Mit dem Gewinn des Supercups ist Thomas Müller zum erfolgreichsten deutschen Bundesligaspieler der Geschichte aufgestiegen. Nachdem ihm einige schon das Karriereende andichten wollten, bastelt Müller weiter an seiner eigenen Legende. Ohne Nationalmannschaft, die braucht er nämlich gar nicht mehr.

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Immer für einen Spaß zu haben. Nie um eine Antwort verlegen. Der Gaudibursch. Der einzig wahre Bayer beim FC Bayern. Der identitätsstiftende Mann des Rekordmeisters. Die Verkörperung des Mia san mia. Weltmeister. Zweifacher Champions-League-Sieger. 27-facher Titelgewinner. Der erfolgreichste deutsche Bundesligaprofi aller Zeiten. Das ist Thomas Müller.

Der deutsche Fußball kennt viele Legenden. Vor allem beim FC Bayern. Viele hat er jedoch stolpern und fallen sehen. Vor allem beim FC Bayern. Es ist kaum vorstellbar, dass das auch Thomas Müller passieren wird.

Über was sollte er stolpern? Steuerhinterziehung? Durch den Zoll geschmuggelte Rolexuhren? Illegaler Handel mit Pferdespermien? Das vielleicht noch am ehesten.

Aber Spaß beiseite: Müller wirkt nicht so, als würde ihn Geld besonders interessieren. Er hat es, er muss sich darum keine Sorgen machen. Das reicht ihm. Das ist sein Image.

Thomas Müller kennt sein Image

Dazu passt auch sein Haarschnitt, der zwar nicht so aussieht, aber vermutlich trotzdem von einem nicht allzu billigen Friseur produziert wurde.

Man darf sich da keinen Illusionen hingeben. Thomas Müller weiß genau, was er darstellt. Was von ihm erwartet wird. Schließlich pflegt er dieses Image auch in den sozialen Medien.

Macht Witze. Redet bayerisches Englisch, weil seine Followerschaft längst international ist. Bis zu acht Millionen Fans schauen ihm allein bei Instagram dabei zu, wenn er beispielsweise seine Kollegen Robert Lewandowski, Manuel Neuer und Joshua Kimmich und Trainer Hansi Flick als Pferde durch den Kakao zieht.

Keine Ahnung, was er uns damit genau sagen will. Aber er lacht und irgendwie muss man mitlachen. Auch, weil das Pony vielleicht wirklich ein bisschen Ähnlichkeit mit Hansi Flick hat.

Thomas Müller war für viele eigentlich schon weg vom Fenster. Niko Kovac sah in ihm nur noch einen Notnagel - und stolperte am Ende wohl auch aufgrund dieser Einschätzung.

Wo soll er denn spielen, wenn nicht bei den Bayern?

Es war das erste Mal in seiner Karriere, dass sich Müller sichtlich enttäuscht zeigte und ganz offen über einen Wechsel nachdachte. Nur wohin hätte Müller gehen sollen?

In der Nähe von Otterfing, seinem Lebensmittelpunkt, gibt es nur noch wenige Profivereine. Der TSV 1860 München - zu unterklassig. Der FC Augsburg - zu klein. Stuttgart, Nürnberg, vielleicht noch Freiburg. Schwierig. Und weiter weg von den Pferden und seiner Frau Lisa - das ist irgendwie nicht vorstellbar.

Auf seiner Webseite "esmuellert.de" wird dieses Gefühl bestätigt. Müller genieße bis heute "die Vorzüge des oberbayerischen Voralpenlands", heißt es da. Und dass er verwurzelt ist "mit der Familie, der Region, den Traditionen und Menschen". Und dann hat sich die federführende Agentur noch einen ganz besonderen Satz erdacht: "Thomas Müller, ein ganz normaler Mensch, wie die anderen 50.000 mit seinem Namen in Deutschland."

Thomas Müller, ein ganz normaler Mensch, mit mehreren Millionen Euro auf dem Konto - könnten seine Gegner darauf antworten. Denn bei weitem nicht allen gefällt die Müllersche Art, die ja auch irgendwie etwas erzwungenes Bodenständiges hat. Und mit dem Bayerischen an sich kann natürlich auch nicht jeder etwas anfangen.

Müllers Image funktioniert - auch ohne Nationalmannschaft

Das dürfte Müller jedoch herzlich wurscht sein. Es funktioniert ja schließlich. Auch nach seiner Karriere wird Müller noch gut von Werbeeinnahmen leben können.

Und dass er nicht mehr in der Nationalmannschaft spielt, ist für die Nationalmannschaft inzwischen ein größeres Problem als für Müller selbst. Er ist immerhin schon Weltmeister.

Er weiß, dass er – seit Hansi Flick die Bayern übernommen hat – Leistungen bringt, die eine Rückkehr in die Nationalmannschaft mehr als rechtfertigen würden. Wir, die Presse, erzählen es ihm schließlich auch vor jedem Deutschlandspiel ausführlich.

Dass Jogi Löw das anders sieht: sein Problem. Und deshalb erzählt Müller regelmäßig, zuletzt im August, dass eine Rückkehr in die Nationalmannschaft für ihn kein Thema ist. Aktuell zumindest.

Wenn Löw doch nochmal ankommen sollte und etwas Erfahrung für seinen jungen Kader braucht, wäre Müller wohl nicht abgeneigt. Schließlich spielt er ja nicht für Jogi Löw, sondern für die Fans.

Bis dahin geht es Müller aber auch ohne die Nationalmannschaft einwandfrei. Mit seinen Titeln und seinen Pferden im bayerischen Voralpenland. Ein ganz normaler Mensch - mit 27 Titeln.

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • AFP
  • "esmuellert.de": Privates
  • Instagram: esmuellert
  • "Sport1.de": DFB-Comeback? Das sagt Müller
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