Javi Martinez ist der Garant für den Aufschwung des FC Bayern. Seit er unter Jupp Heynckes wieder im Mittelfeld auflaufen darf, ist der Spanier kaum zu stoppen.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

Als Jupp Heynckes im Sommer 2012 gemeinsam mit seinem Trainerteam eine für den FC Bayern traumatische Saison mit dem verlorenen Champions-League-Finale im eigenen Stadion als traurigen Höhepunkt aufgearbeitet hatte, trat der Coach mit einem Wunsch an die Bayern-Verantwortlichen heran: Ein junger, in Deutschland ziemlich unbekannter Baske sollte kommen. Für eine Rekordablöse von 40 Millionen Euro. Auf einer Position, die mit Bastian Schweinsteiger, Luiz Gustavo, Anatoliy Tymoshchuk und Toni Kroos recht breit besetzt war. Kein ganz gewöhnlicher Transfer.

Heynckes wollte Martinez zu Leverkusen holen

Für Heynckes und Co-Trainer Peter Hermann war Javi Martinez absolut kein Unbekannter. Schon in ihrer gemeinsamen Zeit in Leverkusen war Martinez ein Thema, das sich nach Bekanntwerden der festen Ablösesumme von 40 Millionen Euro schnell erledigt hatte.

Heynckes, der Martinez damaligen Club Athletic Bilbao zwei Mal selbst trainiert hatte, verfolgte viele Spiele des baskischen Erstligisten und hatte einen Narren an dem eleganten Defensivallrounder gefressen, der Bilbao als Führungsspieler in das Europa-League-Finale 2012 geführt hatte. Heynckes wollte Martinez unbedingt. Als fehlendes Puzzlestück, das vor allem den in vielen Spielen zuvor überlegenden Dortmundern im zentralen Mittelfeld etwas entgegensetzen sollte.

Martinez bringt Heynckes zum Strahlen

Als Martinez Ende August 2012 nach wochenlangen Verhandlungen endlich in München eintraf, strahlte Heynckes über das ganze Gesicht. Er dozierte bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Spaniers über die besondere baskische Mentalität und die fußballerischen Vorzüge des Neuzugangs.

Martinez hatte maßgeblichen Anteil an der Triple-Saison 2012/2013. Er hievte das Münchner Pressing im Alleingang in eine andere Liga. Er gab Bastian Schweinsteiger die Luft, die er brauchte, um das Münchner Offensivspiel zu lenken und zu leiten.

In den großen Spielen der wohl besten Saison der Münchner Vereinsgeschichte glänzte Martinez.

Er wich im Champions-League-Halbfinale Barcelonas Spielmacher Andrés Iniesta keinen Meter von der Seite, bis dieser entnervt die Lust an eigenen Vorstößen verlor. Immer wieder holte er seinen Landsmann rund um den Mittelkreis ab und wich ihm nicht mehr von der Seite. Im anschließenden Champions-League-Finale gegen Dortmund gewann er in der kritischen Phase nach dem 1:1 jedes Kopfballduell gegen den damaligen BVB-Stürmer Robert Lewandowski und sorgte beinahe im Alleingang dafür, dass die Schlussoffensive der Klopp-Elf erstickte.

Kopfballspiel als große Stärke

Sein Kopfball ist bis heute die größte Stärke in Martinez' Spiel geblieben. Er hat ein herausragendes Timing in der Luft, was gegen die weiten Schläge, die viele Bayern-Gegner als Stilmittel verwenden, enorm wichtig ist. Trotzdem hat sich sein Spiel mehr als vier Jahre nach dem Triple etwas verändert. Drei schwere Verletzungen warfen ihn zwischen 2013 und 2016 zurück. Nach zwei Knieverletzungen fehlt ihm die Wendigkeit und der Antritt früherer Tage. Umso mehr muss er heute mit seinem Timing wettmachen.

Unter Pep Guardiola und Carlo Ancelotti wurde der heute 29-Jährige fast ausschließlich als Innenverteidiger eingesetzt. Meist machte er seine Sache dort gut, doch mit der Rückkehr von Jupp Heynckes ist er endgültig zurück auf der Position, die seine Stärken am besten zur Geltung bringt: im zentralen Mittelfeld.

Unter Heynckes überragend

Bereits im ersten Heynckes-Heimspiel gegen Freiburg vor zweieinhalb Wochen spielte Martinez überragend. Immer wieder rückte er aus seiner Position heraus, um zweite Bälle abzufangen oder Gegenstöße durch einen schnellen Ballgewinn früh zu beenden. Eine Qualität, die unter Ancelotti meist fehlte.

Auch im Spitzenspiel gegen Leipzig am Samstag-Abend hielt er Thiago und Rudy exzellent den Rücken frei und leitete mit einem herrlichen Pass auf Lewandowski selbst das 2:0 ein. Wieder einmal war der Spanier einer der stärksten Münchner auf dem Feld.

In der Mannschaft ist Martinez enorm beliebt. So professionell er auf dem Platz arbeitet, so locker und entspannt ist er außerhalb. Als der FC Bayern im Dezember 2015 die Vertragsverlängerungen von Jerome Boateng, Thomas Müller, Xabi Alonso und Martinez verkünden will, haben sich die drei anderen fein gemacht fürs Foto. Mit Hemd und Anzug. Wie es sich gehört. Als Martinez im roten Trainingsanzug um die Ecke kommt, hat er mal wieder die Lacher auf seiner Seite. "Ein typischer Javi", sagen die, die ihn kennen.

Der 29-Jährige - so scheint es, wird auch in dieser Saison unter Heynckes gesetzt sein, wenn die wichtigen Spiele kommen. Er hat mit seinen Fähigkeiten mit und gegen den Ball einen Vorteil gegenüber Vidal, Tolisso und Rudy. Martinez ist erneut Heynckes' große Trumpfkarte. Wie damals, im Sommer 2012.