Hach, was ist das schön! Beim FC Bayern weht endlich wieder ein Hauch Hollywood durch die Säbener Straße. Nach gefühlten Jahrzehnten fader Meisterfeiern, weichgespülter Interviews und sportlicher Langeweile, liefert der deutsche Rekordmeister wieder Stoff für echte Diskussionen - sowohl auf als auch neben dem Platz.

Sabrina Schäfer
Eine Glosse
von Sabrina Schäfer, Redakteurin Sport und stellvertr. CvD

Wer erinnert sich nicht gerne an die guten alten Zeiten in den 1990er Jahren? Als sich Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann via "Bild"-Zeitung gegenseitig zerfleischten, ein Stinkefinger die Menschen von den Sitzen riss, Spieler sich im Training gegenseitig watschten, Trainer im Skiurlaub entlassen wurden und der FC Bayern bei weitem nicht so souverän auftrat, wie er das in den vergangenen Jahren getan hatte.

Was darauf folgte, waren Jahre gähnender Langeweile, endloser, stinkfader Meisterfeiern und aufgeblasener Diskussionen, an die sich zwei Wochen später nicht mal mehr die Sportjournalisten erinnern wollten.

Ancelotti knickt ein und Balljungen sind wichtiger als gedacht.

Doch es gibt gute Neuigkeiten für alle skandalliebenden Fußballfans da draußen: Der FC Bayern ist endlich wieder da. Und zwar nicht in dem langweiligen Wir-dominieren-die-Bundesliga-und-lassen-nur-Lahm-in-der-Mixed-Zone-sprechen-Sinne sonder viel mehr in dem Sportlich-läuft-es-nicht-so-und-unzufriedene-Spieler-sprechen-mit-den-Medien-ohne-dass-der-Verein-das-weiß-Sinne.

Herrlich.

Thomas Müllers Gemaule über seine Situation bei den Bayern war ein sehr ordentlicher Einstand in die hoffentlich neuen/alten Zeiten beim FCB. Immerhin beschäftigt das Thema die Menschen auch nach zwei Wochen noch.

Lewandowski gibt unautorisiertes Interview

Robert Lewandowskis Interview im "Spiegel" jedoch setzt jedoch noch einen drauf. Da traut sich doch tatsächlich ein Spieler an der heiligen Medienabteilung des Vereins vorbei ein Interview zu geben. Und dann kritisiert er auch noch seinen Arbeitgeber.

Krasser Tobak. Befindet man jedenfalls in der Vorstandsetage der Bayern. Und anstatt das ganze einfach still auszusitzen, was ja durchaus auch erlaubt wäre, schwingt sich Karl-Heinz Rummenigge als Racheengel auf und droht Lewandowski mit "Stress". Und Müller auch gleich. Wenn er schon mal dabei ist.

Sind Sie froh, dass es beim FC Bayern wieder rund geht?
  • A
    Ja, endlich. Mir waren schon die Füße eingeschlafen.
  • B
    Nein. Ich mag eingeschlafene Füße. Das britzelt so nett.
  • C
    Mir völlig egal. Ich lese das hier nur, weil ich die Zeit bis zum Feierabend totschlagen will.

Öffentliche Kritik am Trainer verbitte er sich. Überhaupt werde "derzeit zu schlau dahergeredet, statt sich auf das Fußballspielen zu konzentrieren", erklärt Rummenigge in der "Bild". Dem Medium also, das sich ja ganz besonders hervorragend auf das Glätten von Wogen versteht.

Ein wichtiger Teil des 1990er-Revivals ist den Bayern so schon einmal glänzend geglückt: Man pinkelt sich gegenseitig ans Bein.

Auch sportlich läuft es nicht

Dass es jetzt sogar sportlich nicht gerade perfekt läuft, ist jetzt eigentlich nur noch Kür. Wenn auch deshalb nicht weniger unterhaltsam.

Nach der 0:2-Niederlage bei der TSG 1899 Hoffenheim steht Bayern aktuell auf Platz sechs in der Tabelle. Zugegebenermaßen nur einen Punkt hinter Tabellenführer Borussia Dortmund.

Dennoch verfällt man im Bayern-Umfeld ja schon bei allen Platzierungen in Schnappatmung, die nicht die Tabellenführung bedeuten.

Interview verärgert FC Bayern: "Kriegt ab sofort Stress mit mir".

Und während Stefan Effenberg seine zehn Spieler lange Einkaufsliste bei "t-online" vorstellt, Marcel Reif bei "Sport1" glaubt, Ancelotti könne den Bayern nicht weiterhelfen und Paul Breitner im "Doppelpass" "mindestens einen Schritt nach hinten" erkannt haben will, ist Mario Basler schon längst einen Gedankengang weiter.

Basler setzt noch einen drauf

Denn wenn einer weiß, was dem FC Bayern nun noch zur perfekten FC-Hollywood-Renaissance fehlt, dann ist das Mario Basler.

Der Ex-Liebling der Boulevard-Blätter packte im "Sport1 Fantalk" ein wunderbar krudes Gerücht auf den Tisch und garnierte es mit einer Prise Geheimnisverrat.

Er habe vor ein paar Tagen gehört, dass Carlo Ancelotti schon einen Vorvertrag fürs Ausland ab dem Winter unterschrieben hat, mauschelte Basler. "Da, wo es das meiste Geld gibt - in China".

Das Ganze habe er aus einer vertrauenswürdigen Quelle, fügte Basler an und lieferte so das letzte Versatzstück, das bislang noch zur endgültigen Wiederkehr des FC Hollywood gefehlt hatte: einen Maulwurf.

Und das alles schon an Spieltag drei. Wenn das so weitergeht, und das wird es hoffentlich, steht den Fans eine äußerst unterhaltsame Saison bevor. In der Hauptrolle: der FC Hollywood.