Die österreichischen Fans bringen das Pariser Prinzenparkstadion zum Kochen. Nach dem Spiel bleibt die Frage: Waren etwa "Messi"-Rufe der Grund für Ronaldos Elfer-Versagen?

Nicht nur eine Mannschaft, auch Fans können Fußballgeschichte schreiben. Das haben die Fans in der österreichischen Fankurve gestern im Prinzenparkstadion bewiesen. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Teilweise hat man das eigene Wort nicht verstanden." Bernhard aus Wien ist Minuten nach Abpfiff des Matches immer noch überwältigt.

Seine Stimme ist heiser, die Hände sind vom Klatschen aufgerauht ."Ich war in Schweden dabei, als wir uns für die EM qualifiziert haben. Auch dort war die Stimmung super. Aber heute war es ein Wahnsinn. Wenn's nach den Fans geht steht es 3:0 für Österreich", ist Bernhard überzeugt.

Portugiesen verstummt

Und tatsächlich. Während die 20.000 österreichischen Fans 90 Minuten lang ihr Team mit Sprechgesängen und Anfeuerungsrufen nach vorne gepeitscht haben, waren die Portugiesen kaum zu hören. Selbst nach dem Match will niemand das Stadion verlassen. Der Punkt, den das Team in einer wahren Abwehrschlacht erkämpft hat, wird gefeiert wie ein Sieg.

"Robert Almer hat gespielt wie ein Gott. Es war echt ein verdienter Punkt. Es wäre natürlich schön, wenn wir ein Tor geschossen hätten. Aber mit einem Punkt können wir noch leben", glaubt Bernhard weiter an die Aufstiegschance.

"Messi! Messi!"

Dann die 79. Minute. Kein Torjubel hätte lauter und frenetischer sein können. Cristiano Ronaldo läuft beim Elfmeter gegen Robert Almer an, aber verschießt. Die Fans kreischen, liegen sich jubelnd in den Armen. Ob der Superstar entnervt war? Denn die Fans haben sich für ihn eine ganz besondere Überraschung einfallen lassen. Jede Ronaldo-Aktion wurde von lauten "Messi! Messi"-Rufen begleitet. Immerhin zählt der Argentinier zu den größten Rivalen des Portugiesen.

"Ich bin vom Unentschieden nicht enttäuscht, denn wir können von Glück reden, dass wir einen Punkt haben." Der neunjährige Jakob ist mit seinem Vater extra aus Klagenfurt angereist, um das Spiel live sehen zu können. Ob Österreich aufsteigt? Das ist für den jungen Fan keine Frage: "Gegen Island wird es sich auf jeden Fall ausgehen."

Totenstille

Nur für wenige Momente herrscht in der Österreich-Kurve Totenstille. In der 85. Minute bauscht sich der Ball nach einem Ronaldo-Kopfball im österreichischen Netz. "Beim Tor haben wir einen Schock gehabt, aber das war abseits. Die Stimmung war während des gesamten Spiels perfekt, so etwas habe ich noch nie erlebt", ist der Wiener Andi begeistert.

Norbert aus Traismauer sitzt auch eine Viertelstunde nach dem Match noch im Stadion. Er blickt in die Weite des Stadions. Der Fansektor der Portugiesen hat sich längst geleert. "Ich bin stolz, dass ich hier in unserem Fansektor war. Die österreichischen Fans waren einfach super."

Alaba außer Form

Auch nach dem Spiel wird noch heftig über die Aufstellung diskutiert. Warum hat Marc Janko nicht gespielt? Und warum ist David Alaba völlig außer Form? "Der Trainer hätte Alaba schon viel früher vom Feld nehmen müssen. Die 10er-Position liegt ihm einfach nicht", analysiert Bernhard. Doch gleich sind die Gedanken beim kommenden Spiel gegen die Isländer. Was muss besser werden?

"Jetzt ist alles drinnen"

Bernhard ist optimistisch: "Die Isländer sind bissig. Aber wenn wir unsere Defensive so halten wie heute und nach vorne ein bisschen mehr tun und auch Alaba wieder einmal einen guten Tag hat, dann können wir die Isländer schlagen. Und wenn wir die Isländer schlagen, ist alles drin."

Ebenso sieht es sein Namensvetter aus Tirol, der mit seinen drei Freunden nach Paris geflogen ist. "Es ist toll, dass im dritten Spiel noch Spannung drinnen ist. Die Stimmung in der Fankurve war ein Wahnsinn. Es war ein großes Übergewicht von den österreichischen Fans. Das habe ich selten so erlebt."