Horst Heldt kann bereits für André Breitenreiter eine Hängematte aufhängen, Thomas Tuchel fehlt noch einiges zu Jürgen Klopp und die Bayern-Fans sind wie Garfield. Außerdem beweist Mainz, dass es nicht auf die Größe ankommt. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

Eine Glosse
von Tim Frische, Redakteur Sport

1. Lehre: Tuchel fehlt noch einiges zu Klopp

Jürgen Klopp ist zwar längst aus Dortmund weg, dennoch trifft das von ihm so oft zitierte Wort "Mentalitätsmonster" immer noch auf die BVB-Spieler zu.

Seit Wochen laufen die Borussen den Bayern in der Tabelle hinterher und haben dabei in etwa so viele Chancen sie einzuholen wie ein Hund, der seinem eigenen Schwanz hinterherjagt.

Dennoch lässt sich das Team von Thomas Tuchel nicht hängen, sondern zeigte gegen Werder eine monströse Mentalität. 15 Minuten vor dem Ende kassierte der BVB das 1:2 – und drehte die Partie dennoch.

Auch weil Tuchel Spieler mit einer brutalen Klasse wie die Torschützen Shinji Kagawa und Adrian Ramos von der Bank bringen kann. "Wir haben eine Schippe drauflegen können und eine gute Mentalität gezeigt", resümierte der Coach nach Spielende nüchtern.

Nach solch emotionalen Spielen vermissen wir manchmal Jürgen Klopp. Der hätte etwas gesagt wie: "Meine Jungs haben am Ende noch einmal brutal zugelegt und haben alles rausgehauen, was in ihnen steckt."

In emotionaler Hinsicht fehlt Tuchel noch einiges zu Klopp. Doch lange müssen wir auf den Ex-Trainer glücklicherweise nicht mehr warten: Am Donnerstag spielt Klopp mit dem FC Liverpool in der Europa League beim BVB. Unsere professionelle Meinung dazu: Das wird brutal geil!

2. Lehre: Bayern-Fans sind wie Garfield

Das war zwar alles andere als schön, dafür effektiv. Mit einem dreckigen, aber gleichsam verdienten 1:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt wahrt der FC Bayern seinen weiterhin beruhigenden Fünf-Punkte-Vorsprung auf Borussia Dortmund.

Noch bemerkenswerter als das zweifelsfrei extrem bemerkenswerte Sahne-Zauber-Zucker-Tor von Franck Ribéry, in dem der Franzose seine ganze technische Klasse in einer Aktion bündelte, war nur die Tatsache, dass Pep Guardiola tatsächlich Mario Götze von Beginn an spielen ließ.

Und Götze rechtfertigte das Vertrauen des Trainers - auf das der Nationalspieler in der Champions-League-Partie gegen Benfica wohl lange wird warten können - mit einer couragierten Leistung und der Einleitung des 1:0-Siegtreffers. Danach hatte Frankfurt zwar noch die eine oder andere Chance, wirklich in Gefahr geriet der Bayern-Sieg allerdings nicht.

Und so konnten sich die FCB-Fans in der Südkurve relativ ungestört ihrem kreativen Protest gegen die diskutierte Einführung von Montagsspielen in der Bundesliga widmen.

Neben dem Hauptbanner mit dem Schriftzug "Montags" gab es zahlreiche weitere Banner, die den Satz vollenden sollten.

Darunter waren nachvollziehbare Aussagen wie "... bin ich bei der Familie", "... habe ich Schule" und "... bin ich arbeiten".

Noch nachvollziehbarere Aussagen wie "... schlafe ich meinen Rausch aus" und "... hole ich die Kohle vom Amt".

Und natürlich die nachvollziehbarste aller Aussagen: "... blockiere ich Pegida".

Es gibt halt Dinge, die braucht kein Mensch. Montage gehören definitiv dazu – das wissen wir spätestens seit Garfield. Noch schlimmer wären nur Montagsspiele.

3. Lehre: André Breitenreiter braucht eine Hängematte

Es gibt mehrere Indizien, die dafür sprechen, dass dein Team bescheidenen Fußball spielt. Du bist Fan des Hamburger SV. Thomas Schaaf war bis vor kurzem dein Trainer. Oder dein Torwart ist seit Monaten der mit Abstand beste Spieler deines Vereins.

Letzteres trifft auf den FC Schalke 04 zu. Keeper Ralf Fährmann hält zwar Woche für Woche richtig stark, doch im Spiel nach vorne hakt es so sehr, dass sich manch S04-Fan bereits nach dem Offensivspektakel der Roberto-Di-Matteo-Ära sehnt.

Fährmann ist durch den Patzer von Hertha-Torwart Rune Jarstein im Spiel in Mönchengladbach (0:5) der einzige Stammkeeper der Bundesliga, der noch kein Gegentor verschuldet hat.

Für die groben Schnitzer sorgen stattdessen die werten Teamkollegen. Bei der 0:3-Peinlichpleite in Ingolstadt waren dies allen voran Junior Caicara und Roman Neustädter, die auf dilettantische Weise zwei Gegentore verschuldeten.

Durch die eigene Niederlage und die Siege der Konkurrenz rutschte S04 von Rang vier auf Rang sieben ab. Der scheidende Sportvorstand Horst Heldt sagte am Sonntag bei "Sport1", er glaube noch an die Qualifikation zur Champions League und wolle sich nicht in die Hängematte legen.

Vergeigt S04 allerdings mit Niederlagen in den kommenden Partien gegen Dortmund, Bayern und Leverkusen die Qualifikation für den Europapokal, könnte Heldt neben seiner eigenen gleich noch eine zweite Hängematte aufhängen: für Trainer André Breitenreiter. Und in der könnten beide über den Sommer hinaus liegen bleiben.

4. Lehre: Auf die Größe kommt’s nicht an

Statt des FC Schalke 04 könnte in der kommenden Saison der FSV Mainz 05 international spielen. Die Rheinhessen schoben sich durch einen 4:2-Erfolg gegen den FC Augsburg vorbei auf Rang sechs.

Neben Christian Clemens sorgte ein Mainzer mit einem fast nicht jugendfreien Nachnamen für die Entscheidung. Pablo De Blasis netzte genauso wie Clemens doppelt ein.

Sein zweiter Treffer gelang dem Argentinier per Kopf – und das bei einer Körpergröße von 1,65 Metern.

Für Kopfballungeheuer De Blasis war das aber nicht so besonders, wie wir dachten. "In Griechenland habe ich von elf Saisontoren sechs mit dem Kopf gemacht. Vielleicht rechnet keiner mit mir", sagte er nach dem Spiel.

Was (angeblich) im Schlafzimmer gilt, gilt also offenbar auch auf dem Fußballplatz.