Vier Spiele, vier Siege: Die deutschen Klubs haben am vergangenen Spieltag die Champions League aufgemischt wie selten zuvor. Der FC Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen führen ihre Gruppen an, auch der FC Schalke 04 liegt auf Kurs Achtelfinale. Es gibt gute Gründe für die starke Leistung der deutschen Klubs - aber auch die Frage, wieso die Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation von der Topform ihrer Protagonisten nicht profitiert.

Erst zum zweiten Mal seit bestehen der Champions League haben vier deutsche Mannschaften an einem Spieltag der Königsklasse vier Siege eingefahren. Das unglaubliche Torverhältnis von 17:4 macht aus dem dritten Spieltag der Champions-League-Saison aber einen historischen aus deutscher Sicht.

Seit die Bundesliga wieder vier Mannschaften in die Königsklasse entsenden darf, wächst die Dominanz der Liga des Weltmeisters. Drei der vier deutschen Vertreter führen ihre Gruppen derzeit an, die Bayern und Borussia Dortmund mit der Maximalausbeute von neun Punkten. Lediglich Titelverteidiger Real Madrid kann da im Moment mithalten.

Die deutschen Top-Teams zeigen eine erstaunliche Frühform in einem Wettbewerb, der allerdings erst im Frühjahr so richtig in Schwung kommt, wenn die K.o.-Runden eingeläutet werden. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Aus Deutschland haben sich nur Champions League erprobte Teams qualifiziert, keine Novizen oder Abstinenzler wie etwa aus Spanien Athletic Bilbao, aus England der FC Liverpool oder aus Italien der AS Rom.

Dazu fehlen in den deutschen Gruppen die großen Kaliber wie Real Madrid, der FC Barcelona oder Vorjahresfinalist Atletico Madrid. Lediglich der FC Chelsea dürfte für Schalke eine Nummer zu groß sein - deshalb reihen sich die Knappen auch als einziger deutscher Klub auf Platz zwei in ihrer Gruppe hinter den "Blues" ein.

Spielerische Dominanz

Dazu kommt womöglich auch das gewachsene Selbstbewusstsein einiger Leistungsträger in den Mannschaften, die sich seit diesem Sommer Weltmeister nennen dürfen. Und natürlich die spielerische Überlegenheit, mit der besonders die Bayern, der BVB und Bayer ihre Gegner beherrschen können. Schalke hat da mit seinem neuen Trainer Roberto di Matteo noch Nachholbedarf.

Was nach der Auslosung im August schon zu erahnen war, scheint sich jedenfalls zu bestätigen: Wie in der abgelaufenen Saison sollten alle vier deutschen Mannschaften die Gruppenphase überstehen und in die K.o.-Runde einziehen. Alles andere wäre nach der Hälfte der absolvierten Spiele eine Enttäuschung.

Bessere Bilanz als England und Spanien - Italien enttäuscht

Von zwölf Spielen ging bisher erst eines verloren (Leverkusens 0:1 in Monaco), die Bundesliga hat 29 von 36 möglichen Punkten geholt. Auch hier liegt sie im Vergleich zu den anderen Topligen klar vorne: Spanien kommt auf 22 Zähler, England auf 18, Italien mit nur zwei Mannschaften im Wettbewerb auf sieben.

Die Serie A bestätigt ihren Abwärtstrend in der Königsklasse. Meister Juventus steht nach zwei Niederlagen in Folge mit dem Rücken zur Wand, die Roma als Vizemeister war gegen die Bayern schlicht nicht konkurrenzfähig. Mit der Attraktivität der Liga schwanden auch die Erfolge auf internationaler Bühne. Inters Champions-League-Triumph ist gerade einmal vier Jahren her, fühlt sich aber wie eine Erinnerung an eine längst vergangene Zeit an.

Die Strukturprobleme des Calcio drängen die Spitzenklubs im internationalen Vergleich in eine Außenseiterrolle, es fehlt an Infrastruktur, Reformen, am Geld und deshalb auch an den Stars. Und die sind mittlerweile nötig, um im Konzert der ganz Großen ein Wörtchen mitreden zu können. Überraschungssieger wie den FC Porto vor zehn Jahren wird die Königsklasse kaum noch zulassen.

Diskrepanz zu Leistungen der DFB-Elf

Aus deutscher Sicht fällt lediglich die Diskrepanz zwischen den Auftritten der Bundesligaklubs in der Königsklasse und denen der Nationalmannschaft in der aktuellen EM-Qualifikationsrunde negativ auf. Das Gros der Spieler ist in beiden Wettbewerben dasselbe. Allerdings fehlen auch wichtige Eckpfeiler: Die ausländischen Stars wie Arjen Robben, Xabi Alonso, Pierre-Emerick Aubameyang oder Hakan Calhanoglu und natürlich die Zurückgetretenen (Philipp Lahm) und die Verletzten (Bastian Schweinsteiger).

Die Schlüsselpositionen sind in den Klubs derzeit aus verschiedenen Gründen anderweitig besetzt. Erst mit der Rückkehr wichtiger Spieler, die derzeit noch verletzt oder nicht bei hundert Prozent ihrer Leistungsfähigkeit sind, dürfte die Nationalmannschaft auch wieder jene Dominanz erlangen, die die Bundesligaklubs in der Königsklasse längst demonstrieren.