Der nächste Deutsche muss die Heimreise von der WM 2018 in Russland antreten: Die FIFA hat entschieden, im weiteren Turnierverlauf nicht länger auf Schiedsrichter Felix Brych zu setzen. Der hat sich nun zu Wort gemeldet.

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Felix Brych und sein Team waren - wie die deutsche Nationalmannschaft - mit großen Ambitionen nach Russland gereist. "Natürlich würden wir gerne die K.o.-Phase erreichen", hatte er vor dem WM-Start noch gesagt.

Nun hat die Fifa Brych nach Hause geschickt. Nach nur einem Spiel in der Gruppenphase. So wenige Einsätze bei einer WM hatte ein deutscher Schiedsrichter zuletzt vor 36 Jahren.

Ein Schlag in die Magengrube für Brych und den DFB, denn nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft hatten viele Brych als möglichen Final-Schiedsrichter gehandelt. So hätte zumindest ein Deutscher von der Blamage des DFB-Teams profitiert.

"Der Verlauf der WM ist für mich und mein Team natürlich eine herbe Enttäuschung. Aber das Leben geht weiter und wir kommen wieder", erklärte Brych selbst laut einer Mitteilung des DFB nach der Bekanntgabe der FIFA.

Ist das der Grund für Brychs Ausscheiden?

Dennoch dürfte es ihm stinken, dass ihm von der WM 2018 nur dieses eine Spiel in Erinnerung bleiben kann: Schweiz gegen Serbien.

Brych hatte in einer strittigen Szene Serbien den Strafstoß verwehrt und war daraufhin vom serbischen Trainer auf niedrigstem Niveau angegriffen worden. "Ich würde ihn nach Den Haag schicken", hatte Mladen Krstajic gesagt und dabei auf das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien angespielt. "Dort sollte ihm der Prozess gemacht werden, wie sie uns den Prozess gemacht haben."

Beim DFB wird nun vermutet, dass die Aufregung rund um die Partie Brych einen Einsatz in der K.o.-Runde gekostet haben könnte. "Offensichtlich wurde Felix' schwierige und strittige Elfmeter-Entscheidung beim Vorrundenspiel Schweiz gegen Serbien von der FIFA als so schwerwiegend bewertet, dass es keine weiteren Ansetzungen mehr für ihn gab. Ob das gerechtfertigt ist, müssen unsere Experten bewerten. Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren", urteilt Ronny Zimmermann, der für die Schiedsrichter zuständige DFB-Vizepräsident laut der Mitteilung auf "Dfb.de".

Dieser Theorie stimmt auch der ehemalige Schiedsrichter Markus Merk zu: "Wenn du in die Kritik gerätst und sogar zu einem Politikum wirst, hast du kaum noch eine Chance in dem Turnier. Dann nimmt die Kommission lieber einen Schiedsrichter, der in mehreren Spielen überzeugt hat und schadlos durch das Turnier gekommen ist."

Die Entscheidung der FIFA kam dennoch überraschend, auch weil Chef der FIFA-Schiedsrichterkommission, Pierluigi Collina, eigentlich als Unterstützer und Förderer von Brych gilt.

Fröhlich: "Brych einer der besten Schiedsrichter der Welt"

Lutz Michael Fröhlich, der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission Elite, erklärte: "Natürlich ist es für Felix Brych persönlich und generell für das deutsche Schiedsrichterwesen ein Stück weit enttäuschend, dass unser Top-Schiedsrichter bei der WM nur einmal zum Einsatz gekommen ist. Vor allem auch, weil sich durch das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft eine seltene Perspektive für Felix ergeben hat."

Er sei aber überzeugt, dass Brych professionell mit dieser Entscheidung umgehen und auch in der neuen Saison überzeugende Leistungen zeigen werden. "Er ist weiterhin einer der besten Schiedsrichter der Welt."

Immerhin dürfen sich noch drei Deutsche Hoffnungen auf weitere Einsätze bei der WM machen: Brychs Assistent Mark Borsch und die beiden Video-Assistenten Bastian Dankert und Felix Zwayer weilen weiterhin in Russland.

Die größten Chancen, das Finale zu pfeifen, haben nun wohl der Senegalese Malang Diedhiou und der Iraner Alireza Faghani.

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