Alles spricht für Lewis Hamilton - nur mit einem Sieg beim Großen Preis von Malaysia am Sonntag kann Sebastian Vettel die WM noch einmal spannend machen.

Nach außen wirkt Sebastian Vettel betont cool: "Ich schaue von Rennen zu Rennen und glaube fest daran, dass wir es noch schaffen", versicherte er bei der Pressekonferenz am Donnerstag vor dem Großen Preis von Malaysia.

Die Kritik seitens Mercedes-Vorstand Niki Lauda oder Red-Bull-Pilot Max Verstappen und anderen, er sei verantwortlich für den desaströsen Rennunfall in Singapur, schüttelt er achselzuckend ab: "Da kannst du nicht viel machen, deshalb bringt es auch nichts, wieder und wieder darauf zu schauen."

Deshalb sei es besser, wenn man Zeit und Energie darauf verwende, nach vorne zu blicken. Trotz der zur Schau gestellten Coolness brodelt es gewaltig im viermaligen Weltmeister.

Denn am Sonntag heißt es alles oder nichts. Entweder er nimmt seinem Dauer-Rivalen Lewis Hamilton deutlich Punkte ab - im Moment hat der Brite 28 Punkte Vorsprung - oder die WM ist gelaufen.

Chancen auf ein Comeback stehen schlecht

Das Restprogramm scheint eher Mercedes in die Karten spielen. Von den vergangenen 17 Auflagen in Malaysia, Japan, Mexiko, den USA, Brasilien und Abu Dhabi gewannen die Silberpfeile 15. Vettel hat also keine andere Wahl, als sich in Zweckoptimismus zu üben.

Durch den bitteren Rennunfall vor zwei Wochen beraubte er sich nicht nur einen möglichen Grand-Prix-Sieg auf einer seiner Paradestrecken. Sondern er schenkte Hamilton damit den dritten Erfolg nacheinander.

Dass nun die Chancen auf den fünften WM-Titel - es wäre der lang ersehnte erste mit Ferrari - für den Hessen nicht mehr besonders gut stehen, zeigt sich auch in den Wettbüros. Da liegt Vettel schon mit einer Quote von 1:5 hinter Lewis Hamilton.

Am Sonntag muss also ein Sieg her, wenn der Deutsche noch einmal entscheidend in das Rennen um die Formel-1-Krone eingreifen. Dass er es drauf hat, in Sepang zu gewinnen, hat der Ferrari-Pilot bereits viermal bewiesen - zuletzt vor zwei Jahren. Da hat er seinen ersten Sieg überhaupt mit der Scuderia geholt.

Das Momentum liegt dennoch klar beim Briten. Seit dem Kanada-Grand-Prix im Juni holte der Mercedes-Star 53 WM-Punkte mehr als sein Konkurrent im Ferrari. Die langen Geraden und schnellen Kurven des Sepang International Circuit machen den Malaysia Grand Prix eher zu einer Mercedes-Strecke.

Hamilton fährt eine grundsolide Saison

Hamilton stand die vergangenen drei Jahre auf der Pole Position, auch wenn er nur ein Rennen siegreich beenden konnte. 2016 schied er wegen eines Motorschadens in Führung liegend aus.

Ein Motorplatzer oder ein Getriebeschaden: Auch das wären Optionen, die man bei der Scuderia Ferrari nicht ablehnen würde. Doch in diesem Jahr blieb Hamilton bislang von Ausfällen verschont.

Trotz der Tatsache, dass alles für den 32-jährigen Briten spricht, ist Mercedes gewarnt: In der Team-Wertung hat man zwar einen komfortablen Vorsprung von 98 Punkten, da scheint alles gelaufen.

Aber der Fahrer-Titel ist noch nicht entschieden. Schließlich kennt man die Comeback-Qualitäten eines Sebastian Vettel. 2010 lag der Heppenheimer, damals noch im Red-Bull-Cockpit, nach 13 Grand Prix bereits 31 Punkte hinter Hamilton im McLaren und wurde trotzdem erstmals Weltmeister.

2012 jagte Vettel seinem damaligen Rivalen Fernando Alonso im Ferrari nach elf Rennen noch eine 42-Punkte-Führung ab, am Ende wurde wieder Vettel Weltmeister.

Eines steht aber jetzt schon fest: Es wird der letzte Große Preis von Malaysia sein, der Regierung des südostasiatischen Landes ist der Formel-1-Zirkus nach 19 Jahren zu kostspielig geworden.

Ob die Fahrer die Bedingungen in dem südostasiatischen Inselstaat - mehr als 30 Grad bei über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und extrem hoher Regenwahrscheinlichkeit - vermissen werden, steht auf einem anderen Blatt.