bildete er bei Spielen des DFB-Teams ein Duo mit Kultpotenzial.

Cerstin Gammelin: Die Journalistin ist stellvertretende Chefin des Parlamentsbüros der "Süddeutschen Zeitung".

Florian Harms: Der Journalist ist Chefredakteur bei "t-online.de".

Wer vermisst wurde

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach war eingeladen, musste aufgrund einer starken Erkältung aber passen und wurde durch Janosch Dahmen ersetzt. Was natürlich sehr schade war, nicht nur weil Lauterbach generell ein sehr unterhaltsamer Talkshowgast ist, sondern auch weil er zuletzt unter anderem wegen des Streits um den Genesenenstatus ziemlich in der Kritik stand. Gerne hätte man gehört, wie er die aktuelle Corona-Lage einschätzt.

Was über Karl Lauterbach gesagt wurde

Wie das so ist, wenn man jemand nicht vor Ort ist, reden dann eben die anderen über ihn. "Er ist sich manchmal noch nicht so richtig der Verantwortung bewusst, die er jetzt hat", sagte die "SZ"-Journalistin Gammelin: "Es war ein großer Fehler, dass er das RKI und das Paul-Ehrlich-Institut beim Genesenenstatus entscheiden lassen hat, was im Alltag Verwirrung mit sich gebracht hat. Dieser Fehler hängt ihm ziemlich nach." Auch "t-online"-Chefredakteur Harms stellte dem Gesundheitsminister kein sonderlich gutes Zwischenzeugnis aus. "Ich habe den Eindruck, dass seine Kommunikation nicht immer klar ist. Und damit prägt er das Erscheinungsbild der Regierung. Das Corona-Management ist nicht besser als unter Merkel und Spahn. Daran hat er eine Mitschuld", sagte Harms.

"Maischberger. die Woche": Worüber gestritten wurde

Der Grünen-Politiker und Arzt Janosch Dahmen und der Lungenfacharzt Thomas Voshaar wurden sich am Donnerstagabend überhaupt nicht einig. Einfach die Maßnahmen zu beenden, wie es beispielsweise Dänemark getan hat, kommt für Dahmen überhaupt nicht infrage. "Das wäre ein hohes Risiko, das wir mit einem hohen Preis bezahlen würden", warnte der Politiker.

Voshaar hingegen zeigte sich als klarer Befürworter von Lockerungen. "Ganz vereinfacht und verkürzt gesagt: Ja", antwortete er auf die Frage von Talkmasterin Maischberger, ob nun die Zeit gekommen sei, das Virusgeschehen einfach durch die Bevölkerung laufen zu lassen. Die No-COVID-Strategie sei gescheitert, was aus naturwissenschaftlicher Sicht ohnehin von vorneherein klar gewesen sei, erklärte Voshaar.

Es brauche nun eine gute Impfimmunisierung, die vor allem in den vulnerablen Gruppen in Deutschland aber erreicht sei. "Dann müssen wir uns fragen, welche Zielsetzung wollen wir noch haben? Wann wollen wir diesen Varianten, die uns sozusagen der Himmel geschickt hat, mehr Verlauf lassen? Der Ausweg aus einer Pandemie ist immer nur der Übergang in die Endemie durch wiederholte Infektionen", sagte Voshaar. Die Impfung verhindere dabei katastrophale Zustände.

"Das sind die falschen Worte angesichts so vieler Menschen, die derzeit krank werden", widersprach Dahmen mit Blick auf das "Vom Himmel geschickt"-Zitat deutlich. Der Politiker verwies auf die deutlich schlechtere Impfquote in Deutschland im Vergleich etwa zu Dänemark oder England. "Wir brauchen eine höhere Impfquote", forderte Dahmen und sprach sich für eine Impfpflicht ab 18 aus, um im kommenden Herbst und Winter eine neue Welle zu verhindern. Eine hohe Impfquote will auch Voshaar, allerdings ohne Pflicht. "Das müssen wir viel klüger machen, als mit einer Impfpflicht zu drohen", sagte der Lungenfacharzt und forderte von der Politik eine direktere und bessere Ansprache der noch ungeimpften Gruppen. Voshaar war per Video zugeschaltet, aber selbst wenn er und Dahmen gemeinsam im Studio gewesen wären, hätten sie nach der Sendung wohl kein Bier zusammen getrunken.

Was Gerhard Delling über die Olympischen Spiele in Peking sagte

Der langjährige ARD-Sportjournalist hätte eine Verschiebung der Spiele angesichts der aktuellen Situation in China befürwortet. "Es ist aufgrund der pandemischen Lage nicht sinnvoll. Und auch deshalb, wie es gehandhabt wird. Die Sportler sehen sich nicht, die haben außer kurz beim Wettkampf nichts miteinander zu tun. Ein Reporterkollege von uns ist seit Tagen in seinem Zimmer eingeschlossen", erzählte Delling. Auch deutsche Städte hatten sich in den letzten Jahren um Olympische Spiele beworben, die Bevölkerung hatte sich aber in München und Hamburg dagegen entschieden "Es wird schwer in der Welt Austragungsorte zu finden, wo man ohne Kritik solche Veranstaltungen machen kann", erklärte Delling.

Gerhard Delling bei Sandra Maischberger.
Gerhard Delling bei Sandra Maischberger.

Was Hoffnung machte

Am Ende der Sendung äußerte sich der frühere Diplomat Wolfgang Ischinger zur Lage an der ukrainischen Grenze und den massiven Verlegungen russischer Truppen. "Die sind sehr bedrohlich. Man muss Jahrzehnte zurückgehen, um einen Aufmarsch in dieser Größenordnung zu finden", erklärte der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz. "Was sind die Intentionen? Wir wissen es nicht", sagte Ischinger mit Blick auf Wladimir Putin. Da die USA aber Verhandlungen angeboten hatten, hätte das russische Staatsoberhaupt ein politisches Ziel bereits erreicht. Auf dieses Verhandlungsangebot werde die Russische Föderation in den nächsten Wochen oder Monaten wohl eingehen, was die die Lage entschärfen könnte, vermutete Ischinger: "Ich bin nicht ganz pessimistisch."

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Das ist das Fazit

Mit drei völlig unterschiedlichen Themen bot "maischberger. die woche" am Mittwochabend eine große Menge an Informationen. Der spannendste Moment war sicher der Schlagabtausch zwischen Janosch Dahmen und Thomas Voshaar, aber auch die Diskussionen über die Olympischen Spiele und die Ukraine-Krise waren interessant. Insgesamt war es eine unterhaltsame Talkrunde.

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