War der Check von Real Madrids Sergio Ramos Grund für die Patzer von Liverpool-Torwart Loris Karius im Champions-League-Finale? Durchaus möglich, meint ein Experte. Dieser übt zudem harsche Kritik an den Liverpool-Verantwortlichen.

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Die diagnostizierte Gehirnerschütterung von Loris Karius hat bei Fans für rege Diskussionen gesorgt. Der deutsche Liverpool-Torwart hatte in der 49. Minute des Champions-League-Finales den Ellbogen von Real Madrids Kapitän Sergio Ramos gegen den Kopf bekommen.

Kurze Zeit später warf Karius den Ball direkt vor die Füße von Real-Stürmer Karim Benzema, der zum Führungstreffer für die Königlichen einschob. Im weiteren Spielverlauf ließ Karius einen haltbaren Fernschuss von Gareth Bale zum 1:3-Endstand aus Liverpool-Sicht durch die Finger rutschen.

Am Montag kam nun heraus, dass Karius eine Gehirnerschütterung davontrug und sich in den USA von einem Spezialisten behandeln ließ.

Experte: Ramos-Check mögliche Ursache für Patzer

Viele Fans vermuten den Ramos-Check als Ursache für die Patzer des 24-Jährigen. Das könne durchaus sein, meint Professor Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. "Eine Gehirnerschütterung ist eine Bewegung des Gehirns", erklärt Froböse im Gespräch mit unserer Redaktion. "Dabei kommt es zu einer mechanischen Beeinträchtigung der Nerven." Dies könne sofort zu einer Bewusstseinstrübung bis hin zu einem Bewusstseinsverlust führen.

Das behandelnde Krankenhaus in Boston attestierte Karius eine "visuelle räumliche Dysfunktion". Das bedeutet, so Froböse, dass Wahrnehmungsprozesse gerade nach außen hin sehr unwirklich erscheinen. "Visuelle räumliche Beeinträchtigung heißt in diesem Fall, dass zum Beispiel der Abstand zu Benzema falsch eingeschätzt worden ist", erklärt der Sportmediziner und Gesundheitsexperte.

Trotz der Gehirnerschütterung spielte Karius bis zum Schlusspfiff weiter. Für Froböse verwunderlich. "Als Spieler merkt man eine Gehirnerschütterung nicht sofort, da das Bewusstsein ja getrübt ist", sagt er. Allerdings verspürten Spieler im weiteren Verlauf dann oft Übelkeit und Schwindel. Durch die Bewusstseinstrübung bewerte ein Spieler eine solche Situation dann aber oftmals nicht richtig.

Harsche Kritik am FC Liverpool

Froböse übt deshalb harsche Kritik an den Verantwortlichen des FC Liverpool. "Die hätten das sehen müssen", erklärt er.

Mit einer Gehirnerschütterung weiterzuspielen sei hochgefährlich. Eine normale Gehirnerschütterung führe in der Regel zur vollständigen Ausheilung. Problematisch werde es erst, wenn der Betroffene eine weitere Erschütterung an seinem Gehirn erfahre. "Die Wiederholungstat an sich ist das eigentliche Problem. Das ist das Hochgefährliche, da es dann zu einer dauerhaften Schädigung des Gehirns kommen kann", mahnt Froböse.

Ein Spieler müsse sofort ausgewechselt werden, sonst setzte man ihn unnötigen Gefahren aus. Das könne wie zum Beispiel beim American Football zu langfristigen psychischen aber auch kognitiven Problemen führen.

Die Ärzte in Boston erwarten bei Karius eine vollständige Genesung. "Normalerweise reicht ein Behandlungszeitraum von vier bis sechs Wochen komplett aus", meint Froböse. Dann sollte Karius vollständig wiederhergestellt sein.

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