Pierre-Emerick Aubameyangs erneute Eskapade passt in eine Reihe von Verfehlungen, die im Prinzip nur noch einen Schluss zulassen: Der Spieler provoziert seinen Abgang aus Dortmund. Die BVB-Bosse sind nun gefragt, dem Treiben ein Ende zu bereiten. Egal in welcher Form.

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Der deutsche Fußball hat am Sonntagabend zwei Pleiten einstecken müssen.

Während sich Borussia Dortmund und der VfL Wolfsburg auf einem überschaubaren Niveau, dem durchschnittlichen Bundesliganiveau, die Bälle um die Ohren kloppten und die Partie am Ende fast schon sinnigerweise 0:0 endete, zelebrierten in der Premier League der FC Liverpool und Manchester City beim 4:3 der Reds eine echte Fußball-Orgie, mit sieben ehemaligen Bundesligaspielern auf dem Platz und zwei ehemaligen Bundesligatrainern an der Seitenlinie.

Unterschied zwischen Premier League und Bundesliga augenscheinlich

Der aktuelle Stellenwert der Bundesliga gerade im Vergleich zur Premier League wurde mal wieder auf allen Ebenen augenscheinlich.

Wobei der Ausgang der Partie im Signal Iduna Park bereits vor dem Spiel nur noch zweitrangig erschien.

Pierre-Emerick Aubameyang war mal wieder suspendiert worden, diesmal von Peter Stöger. Bereits dessen Vorgänger Peter Bosz und Vor-Vorgänger Thomas Tuchel hatten den Gabuner für ein Pflichtspiel aus disziplinarischen Gründen dem Kader nehmen müssen.

Drei Suspendierungen von drei verschiedenen Trainern in nur anderthalb Jahren: Das haben selbst die viel zitierten "echten Typen" von früher nicht hinbekommen.

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Bodenlose Unverschämtheit gegenüber dem BVB

Pierre-Emerick Aubameyang geht aber schon lange nicht mehr als echter Typ durch, als Querkopf oder mündiger Spieler. Der Torjäger außer Dienst ist nur noch ein Querulant um des Stänkerns willen.

Die Teamsitzung vor dem ersten Pflichtspiel der Rückrunde zu verpassen, angeblich vergessen zu haben, als einer der wichtigsten Spieler der Mannschaft, dem schon in den Wochen und Monaten davor generös einiges durchgewinkt wurde vom Klub, ist schlicht eine bodenlose Unverschämtheit dem Verein, dem Trainerstab und vor allen Dingen den Mitspielern gegenüber.

Der BVB und seine Bosse Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc haben lange genug beide Augen zugedrückt, auch sinnloseste Einlagen eines kapriziösen Exzentrikers geduldet und damit das Klima innerhalb der Gruppe bis aufs Äußerste strapaziert.

Mittlerweile scheint es aber fast so, als handele der Spieler nicht aus Fahrlässigkeit, sondern mit Vorsatz - und das dürfte sich keine Klubführung der Welt länger bieten lassen.

Aubameyang war am Wochenende schon in den Schlagzeilen, bevor rund eine Stunde vor Spielbeginn gegen Wolfsburg die Bombe platzte und die erneute Suspendierung bekannt wurde.

Ein Redakteur des "Kicker" hatte Aubameyangs Kapriolen der Vergangenheit als "Affenzirkus" betitelt und wurde dafür vom Spieler via Instagram heftig attackiert.

Aubameyang trat damit eine Lawine los, vielleicht absichtlich, vielleicht wider besseres Wissen - schließlich hatte er sich die NS- und Hitler-Vergleiche im Zusammenhang mit dem Begriff "Affenzirkus" offenbar nur oberflächlich bei Google zusammengesucht.

Scharfe Worte von BVB-Sportdirektor Zorc

Dass sein Vater Willy mit einem ebenfalls eher verunglückten Beitrag, auch via Instagram, die Diskussion auf radikalste Weise ad absurdum führte, ist dabei nur noch eine Randgeschichte in dieser aufgeblähten Posse.

Das eigentliche Thema ist das Verhalten Aubameyangs - und wie lange sich ein Klub wie Borussia Dortmund das noch bieten lassen kann oder will. "Wir stehen voll hinter der Entscheidung. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Was momentan abgeht, ist nicht zu tolerieren", sagte Zorc am Sonntag bei Sky. Der Sportdirektor wollte einen Verkauf des Spielers noch in diesem Winter nicht ausschließen.

"Der Teamgedanke steht über allem", sagte Trainer Stöger erst vor wenigen Tagen dem "Kicker". "Ab dem Zeitpunkt, an dem es gefährlich werden kann für die Gruppe und die innere Struktur, wird es schwierig."

Fast wie auf Kommando konterkarierte Aubameyang erneut die Worte eines Trainers. Der BVB ist in gewisser Weise auf Aubameyang und dessen Tore angewiesen.

21 Tore in 23 Pflichtspielen sind eine enorm starke Quote, kein anderer Spieler im hochkarätig besetzten Kader bewegt sich auch nur annähernd in diesen Sphären.

Bislang nahmen die Bosse auch die eine oder andere Extravaganz in Kauf, wobei nicht vergessen werden sollte, dass Aubameyang auch ein Chancentod sein kann, der in einigen wichtigen, richtungsweisenden Spielen dieser Saison, etwa gegen Nikosia oder Leipzig, größte Möglichkeiten vergeben hat.

Die Tatsache, dass Kapitän Marcel Schmelzer unter der Woche endlich einmal ein bisschen Tacheles geredet hatte, die kritischen Worte aber postwendend wieder relativierte, zeigt die Hilflosigkeit der Protagonisten in der Causa Aubameyang.

Eine Trennung wäre wohl das Beste

Für die Borussia wäre es wohl besser, sich von Aubameyang zu trennen. Und das so schnell wie möglich.

Einen zweiten Fall Dembélé kann der Klub nicht wollen. Das Theater um den bockigen und am Ende sogar streikenden Franzosen im Sommer sieht mittlerweile nicht mehr wie eine Episode aus, sondern wie eine Art Präzedenzfall, an dem sich Aubameyang nun genüsslich orientiert.

Die andere Seite ist allerdings die, dass sich Aubameyang mit seinen dauerhaft flegelhaften Provokationen bei potenziellen Käufern in Europa nicht gerade aufdrängt.

Der große Traum von Real Madrid scheint derzeit ferner denn je, auch andere Großkaliber dürften genau beobachtet haben, dass sich dieser Profi längst nicht immer wie ein Profi verhält.

Eigentlich sollte das auch Aubameyang bewusst sein, es sei denn, der verfolgt einen ganz anderen Plan.

Für die ganz große Karriere mit den ganz großen Titeln bei den ganz großen Klubs scheint der Zug fast schon abgefahren.

Der FC Arsenal soll interessiert sein, Ex-Klub Milan wird immer mal wieder genannt. Und natürlich die chinesische Superleague mit ihren Abermillionen.

Die Zutaten für einen krachenden Abschied hat Aubameyang in den letzten anderthalb Jahren nun wirklich fleißig gesammelt. Eigentlich ist alles vorbereitet. Jetzt sind die Bosse am Zug.