Der SC Paderborn blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Und damit sind nicht die ganzen 112 Jahre gemeint, seit denen der Verein aus Ostwestfalen existiert. Allein das vergangene Jahrzehnt hielt viel bereit für einen Emporkömmling, der nun wieder in der Bundesliga spielt.

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In der Saison 2014/15 war Paderborn bereits einmal in der Bundesliga. Was damals als großes Abenteuer beschrieben wurde, sollte sich kurzfristig zu einem wahren Fußballmärchen entwickeln.

Denn der SCP führte nach vier Spieltagen die Tabelle sogar an. Aber irgendwann holte die harte Wirklichkeit auch die Ostwestfalen wieder ein. Nach einer miserablen Rückrunde ging es direkt nach einem Jahr zurück in die 2. Bundesliga.

Nun war Paderborn bei weitem nicht der erste Club, der mit wenig Budget den Versuch unternahm, sich in der Bundesliga zu behaupten. Erst in der abgelaufenen Spielzeit versuchte der 1. FC Nürnberg ähnliches. Und davor hatten beispielsweise Greuther Fürth, Eintracht Braunschweig oder der SC Darmstadt kurze Intermezzi in der höchsten deutschen Liga.

Doch kein Verein erlebte danach einen derart rasanten Absturz wie Paderborn. Nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga 2015 folgte ein Jahr später der Gang in die Dritte Liga. In der anschließenden Saison belegte der SCP nur den 18. Tabellenrang und war damit sportlich erneut abgestiegen.

Lediglich der Lizenzentzug von TSV 1860 München rettete Paderborn vor der Viertklassigkeit und gab eine Starthilfe für den strauchelnden Verein, der sich nun durch zwei Aufstiege ins Fußball-Oberhaus zurückgekämpft hat. Wenn jemals der Begriff "Fahrstuhlmannschaft" gerechtfertigt war, dann in diesem Fall. Langeweile kam zuletzt nie auf.

Beschaulichkeit ade

Das war allerdings nicht immer so. Denn den Großteil seiner Vereinsgeschichte verbrachte der SC Paderborn 07, der 1985 aus einer Fusion von TuS Schloss Neuhaus und 1. FC Paderborn entstand, in der Dritt- und Viertklassigkeit.

Erst 20 Jahre nach der Fusion ging es erstmals für zwei Jahre in die 2. Bundesliga und anschließend wieder eine Etage nach unten. Vor allem Möbelunternehmer Wilfried Finke förderte das Vorankommen Paderborns. Es blieb jedoch alles recht beschaulich.

Diese Unbekümmertheit verlor der Verein unweigerlich durch seinen einjährigen Aufenthalt in der 1. Bundesliga. Kurz nach dem Abstieg und einer anhaltenden sportlichen Misere verpflichtete Paderborn Stefan Effenberg als neuen Cheftrainer.

Der ehemalige Nationalspieler passte so gar nicht zu seinen Vorgängern und zum Umfeld. Er blieb rund sechs Monate im Amt und wurde auch aufgrund sich häufender Eskapaden entlassen.

Präsident Finke zeigte sich seiner Zeit überrascht über den großen Rummel um die Person Effenberg und die vielen Negativschlagzeilen – beispielsweise zu Effenbergs Führerscheinentzug und der fehlenden Trainerlizenz.

"Die mediale Begleitung auf den nicht-sportlichen Feldern war für mich zum Schluss unerträglich. Die Inhalte waren alle negativ", erklärte Finke nach der Entlassung. "Ich konnte das nicht mehr ertragen, dass der SC Paderborn so dasteht."

Baumgart und Krösche als Väter des Erfolgs

Den Weg aus der sportlichen Misere fand Paderborn auch mit einem, der andere Werte vertritt: Die Rede ist von Steffen Baumgart. Der ehemalige Stürmer war als Spieler ein ehrlicher Arbeiter – keiner fürs große Spektakel.

"Ich war geradlinig, habe von meiner Athletik gelebt und Tore gemacht“, beschrieb sich Baumgart kürzlich in einem Interview mit "11 Freunde".

Bevor er 2017 nach Ostwestfalen kam, hatte Baumgart lediglich kurzfristig als Cheftrainer des 1. FC Magdeburg und des Berliner AK gearbeitet – ohne nennenswerte Erfolge, dafür aber mit vielversprechenden taktischen Ideen.

Er war also die für Paderborn eigentlich typische kleine Lösung. Und trotzdem brachte Baumgart mit seinem angriffslustigen Spielstil den sportlichen Umschwung .

"Am liebsten würde ich immer 4:0 gewinnen. Aber die vielen Gegentore sind auch dem Umstand geschuldet, dass die Jungs immer nach vorne marschieren wollen," gibt der Cheftrainer selbst zu.

Zusammen mit Sport-Geschäftsführer Markus Krösche, einem Mitglied der Paderborner Erfolgsmannschaft von 2013/14, formte Baumgart in Windeseile ein wettbewerbsfähiges Team, das ohne große Stars auskam.

Die meisten Spieler stammten entweder aus den Akademien der großen Bundesligisten, ohne Aussicht auf Einsätze in der 1. Liga, oder waren anderswo gescheitert und wollten in Paderborn einen Neustart hinlegen.

Zu den Leistungsträgern der abgelaufenen Saison gehörte beispielsweise Sven Michel. Ein 28 Jahre alter Mittelstürmer, der 2016 ablösefrei von Energie Cottbus kam und noch nie auch nur an der 1. Bundesliga schnuppern konnte.

Neben ihm war Bernard Tekpetey mitverantwortlich für die Offensive. Der gebürtige Ghanaer wechselte im Sommer 2018 für eine mickrige sechsstellige Ablöse von Schalke zu Paderborn und kehrt nun für 2,5 Millionen Euro nach Gelsenkirchen zurück.

Erneuter Weggang von Leistungsträgern

Damit wird das große Dilemma deutlich: Seine Leistungsträger kann der SCP nicht halten. Neben Tekpetey verlässt auch Spielmacher Philipp Klement den Verein. Der 21-Jährige zieht es vor, in der 2. Bundesliga zu bleiben und künftig für ein viel höheres Gehalt beim VfB Stuttgart zu spielen.

Auch Geschäftsführer Krösche hat sich bereits gen Osten verabschiedet und kümmert sich künftig bei RB Leipzig um die sportlichen Belange. In diesem Zuge wurde auch eine Kooperation mit dem umstrittenen Verein bekanntgegeben.

Paderborn sucht nach Wegen, um zumindest über Leihgeschäfte einige talentierte Fußballer anzulocken - eine zwangsläufige Konsequenz aus dem immer wiederkehrenden Weggang etablierter Leistungsträger. Dass es ausgerechnet eine Kooperation mit RB Leipzig ist, die nun eingefädelt wurde, stößt nicht nur den Fans sauer auf.

Die Konkurrenz warnt vor Wettbewerbsverzerrung. Baumgart versuchte, die Wogen zu glätten. Er betonte im Gespräch mit dem "Westfalen-Blatt": "Wir werden keine Zweigstelle, kein Ableger oder Filiale von RB Leipzig. Wir bleiben eigenständig und behalten unsere Identität."

Der SC Paderborn kehrt in die 1. Bundesliga zurück und die Beschaulichkeit ist zumindest fürs Erste wieder dahin.

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