"Das Finale ist unser Minimal-Ziel" sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß unlängst, und fügt an dass "der FC Bayern es sich nicht leisten kann, eine durchschnittliche Mannschaft zu unterhalten". Gewohnte Kampfansagen des Präsidenten des FC Bayern München. Allerdings, diesmal geht es nicht um die Fußball-Abteilung, sondern um sein neues Hobby, die Basketball-Mannschaft des FC Bayern. Die Korbjäger aus der bayerischen Hauptstadt stehen nach dem sechsten Spieltag ungeschlagen auf Platz eins der Basketball-Bundesliga. Wer Uli Hoeneß kennt, weiß, dass das kein Zufall ist.

Seit der Saison 2011/12 spielen die bayerischen Riesen in der obersten deutschen Spielklasse. Nachdem die Mannschaft in der ersten Saison nur das Viertelfinale der Playoffs erreichte, war in der vergangenen Saison erst im Halbfinale gegen den späteren Meister Bamberg Schluss. Für jeden anderen Verein wäre diese Entwicklung großartig, wenn nicht sensationell. Nicht bei den Bayern. Nicht mit einem Uli Hoeneß an der Spitze.

Deswegen wird weiter investiert. In der vergangenen Spielpause wurde das Budget für Spieler-Verpflichtungen erneut erhöht. Acht neue Spieler wechselten im Sommer nach München. Center John Bryant, bester Spieler der vergangenen beiden Saisons, wurde aus Ulm geholt. Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Nihad Dedovic und Deon Thompson wechselten von der Spree an die Isar. Somit stehen nun vier Spieler aus der Startaufstellung von Alba Berlin in München unter Vertrag. Bayern kauft also munter ein, und genau das ärgert die Konkurrenz.

Bamberg und Berlin haben keine Lust auf "Wettrüsten"

Die Bosse der anderen Vereine zeigen sich angesichts der finanziellen Übermacht aus der bayerischen Hauptstadt frustriert: "Wir steigen aus dem Wettrüsten aus", klagt Alba-Manager Marco Baldi. "Da können wir nicht mithalten und das wollen wir auch nicht". Auch aus Bamberg, dem Meister der vergangenen vier Jahre, sind ähnliche Töne zu hören. Manager Wolfgang Heyder verrät, dass er es immerhin versucht hat: "Wir wollten Thompson, Djedovic und Bryant. Sie sind jetzt alle bei Bayern". Dabei verfügt Bamberg über das höchste Budget diesseits von München. Gegen die gut gefüllten Geldbeutel aus München – laut "Bild"-Berichten beläuft sich das Bayern-Budget auf 13 Millionen Euro – sehen die Konkurrenten jedoch kein Land.

Aber Heyder sieht in dem Wettrüsten auch positive Entwicklungen für die BBL und Bamberg: "Unser Hauptsponsor hat sich sehr vom Einstieg der Bayern motivieren lassen", sagt Heyder. Mit dem Verkauf der Namensrechte ihrer Halle an deren Sponsoren steigerte Bamberg seinen Etat auf etwa acht Millionen Euro.

Bleibt der nicht ganz aus der Luft gegriffene Vorwurf, dass Bayern der Konkurrenz die Talente abwirbt. Eine Taktik, die auch der Fußball-Abteilung oft angekreidet wird (siehe auch: Götze, Mario). Hier findet Hoeneß klare Worte: "Die Spieler mögen die Stadt einfach. Außerdem bieten wir ein professionelles Umfeld. Wir haben es nicht nötig, anderen Vereinen das Personal zu klauen". Der Bayern-Boss betont auch, dass es keine finanzielle Hilfe aus dem Fußball-Resort gegeben habe: "Kein einziger Euro fließt aus der Profifußball-AG in den Basketball", schildert Hoeneß. Der sportliche Erfolg sei ausschließlich selbst erwirtschaftet, "durch Sponsoring, Zuschauereinnahmen und Merchandising". Zudem sind die Basketballer auf ihrem Feld derzeit noch dominanter als ihre kickenden Vereinskollegen.

Bayern dominiert national und überrascht international

Die personelle Generalüberholung der Basketballabteilung zeigt sich in den Ergebnissen. Nach dem 6. Spieltag der Beko-Basketball-Bundesliga stehen die Riesen von der Isar als einzige ungeschlagene Mannschaft an der Spitze der Tabelle. Ein Durchmarsch der Bayern scheint vorprogrammiert. Nur das Duo aus Bamberg und Berlin kann den Münchnern gefährlich werden, doch selbst diese Traditionsklubs stolpern bisher durch die Saison.

Dank einer von der Euroleague erteilten Wildcard sind die Münchner erstmals auch international vertreten. Während die Bayern-Basketballer national dominieren, gelten sie außerhalb Deutschlands als krasser Außenseiter. In der Euroleague treffen die Roten in einer starken Gruppe auf Vereine wie den italienischen Abo-Meister Montepaschi Siena und den Vorjahresgewinner Olympiakos Piräus. Zu aller Überraschung schlagen sich die Münchner aber sehr gut. Zum Auftakt wurde der polnische Meister Stelmet Zielona Gora mit einer deutlichen 94:73-Klatsche nach Hause geschickt. Danach überzeugten die Bayern auch beim 89:79-Heimsieg gegen Siena.

Das Projekt Europa-League wird vorerst nur zur Standortbestimmung dienen, das erste Jahr gilt als Testlauf. Fest steht, dass die bayerische Machtübernahme im deutschen Basketball bereits in vollem Gange ist. Das sieht auch die Chefetage um Uli Hoeneß, der schon eine Stufe weiterdenkt: "Mein Traum ist es, irgendwann mit zwei Mannschaften auf dem Rathausbalkon stehen zu können: mit den Fußballern und mit den Basketballern".