Am heutigen Donnerstag um 20:15 Uhr zeigt das ZDF das Dokudrama "Uli Hoeneß – Der Patriarch". Journalisten wurden vier Wochen zuvor in den "Bayerischen Hof" in München eingeladen, um den Film vorab zu sehen. In den bequemen Kinosesseln der Cinema Lounge konnte man ein Drama genießen, das den Menschen Hoeneß ebenso beeindruckend gut darstellt wie den steilen Aufstieg und den tiefen Fall des Machtmenschen.

Uli Hoeneß ist Fußball-Weltmeister, war Spieler des FC Bayern München, dann dessen Präsident. Uli Hoeneß war aber auch Zocker, Spekulant und am Ende Wirtschaftskrimineller. Wer ist dieser Mann, den die meisten Bayernfans noch immer verehren? Der den FC Bayern zum Rekordmeister, zum besten und reichsten Verein Deutschlands machte? Der sich an der Börse verzockte? Der süchtig nach Spekulationen war? Der am 14. März 2014 wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde? Der Film "Uli Hoeneß – Der Patriarch" versucht, diese Fragen zu beantworten und stellt dar, wie aus einem Metzgerssohn einer der einflussreichsten Männer Deutschlands wurde – und dessen tiefen Fall.

Ex-Bayern-Präsident macht nächsten Schritt zurück in normales Leben.

90 Minuten lang erzählt das Drama Hoeneß' Lebensgeschichte. Das außergewöhnliche Format wurde gewählt, da "dieser Ansatz dem Thema am ehesten gerecht wird, weil er den Casus und den Menschen Uli Hoeneß mit belegbaren Fakten und den rekonstruierten Schlüsselmomenten aus seinem Leben" darstellt. Das ließen die Verantwortlichen verlauten. Szenen, von denen es keine Bilder gibt - zum Beispiel die Durchsuchung des Hoeneß-Wohnhauses am 20. März 2013 oder der Prozess im Münchner Justizpalast - wurden unter Leitung des Regisseurs Christian Twente inszeniert.

Grundlage hierfür bildeten Gerichtsprotokolle der Reporterin der "Süddeutschen Zeitung" Annette Ramelsberger und ein langes Telefonat des Produzenten Walid Nakschbandi mit Hoeneß' Sohn Florian, um Familienszenen exakt darzustellen. Interviews mit Sportjournalisten, Rechtsanwälten und Bekannten des Ex Bayern-Bosses werfen noch einmal einen anderen Blick auf die Geschichte - die eine oder andere Einschätzung oder Anekdote lockern den Film merklich auf. Schade ist, dass wichtige Personen wie die Familie Hoeneß selbst oder hochrangige Mitglieder des FC Bayern nicht zu Wort kommen wollten.

"Sein Lebenswerk ist der FC Bayern München."

Die Rahmenhandlung des Films ist der Prozess um die Steuerhinterziehung. In den Rückblenden wird das Leben des Uli Hoeneß' gezeigt: Der Sohn eines Metzgers aus Ulm wird zum Fußballstar, zum Präsidenten des erfolgreichsten Vereins Deutschlands und letzten Endes zum wegen Steuerhinterziehung verurteilten Wirtschaftskriminellen.

Im Mittelpunkt des Films steht nicht der Prozess, sondern der Mensch Uli Hoeneß. Er sieht sich selbst als ehrlich und anständig, wird aber durch seinen Ehrgeiz geblendet. Er ist innovativ, intellektuell, ehrgeizig und treu. Vor allem aber ist er ein Erfolgsmensch: Er will gewinnen. Dadurch kommt es zur Sucht: Er kann nicht aufhören zu spielen. Aber, so erklärt Werner Hansch, ein deutscher Sportreporter: "Sein Lebenswerk hat er durch die Steuerhinterziehung und den Prozess nicht zerstört. Sein Lebenswerk ist der FC Bayern München."

"Was bewegt diesen Stier innen?"

Der Film zeigt sehr detailreich das Leben und Wirken des Uli Hoeneß. Durch Interviews mit Experten bekommt der Zuschauer zusätzliche Informationen zu den Ereignissen auf dem Fußballplatz oder im Gerichtssaal. Mittels Archivbilder des echten Uli Hoeneß kommt man ihm sehr nahe. Durch nachgestellte Szenen kann man erstmals Details wie die Hausdurchsuchung oder die genauen Abläufe im Gerichtssaal sehen.

Dem Produktionsteam ist wichtig, dass die Figur des Uli Hoeneß nicht kopiert wird. Personelle Besonderheiten wie sein Dialekt wurden deshalb absichtlich weggelassen, Hoeneß sollte lediglich "skizziert" werden. Der Schauspieler Thomas Thieme, der die Rolle des Ex-Bayern Bosses spielt, will sich dieser Person annähern, eine Figur zwischen ihm und Hoeneß entwickeln: "Man muss in dessen Seele eindringen". Die Frage, die sich das Produktionsteam stellte, lautete: "Was bewegt diesen Stier innen?"

Um einen informativen, intensiven und teilweise ergreifenden Einblick in das Leben und Wirken des Uli Hoeneß zu bekommen, eignet sich dieses Dokudrama sehr gut. Vor allem die Archivaufnahmen machen den Charakter geradezu greifbar: Die WM-Szenen lassen das Herz von Fußballfans höher schlagen, die Interviews mit den Experten geben einen interessanten Einblick in Gebiete wie Steuerrecht oder Psychologie und die nachgestellten Szenen verdeutlichen die gesamten Ereignisse sehr gut, wodurch man sich gut in Hoeneß und vor allem auch in seine Familie hineinversetzen kann. Kurz gesagt: "Uli Hoeneß - Der Patriarch" ist ein echter TV-Tipp.

Der Film über Uli Hoeneß läuft am 27. August um 20:15 im ZDF.