Es läuft nicht beim FC Bayern. Drei sieglose Spiele in Folge, vor allem die Einstellung der Spieler wird kritisiert. Jetzt ist Carlo Ancelotti gefordert. Viel Zeit für Änderungen bleibt ihm nicht.

Der FC Bayern steckt in einer Krise. Das hört sich bei nur einer Niederlage aus den bisherigen elf Pflichtspielen zwar etwas übertrieben an, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Die vergangenen drei Spiele wurden nicht gewonnen, in Frankfurt verspielte der Rekordmeister beim 2:2 eine Führung, und das sogar in Überzahl. Wirklich überzeugen konnten die Münchner in dieser Bundesliga-Saison nur bei den Siegen gegen Werder Bremen (6:0) und Hertha BSC (3:0).

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Rummenigge kritisiert die Spieler

Die Verantwortlichen der Münchner schließen den Trainer allerdings aus der Kritik aus, vielmehr geraten die Spieler ins Kreuzfeuer. "Das war nicht Bayern München in der ersten Halbzeit, so kann man nicht auftreten", kritisierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge seine Akteure ungewöhnlich hart und in bester "Sammer-Manier".

Das Auftreten, so der Tenor, habe nicht gestimmt. Das sieht auch Trainer Carlo Ancelotti so: "Was uns fehlt, ist die Einstellung - und das ist das Schlimmste."

Doch wer ist dafür verantwortlich? Die Spieler selbst? Oder doch der Trainer? Philipp Lahm sieht die Schuld bei sich und seinen Kollegen: "Wenn man denkt, dass es statt mit 100 Prozent mit weniger geht, dann läuft man Gefahr, die Zweikämpfe zu verlieren und nicht die Kontrolle über das Spiel zu haben", sagte der Kapitän bei "Sky".

Sky nervt mit Foulstatistiken, Sebastian Langkamp mit Theatralik. Dem FC Bayern fehlt der Pep und Köln träumt berechtigterweise von der Champions League: Die Lehren des Bundesliga-Spieltags.

Doch nicht nur in München mehren sich kritische Stimmen, die Ancelotti in der Verantwortung sehen. Als der Italiener im Sommer als Nachfolger von Pep Guardiola vorgestellt wurde, schwärmten die Klub-Bosse von Ancelottis Art, mit den Spielern umzugehen. "Quiet Leadership" ist nicht nur der Titel von Ancelottis Biografie - es ist die Grundphilosophie seiner Arbeit.

Nun solle beim FC Bayern, so war man sich in der Landeshauptstadt einig, die Menschlichkeit wieder im Vordergrund stehen. Nicht umsonst ist Ancelotti bei Weltstars wie Cristiano Ronaldo oder Toni Kroos so beliebt. Er lässt die Spieler gerne an der langen Leine, ist wie eine Vaterfigur, setzt auf Vertrauen.

Vertrauen vs. Kontrolle

Das war beim FCB unter Vorgänger Guardiola ganz anders. Der katalanische Perfektionist hatte am liebsten die vollständige Kontrolle über seine Spieler. Am deutlichsten sichtbar ist der unterschiedliche Stil der beiden Trainer beim Verhalten an der Seitenlinie. Guardiola steht die ganzen 90 Minuten unter Strom, gestikuliert wild, versucht, permanent Einfluss auf die Spieler zu nehmen.

Nicht so Ancelotti. Der 57-Jährige agiert als stiller Lenker, lässt seine Spieler machen, bewahrt stets die Ruhe. Nicht wenige legen ihm diese Art in Krisenzeiten als Lethargie aus.

Gerade diese lange Leine macht den dreifachen Champions-League-Sieger immer wieder angreifbar. In seiner letzten Saison bei Real Madrid kassierte Ancelotti im Frühjahr 2015 eine 0:4-Klatsche beim Stadtrivalen Atlético - was Superstar Ronaldo nicht davon abhielt, am Abend seinen 30. Geburtstag mit einer Riesen-Party zu feiern. Dies geschah nach Erlaubnis Ancelottis. Real war zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer, verspielte den Vorsprung jedoch bis zum Saisonende. Ancelotti wurde im Mai entlassen, nur ein Jahr nach seinem Champions-League-Triumph.

Bayern gegen Eindhoven unter Druck

Viel Zeit für Änderungen hat Ancelotti nicht. Schon am Mittwoch empfangen die Bayern PSV Eindhoven in der Champions League (20:45 Uhr, LIVE im ZDF, bei Sky und bei uns im Ticker). Dieses Spiel ist enorm wichtig, da die Münchner nach der 0:1-Niederlage bei Atlético gewinnen müssen. Andernfalls können die Bayern den anvisierten Gruppensieg nach drei Spielen so gut wie abhaken.

Es muss sich also etwas ändern beim FC Bayern. Das weiß auch Ancelotti und kündigt personelle Konsequenzen an: "Ich werde Wechsel vornehmen." Die Zeit der langen Leine scheint also fürs Erste vorbei zu sein.