Noch ist Tom Schwarz ein eher unbekannter Boxer. In der Nacht von Samstag auf Sonntag könnte er allerdings mit einem Schlag zum Superstar werden. Dazu müsste der Deutsche in Las Vegas allerdings Klitschko-Bezwinger Tyson Fury besiegen.

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Noch kann sich Tom Schwarz ganz unbeschwert durch die Straßen bewegen. Weder in Deutschland noch im Ausland wurde von dem 25-Jährigen groß Notiz genommen.

Er ist zwar ein talentierter Boxer und hat all seine 24 Profikämpfe gewonnen. Allerdings boxte er meist in kleinen Hallen oder war Vorkämpfer anderer Athleten. Namhafte Gegner hatte er noch nie vor den Fäusten.

Das wird sich nun ändern. Sonntagfrüh (3:30 Uhr deutscher Zeit, live im MDR) steht der aus Halle stammende Athlet im weltweiten Scheinwerferlicht, boxt in Las Vegas vor rund 15.000 Fans und Millionen Zuschauern am Fernseher. Der Gegner: niemand Geringeres als Tyson Fury.

Der Brite wurde im November 2015 weltbekannt, als er die elfjährige Dominanz von Wladimir Klitschko beendete und ihm gleich vier Weltmeister-Gürtel abnahm. Würde nun Schwarz dem scheinbar übermächtigen Fury die erste Niederlage seiner Karriere zufügen, wäre er plötzlich einer der bekanntesten Boxer der Welt. Ob er darauf vorbereitet ist?

"Absolut", antwortet Schwarz im Gespräch mit unserer Redaktion. "Deswegen habe ich den Kampf auch angenommen. Ich habe im Training extrem durchgezogen und bin absolut in Topform. Das wird man sehen. Ich will einfach nur noch in den Ring."

Fury will Schwarz "Kiefer und Rippen brechen"

Das Duell Tom Schwarz gegen Tyson Fury gleicht der Geschichte David gegen Goliath. Nahezu alle Experten und Wettanbieter sehen in dem Deutschen lediglich einen leichten Aufbaugegner für Fury (Wettanbieter-Quote beträgt laut "Sport Bild" 1:17). Auch Fury tönte selbstsicher in Richtung des Deutschen, er würde ihm "den Kiefer und die Rippen brechen".

Schwarz hat großen Respekt vor Fury und bezeichnet ihn als den besten Boxer der Welt. Dennoch möchte er das Unmögliche möglich machen. "Ich glaube, dass er mich etwas unterschätzt", sagt der Deutsche. In einem Sport, in dem ein einziger Schlag über Sieg oder Niederlage entscheiden kann, besteht darin möglicherweise die große Chance.

Erst vor zwei Wochen ereignete sich im Boxen eine Sensation, als der mehrfache Weltmeister Anthony Joshua gegen den kurzfristig eingesprungenen und übergewichtigen Andy Ruiz viermal zu Boden ging und alle Titel verlor. Eine ähnliche Überraschung strebt nun Schwarz an.

Nur der K.O. zählt

"Ich muss ihn auf jeden Fall K.O schlagen", weiß der Deutsche und verspricht: "Ich werde alles rausfeuern, was ich habe." Ein Punktsieg dürfte kaum möglich sein, da Punktrichter im Boxsport meist den favorisierten Kämpfer vorne sehen.

Diese Erfahrung musste auch Axel Schulz machen, der im April 1995 in selbiger Arena den Weltstar George Foreman dominierte und dennoch zum Verlierer erklärt wurde.

Nun sitzt Schulz als Fernsehexperte am Ring und glaubt an die Chance des deutschen Außenseiters. "Er muss alles auf eine Karte setzen, nach vorne gehen und alles riskieren. Natürlich muss Tom den Sieg unbedingt wollen", sagte der Ex-Boxer der "Bild" und fügte hinzu: "Als Boxer hast du immer eine Chance."

Allerdings wird es eine echte Mammutaufgabe, Fury K.O. zu schlagen. Der 2,06-Meter-Riese ist neun Zentimeter größer als Schwarz und hat somit eine größere Reichweite. Zudem ist Fury im Ring unberechenbar, provoziert den Gegner und verändert ständig seinen Boxstil.

Schwarz gibt sich dennoch unbeeindruckt: "Um zu gewinnen, brauche ich einfach dicke Eier und ein großes Herz."

Gage: Fury kassiert ein Vielfaches

Finanziell bewegen sich beide Boxer in völlig anderen Dimensionen. Fury hat mit dem amerikanischen TV-Sender ESPN einen 90-Millionen-Euro-Vertrag für fünf Kämpfe abgeschlossen, kassiert also durchschnittlich 18 Millionen pro Kampf. Schwarz kassiert laut Sport Bild diesmal zwischen 600.000 und 800.000 Euro.

Würde Schwarz gewinnen, wären auch ihm zukünftig Millionen-Gagen garantiert. Zwar geht es in dem Kampf gegen Fury um keinen Weltmeister-Titel. Allerdings wäre er bei einem Sieg sofort einer der heißesten Namen im Boxsport.

Nächste mögliche Gegner wären der amerikanische K.o.-Schläger und Weltmeister Deontay Wilder oder der Sieger des Rückkampfes zwischen Andy Ruiz und Anthony Joshua.

Nach dem Kampf ist vor der Hochzeit

Zunächst aber hätte er ohnehin andere Pläne. Schwarz, der früher mit der "Deutschland sucht den Superstar"-Teilnehmerin Annemarie Eilfeld liiert war, möchte sich privat fest binden. Seit Ende 2015 ist er mit der Friseur-Salon-Inhaberin Tessa zusammen. Nach dem Kampf möchte er sie heiraten – ebenfalls in Las Vegas.

Die amerikanische Spiel-Metropole könnte also in mehrfacher Hinsicht die Stadt sein, die sein Leben in eine völlig neue Richtung lenkt.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Tom Schwarz
  • Sport Bild (24/2019): "Ich verputze Fury"
  • Bild.de: "Erst Hiebe, dann Hochzeit!"
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George Foreman gehört zu der Generation von Giganten im Schwergewichts-Boxen, für die heimische Boxfans sich in den 70er-Jahren nachts den Wecker stellten. Foreman schlug Joe Frazier, um dann in einem Jahrhundertkampf Muhammad Ali zu unterliegen. 20 Jahre später wurde Foreman der älteste Weltmeister im Schwergewicht - und wehrte den Angriff des jungen Axel Schulz auf seinen Thron ab. Wenn auch mit Mühe und Not und viel Glück.