Der FC Bayern München ist Tabellenführer, steht im Achtelfinale der Champions League und des DFB-Pokals und hat eigentlich alle Zwischenziele erreicht. Eigentlich. Denn die Dominanz des Rekordmeisters ist derzeit bei Weitem nicht so groß wie in den vergangenen Jahren. Eine Bestandsaufnahme.

Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Jan Horstkötter sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Nach 16 Spieltagen führen die Münchner mit 39 Punkten die Liga zwar knapp vor Aufsteiger Leipzig (36) an, doch so wenige Zähler zu diesem Zeitpunkt hatten die Bayern zuletzt in der Saison 2011/2012. Meister am Ende: Borussia Dortmund.

Das Problem ist das System

Noch immer fremdelt die Mannschaft mit dem System des Neu-Trainers Carlo Ancelotti. Die Umstellung vom 4-3-3 auf ein 4-2-3-1 gelingt nur langsam. Die Winterpause hat wertvolle Zeit gebracht: Im Trainingslager in Katar konnte weiter daran gearbeitet werden

Aber auch einzelne Spieler geben Anlass zur Sorge - allen voran Thomas Müller. Er präsentiert sich bislang so schwach wie noch nie zuvor. In der Liga gelang dem 27-Jährigen lediglich ein Treffer. Auch in den drei Vorbereitungsspielen der Münchner konnte Müller nicht wirklich überzeugen.

Die insgesamt elf Treffer gegen KAS Eupen (5:0), Fortuna Düsseldorf (4:1 n.E.) und den 1. FSV Mainz 05 (2:1) erzielten allesamt andere. Der zehnfache WM-Torschütze sucht auch vor dem Rückrundenauftakt gegen den SC Freiburg am Freitag noch immer seine Position unter Ancelotti.

Boateng und Thiago länger verletzt

Hinzu kommen die Verletzungen der Leistungsträger Thiago Alcántara und Jérôme Boateng. Thiago, der sich Anfang Januar im Training offenbar einen Muskelfaserriss zugezogen hat und dessen Ausfallzeit noch unklar ist, glänzte in Ancelottis 4-2-3-1-System hinter der Spitze. Eine Rolle, die nun wohl vorerst Sorgenkind Müller einnehmen wird.

Eine Systemumstellung kommt für Ancelotti nicht infrage. "An unserem System ändert sich nichts. Thomas ist im Strafraum einer der Stärksten auf der Welt. Seine Bewegungen dort sind außergewöhnlich“, sagte der Bayern-Coach nach der Thiago-Verletzung gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Abwehrchef Boateng wird hingegen noch bis Anfang März wegen einer Brustmuskelverletzung pausieren müssen. Kurioserweise schickten die Münchner in der Winterpause allerdings den wiedergenesenen Holger Badstuber per Leihe zum Ligakonkurrenten Schalke 04. Riskant, wenn man bedenkt, dass die Bayern in den vergangenen Jahren vor allem in der Rückrunde immer wieder mit Verletzungspech zu kämpfen hatten.

Dafür präsentiert sich Königstransfer Mats Hummels in prächtiger Verfassung. Gemeinsam mit Javi Martínez werden die beiden als letzte nominelle Innenverteidiger auch in der Rückrunde das Abwehrzentrum dichthalten müssen.

Was gibt Anlass zur Hoffnung?

Es gibt aber auch Positives aus der Winterpause zu berichten. Welttorhüter Manuel Neuer zeigt sich konstant stark, hielt beim Telekom Cup gegen Fortuna Düsseldorf zwei von drei Elfmetern. Kingsley Coman ist wieder zurück im Mannschaftstraining, und auch der restliche Kader sollte - bis auf Boateng und Thiago - zum Bundesligaauftakt weitestgehend fit sein.

Zudem konnte der Verein die Verlängerung mit zwei Leistungsträgern verkünden. Robert Lewandowski unterschrieb noch kurz vor der Winterpause bis 2021. Vor wenigen Tagen gab auch Flügelflitzer Arjen Robben sein Go: Der Niederländer wird dem Rekordmeister noch bis 2018 zur Verfügung stehen.

Knapp vier Wochen hatte Ancelotti in der Winterpause Zeit, an den Problemen der Vorrunde zu arbeiten und den Spielern sein System näherzubringen. Und die Bayern zeigen auch meistens dann ihren besten Fußball, wenn es darauf ankommt. So wie am letzten Spieltag des vergangenen Jahres, als die Spieler Ancelottis mutige Aufstellung verinnerlichten und den - zugegebenermaßen verletzungsgeplagten - Leipzigern eine 3:0-Packung einschenkten.

Nicht ausgeschlossen, dass wir solche Spiele in den kommenden Wochen wieder öfter zu sehen bekommen.