Deutschland bekommt es in der Gruppenphase der WM 2018 in Mexiko, Schweden und Südkorea mit drei sehr unterschiedlichen Mannschaften zu tun. Zwar könnte jedes einzelne Spiel seine Tücken haben, Deutschland ist trotzdem der klare Favorit in Gruppe F.

Eine Hammergruppe ist die Gruppe F nun nicht ganz geworden - bei 32 Teilnehmern und einem entsprechenden Leistungsgefälle war das aber auch nicht zu erwarten. Trotzdem hat die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2018 bei ihrer Mission Titelverteidigung durchaus anspruchsvolle Gegner erwischt, die auf Grund ihrer unterschiedlichen Spielstile und Mentalitäten eine besonders vielschichtige Vorbereitung auf das Turnier in Russland erfordern.

Deutschland bekommt es zwischen dem 17. Juni und dem 27. Juni mit Mexiko, Schweden und zum Abschluss Südkorea zu tun. Natürlich geht der amtierende Weltmeister als Favorit in seine Vorrundengruppe, ein Selbstläufer wird die Gruppenphase aber garantiert nicht.

Mexiko ist aggressiv und schwer berechenbar

Mexiko hat zwar nicht mehr die Strahlkraft früherer Tage, in der Qualifikation hat "El Tri" aber keinen geringeren als den ewigen Rivalen USA eliminiert und sich absolut souverän für das Endturnier qualifiziert.

Mexiko hat sich nach den Turbulenzen um Ex-Coach Miguel Herrera schnell wieder gefangen. Herrera sorgte vor zwei Jahren für einen Skandal, als er einen Journalisten schlug und als Konsequenz seinen Job verlor. Mit dem Kolumbianer Carlos Osorio landete der mexikanische Verband aber einen Volltreffer.

Unter Osorio spielt die Mannschaft in einem 4-2-3-1-System mit Ex-Barca-Sternchen Giovani dos Santos als Zehner und dem ehemaligen Leverkusener Chicharito im Angriff einen besonders aggressiven, laufintensiven Fußball.

Seit der Amtsübernahme von Osorio herrscht im und um das Team wieder Ruhe. Auf die Routiniers, zu denen auch Abwehrchef Hector Moreno oder Mittelfeldmotor Andres Guardado zählen, wird es ganz besonders ankommen.

Gegen Deutschland ist die WM-Bilanz der Mexikaner bisher alles andere als rosig: In drei Spielen setzte es zwei Niederlagen und ein Remis. Zuletzt fertigte eine deutsche B-Mannschaft Mexiko im Halbfinale des Confed-Cups mit 4:1 ab.

Trotzdem sind die Mexikaner eine unangenehm zu bespielende Mannschaft, die bei großen Turnieren mit Herz und Leidenschaft auftritt und es auf diese Weise sechs Mal in Folge ins Achtelfinale schaffte - dort dann allerdings auch jedes Mal scheiterte.

Die Schweden kommen gelegen

Die Schweden sind alte Bekannte und lösen bei der deutschen Mannschaft fast ausschließlich gute Erinnerungen aus. Mit den Skandinaviern weiß die Mannschaft, was sie bekommt. "Auf die Schweden können wir uns gut einstellen. Da sie sich gegen Italien durchgesetzt haben, werden wir sie sicher nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagt DFB-Torhüter Manuel Neuer auf "dfb.de".

Die Mannschaft ist körperlich sehr stark, setzt vorrangig auf eine verstärkte Defensive und vertraut im Angriff auf ihre Stars Emil Forsberg und vielleicht sogar Zlatan Ibrahimivoc. Der eigentlich zurückgetretene Superstar hat angekündigt, über ein Comeback bei der WM nachzudenken. Fußballerisch sind die Schweden aber trotz dieser beiden Ausnahmekönner nicht zur Weltspitze zu zählen.

Dafür können sie kämpfen und auch große Mannschaften mit ihrer Defensivstrategie zur Verzweiflung bringen, Trainer Janne Andersson gilt als Taktik-Fuchs. Siege in der WM-Qualifikation gegen Frankreich, die Niederlande und in den Playoffs dann auch gegen Italien sollten Zeugnis genug sein.

Trotz dieser durchaus vorhandenen Qualitäten sollte Deutschland die Schweden gut im Griff haben und bespielen können. Bei großen Turnieren war zuletzt drei Mal eine deutsche Mannschaft erfolgreich, die letzte Niederlage bei einer WM liegt 59 Jahre zurück, damals verlor der amtierende Weltmeister Deutschland im Halbfinale gegen den Gastgeber mit 1:3.

Und die Schweden waren ja auch Juniorpartner im irrwitzigsten Spiel der langen deutschen Länderspielgeschichte: Das 4:4 von Berlin im Rahmen der WM-Qualifikation für das Turnier 2014, nach einem 4:0-Vorsprung der Deutschen, ist bis heute in bester Erinnerung.

Südkorea ist der schwächste Gegner

Südkorea ist sicherlich so etwas wie der am schwersten einzuschätzende Gegner der Gruppe. Bis vor kurzem wurde die Mannschaft noch von Uli Stielike trainiert. Die Qualifikation stand aber auf des Messers Schneide, Südkorea konnte kein einziges Auswärtsspiel gewinnen und schummelte sich mit zwei torlosen Remis, unter anderem gegen Usbekistan, gerade noch so zur WM.

Im Angriff drückt der Schuh bei den Asiaten, das konnte auch Stielikes Nachfolger Shi Tae-Yong bisher nicht ändern. Alles steht und fällt mit der Form von Heung-Min Son, der Tottenham-Star ist der Fixpunkt der Mannschaft in der Offensive. Südkorea hat an seinem grundsätzlichen Spielstil wenig geändert, die Mannschaft funktioniert als Kollektiv, ist laufstark und gut organisiert.

Aber das Team hat nichts Spezielles, keine überragende Eigenschaft und auch keinen Einzelspieler, der in Spielen gegen große Mannschaften den Unterschied machen könnte. Bisher gab es erst drei Länderspiele gegen Südkorea: Ein Freundschaftsspiel verlor Deutschland, die beiden Vergleiche bei Weltmeisterschaften gingen jeweils knapp zu Gunsten des Weltmeisters aus.

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