Bastian Schweinsteiger vermeidet ein klares Bekenntnis zum FC Bayern und heizt die Spekulationen um seine Zukunft an. Optionen gäbe es für den Routinier genug - allen voran die heimliche Liebe Manchester United.

Für die Fans des FC Bayern ist Bastian Schweinsteiger der "Fußball-Gott". Seit 17 Jahren spielt er für den Rekordmeister, Profi-Debüt 2002, achtmal deutscher Meister, siebenmal Pokalsieger, Champions-League-Sieger und Klub-Weltmeister. Schweinsteiger hat bei den Bayern eine Epoche geprägt, er ist ein Roter durch und durch. Aber vielleicht spielt "Gott" bald woanders.

Die Gerüchte um einen Abschied bei den Bayern halten sich schon lange, am Mittwochabend hat Schweinsteiger diese im Rahmen des Testländerspiels gegen die USA nochmal befeuert. Der bald 31-Jährige vermied ein klares Bekenntnis zu seinem Klub, bei dem er noch einen Vertrag bis Sommer 2016 besitzt.

Was für einen Wechsel von Bastian Schweinsteiger spricht

Dann sagte Schweinsteiger noch eindeutig zweideutig, was in den nächste Tagen anstehen wird: Vertragsgespräche. "Ich habe mit dem Herrn Karl-Heinz Rummenigge ausgemacht, dass wir im Sommer miteinander sprechen, wie die Zukunft aussieht", sagte er in der "ARD". "Ich habe ja noch ein Jahr Vertrag, von daher gibt es da keine Eile. Und jetzt ist Frühsommer …" Klingt so, als wäre der Ausgang des Gesprächs vollkommen offen.

Vieles spricht für einen Wechsel. Schweinsteiger hat immer mal wieder durchblicken lassen, dass er in seiner Karriere noch eine andere Liga kennenlernen möchte. Die Premier League läge ihm am ehesten, für Manchester United hat Schweinsteiger schon seit jungen Jahren ein Faible.

Das Gedränge im Mittelfeld der Bayern wird durch die Rückkehr von Pierre-Emile Höjbjerg noch größer. Dazu kommen die ohnehin schon etablierten Xabi Alonso, Sebastian Rode, Thiago und Javi Martinez. Nimmt man Philipp Lahm und David Alaba noch dazu, die Trainer Pep Guardiola vorzugsweise im Zentrum aufstellt, hätten die Bayern sieben starke bis hochkarätige Optionen für zwei oder drei Positionen im zentralen Mittelfeld. Noch gar nicht eingepreist sind darin die Youngster Gianluca Gaudino und Luca Scholl, sowie der immer noch im Raum stehende Wechsel von Ilkay Gündogan.

Wollen die Bayern noch eine ordentliche Ablösesumme erzielen, - der Marktwert liegt bei etwa 25 Millionen Euro - müssten sie den Spieler in diesem Sommer verkaufen. "Aus unserer Sicht ist klar: Wir würden nur über einen Wechsel nachdenken, wenn Bastian mit einem konkreten Wunsch auf uns zukommen würde", sagt Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Offenbar ist den bayerischen Verantwortlichen klar, dass sie bei einem Schweinsteiger-Wechsel nicht nur einen exzellenten Profi und Anführer verlieren, sondern auch eine Identifikationsfigur. Das gelebte "Mia san Mia", die perfekte Symbiose aus heimeliger bayerischer Tradition und globaler Strahlkraft.

Wechselt Schweinsteiger zum Förderer Louis van Gaal?

Schweinsteigers Kokettieren lässt viel Raum für Spekulationen. Die Major League Soccer soll eine Option sein, in den USA lässt es sich formidabel leben. Und in der aufstrebenden Liga könnte er auch noch Fußball-Entwicklungshilfe leisten. Zwar sind die Verdienstmöglichkeiten in der Major League Soccer (MLS) bei weitem nicht so hoch wie in den exklusiven europäischen Ligen. Aber Welt-Stars wie David Beckham, Thierry Henry oder Kaka haben den Schritt längst gewagt und nie bereut. Und wer weiß, welche Rolle die neue Lebensgefährtin Ana Ivanovic in Schweinsteigers Überlegungen spielt.

Eher unwahrscheinlich dürfte jedenfalls ein Wechsel nach Spanien oder Italien sein, auch exotische, aber dafür umso zahlungskräftigere Arbeitgeber etwa aus China oder Katar dürften für Schweinsteiger keine Alternative sein. Vieles deutet auf die Premier League und dort eben Manchester United hin. Mit Louis van Gaal ist dort der Mann Trainer, der ihm vor fünf Jahren auf ein völlig neues Spiellevel verholfen hat.

Der Niederländer war es, der aus dem Flügelspieler Schweinsteiger, der gerne mal ein Luftikus war, einen seriösen Zentrumsspieler geformt hat, der es auf dieser Position bis in die Weltspitze gebracht hat. Die heimliche Liebe zu den Red Devils käme unterstützend dazu. Und dann ist da ja immer noch die mögliche ganz große Rochade: Auf Angel di Maria, der im letzten Sommer für 75 Millionen Euro zu ManUnited gewechselt war, haben die Bayern immer noch ein Auge geworfen.

Van Gaal setzt nicht mehr zu große Stücke auf die Dienste des Argentiniers, einen der besten Flügelspieler der Welt, der als Nachfolger von Franck Ribery oder Arjen Robben in Frage kommt. Di Maria ist für die Bayern bislang eine Spur zu teuer, im Tausch mit Schweinsteiger wäre die Ablösesumme einigermaßen moderat.

Vielleicht kommt alles aber auch ganz anders und Schweinsteiger macht sich bei den Fans unsterblich - indem er seinen Vertrag doch nochmal verlängert und seine Karriere bei den Bayern beendet. Es bleibt ein mögliches Szenario, auch wenn es derzeit eher unwahrscheinlich erscheint.

Der Fußball-Gott wird wohl bald woanders spielen. Die Bayern-Fans sollten - wenn es soweit kommt - zumindest nicht allzu überrascht sein.