Die Dominanz des FC Bayern München hat die Liga in den vergangenen drei Jahren förmlich erdrückt. Nun sind die Vorzeichen aber ein wenig anders. Es droht kein erneuter bayerischer Alleingang. Die Fans dürfen sich vielmehr auf ein spannendes Meisterschaftsrennen freuen.

Zuletzt war es immer so: In der Bundesliga konnte der Zweitplatzierte jederzeit gegen den Tabellenletzten verlieren, der Fünfzehnte den Vierten schlagen. Die Homogenität der Liga ist ein Alleinstellungsmerkmal, wie es keine andere der europäischen Top-Ligen aufweisen kann. Nur der Spitzenreiter, der war nahezu unerreichbar. Die Bayern sind in den vergangenen drei Jahren mit 25, 19 und zehn Punkten Vorsprung Meister geworden.

In dieser Zeit haben sie läppische acht von 102 Spielen verloren - die meisten davon in der Endphase der Spielzeiten, als der Titel längst unter Dach und Fach war. Man durfte ohne große Übertreibung von einer totalen Münchner Dominanz sprechen. Nun ist die neue Saison noch sehr jung, die Tabelle besitzt kaum Aussagekraft. Und trotzdem keimt bei den Fans die leise Hoffnung, dass diese Spielzeit nicht nur Dramatik am Tabellenende generiert, sondern es endlich auch wieder einen vernünftigen Meisterschaftskampf geben wird.

Borussia Dortmund ist so stark wie lange nicht

Borussia Dortmund ist einer der Vereine, der Hoffnung auf eine spannendere Saison macht. Der BVB hat mit seinem neuen Trainer Thomas Tuchel nicht nur einen perfekten Start hingelegt, er spielt auf einmal auch wieder einen Fußball, der taktisch durchdacht, erfrischend innovativ und unberechenbar daherkommt. Die Borussia steht dabei nach wenigen Wochen mit dem neuen Coach noch am Anfang einer Entwicklung, die ein Versprechen für die Zukunft darstellt. Die Kaderqualität und -tiefe stimmt, lediglich ein Problem gibt es: Was passiert, wenn sich der in vorderster Linie postierte Pierre-Emerick Aubameyang verletzt?

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Hier ist der BVB verwundbar. Andererseits sind Tuchels Systeme so flexibel, dass Dortmund auch für eine gewisse Zeit auf einen Mittelstürmer verzichten könnte - nicht aber auf Aubameyangs individuelle Qualität. Trotzdem schwingt sich Borussia Dortmund wieder zu einem ernsthaften Kontrahenten für den FC Bayern auf.

Und die Tatsache, dass der BVB "nur" in der Europa League ran darf und die ganz großen Festtage und somit jede Menge Substanzverlust in der Champions League ausgeschlossen sind, sollte zumindest in der Vorrunde auch eher Vor- als Nachteil sein.

Hans-Joachim Watzkes Worte im Vorfeld der Saison dürfen getrost als Koketterie betrachtet werden. "Die Frage, wer in der kommenden Saison Meister wird, kann eingestellt werden. Mit den Bayern wird es zum ersten Mal einen Verein geben, der zum vierten Mal in Serie deutscher Meister wird. Und im übernächsten Jahr wahrscheinlich erstmalig zum fünften Mal", sagte Watzke. Seine Mannschaft ist im Begriff, den Gegenbeweis anzutreten oder zumindest, die steil formulierte These ins Wanken zu bringen. Das übergroße Maß an Demut jedenfalls kann sich der BVB getrost wieder abschminken.

... und Kevin tut was für De Bruyne. Lehren des 2. Spieltags.

Bayer Leverkusen ist gereift

Bayer Leverkusen ist ein weiterer Verein, der Hoffnung auf eine spannendere Saison macht. Die Werkself hat offenbar aus den Fehlern der Vorsaison gelernt und ihr Spiel deutlich balancierter austariert. Der Bayer-Fußball steht in der Liga nicht mehr nur für ausgelassenes Spektakel, für Tempo und Aggressivität. Roger Schmidt scheint der Schritt hin zu einem nüchternen Ergebnisfußball gut zu gelingen. Und nur so wird seine Mannschaft auch bis zum Ende der Saison mit ihren Kräften haushalten können. Dass die individuelle Qualität im Kader einen Angriff auf die Spitze zulässt, scheint ohnehin außer Frage.

Wie gut Bayer mit den Bayern mithalten kann, wird sich bereits am Wochenende zeigen, wenn beide Teams aufeinandertreffen. Die Liga wird sehr gespannt auf das erste Spitzenspiel der neuen Saison schauen.

Der Vergleich des Vizemeisters mit dem Meister lässt dagegen noch ein wenig auf sich warten. Der VfL Wolfsburg ist mit ein paar Störgeräuschen ins Spieljahr gestartet. Aber trotzdem gehen die "Wölfe" mit der wohligen Gewissheit ins Rennen, die Bayern zuletzt zweimal geschlagen zu haben. Die Mannschaft ist ebenso gefestigt wie eingespielt, nach einer Saison mit Vizemeisterschaft und Pokalsieg wäre der nächste logische Schritt nun, den Titel anzupeilen. Zwar äußern sich die Verantwortlichen eher zurückhaltend, zum Selbstverständnis des VW-Klubs gehört in naher Zukunft aber auch der nationale Titel. Das große Aber: Mit Kevin De Bruyne wird die Mannschaft ihre wichtigste Säule möglicherweise verlieren - die in der Art kurzfristig auch nicht Eins-zu-eins zu ersetzen sein wird.

Schalke und Mönchengladbach können die Bayern ärgern

Dem FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach bleiben Außenseiterchancen. Mit der Titelvergabe dürften beide zwar nichts zu tun haben. Aber sie sind in der Lage, den Bayern in den direkten Duellen wehzutun. Das hat die jüngere Vergangenheit gezeigt. Wie weit Schalke aber mit dem neuen Trainer André Breitenreiter schon ist und wie stark sich Gladbach von der ungewohnten Belastung der Champions League befreien kann, bleibt abzuwarten.

Der größte Gegner der Bayern, das vermuten nicht wenige Experten, dürften aber die Bayern selbst sein. Es lockt die Aussicht auf den vierten Titel in Serie und damit einen weiteren Rekord.

Es lockt aber auch die Königsklasse. Pep Guardiolas Wirken beim FCB wird ohne den Gewinn der Champions League eine Fußnote bleiben - da würde auch ein vierter Meistertitel in Folge kaum etwas daran ändern. Es ist eine Hoffnung der Konkurrenz, dass sich die Priorität beim Rekordmeister im Laufe der Saison immer weiter in Richtung Champions League verlagert.

Und, man mag es sich kaum vorstellen bei dem Luxuskader: In der Abwehr droht ein personeller Engpass. Medhi Benatia fällt länger aus, Holger Badstuber und Javi Martinez sind noch nicht fit. Dante hat zuletzt immer mal wieder seine Eignung auf höchstem Niveau vermissen lassen. Und fehlt dann auch noch Jerome Boateng, der am Wochenende gesperrt sein wird, hat der große FCB urplötzlich ein veritables Problem.