• Am Freitag greifen die deutschen Bobfahrerinnen noch einmal nach Medaillen, dieses Mal im Zweierbob.
  • Damit wird es auch für Bobanschieberin Alexandra Burghardt ernst. Sie geht gemeinsam mit Gold-Hoffnung Mariama Jamanka an den Start.
  • Die Sprinterin, die bereits in Tokio am Start war, gibt unserer Redaktion Einblick in die letzten Tage vor dem Wettkampf und erklärt, warum sie an den ersten Tagen der Meinung war, es in Peking nicht allzu lange auszuhalten.
Ein Interview

Am Freitag wird es ernst für Sie, Frau Burghardt. Wie geht es mit der Aufregung?

Alexandra Burghardt: Es geht gut. Ich bin froh, dass es am Dienstag mit dem offiziellen Training losgegangen ist. Wir hatten wirklich viele super Läufe. Mariama ist super gefahren, wir hatten sehr gute Startzeiten und auch die Abstimmung passt immer besser. Es gibt keine Ausreißer mehr ins Negative, wie es noch am Anfang war. Mir macht es immer mehr Spaß, weil ich immer sicherer werde und nicht mehr so viel nachdenken muss, was ich eigentlich alles zu tun habe. Ich mache jetzt einfach nur noch und das ist sowieso am besten.

Waren Sie in Tokio aufgeregter oder jetzt?

Ich bin immer erst direkt vor dem Wettkampf aufgeregt. Und ich bin jemand, der Aufregung braucht. Ich genieße das. Aktuell bin ich nicht aufgeregt. Aber bei der Entscheidung der Männer, war ich sehr aufgeregt. Ich konnte mich sehr gut in meine eigene Situation hineinversetzen. Das war schon sehr cool. Ich bin ein totaler Emotionsmensch und das triggert mich natürlich sehr. Da habe ich auf jeden Fall die olympischen Emotionen, den olympischen Geist gespürt.

Haben Sie dann auch ein bisschen mitgefeiert?

Nein, wir haben leider gar nicht gefeiert. Wir sind nur zum letzten Lauf rüber zur Bahn gefahren, eingepackt wie noch was und danach wieder zurück und dann auch gleich ins Bett. Wir versuchen gerade etwas später ins Bett zu gehen und etwas länger zu schlafen. Aber mir gelingt das nicht so. Ich wache jeden Tag um 7:30 Uhr auf.

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Bob-Dreiererfolg "reißt uns mit"

Die Erwartungen in Deutschland an alles, was in diesem Eiskanal bei den Olympischen Spielen passiert, sind riesig. Haben die vielen Medaillen, die bisher schon von Rodlerinnen und Rodlern und den Bobfahrern geholt wurden, Auswirkungen auf Sie und Ihre Pilotin Mariama Jamanka?

Das spornt an und motiviert. Die drei Schlitten, die auf dem Podest waren, sind ja auch die drei Schlitten, die wir Frauen fahren werden. Also wissen wir, dass das Material für die Bahn passt. Die Schlitten laufen. Dass es jetzt schon so viele Erfolge gab, reißt uns eher mit, als dass es uns hemmt. Das ist eine Mega-Motivation. Und ich habe mich so gefreut. Deshalb sehe ich das nur positiv und ich glaube, die Mariama auch.

Im Monobob ist es für Ihre Pilotin ja nicht so gut gelaufen. Haben Sie darüber geredet? Wie geht es Mariama Jamanka?

Wir haben natürlich schon ein bisschen gesprochen. Es war ultraschade und ich hätte es ihr so sehr gewünscht, weil sie auf jeden Fall das Potenzial hat, da vorne reinzufahren. Monobob ist einfach ein schwieriges Gerät, bei dem jeder kleine Fehler noch viel mehr ins Gewicht fällt. Sie hat es aber gut abgehakt und legt jetzt den vollen Fokus auf den Zweier-Bob. Die Trainingsfahrten waren super und sie hat sich wieder Selbstvertrauen geholt. Ich blicke jedenfalls sehr zuversichtlich auf die Wettkampftage.

Haben Sie eigentlich vor Ort auch Mental-Coaches oder Psychologen, die Sie zurate ziehen können? Vor allem, was den Druck angeht, stelle ich mir die Situation schon anstrengend vor.

Es gibt hier an jeder Ecke im Olympischen Dorf "You want to talk?"-Schilder. Ich denke mal, dass das vom IOC organisiert wurde, dass man auf jeden Fall die Möglichkeit hat zu reden, wenn man Gesprächsbedarf hat. Ich habe selbst einen Mental-Coach, mit dem ich zusammenarbeite und der ist natürlich jetzt auch bei diesen Spielen immer involviert. Mit ihm habe ich ganzjährig einen sehr regen Austausch. Mir tut das gut. Und es gibt mir manchmal auch eine andere Sichtweise auf die Dinge.

Wie ist das Leben im Olympischen Dorf? Sind Sie weiterhin in Ihrer Blase?

Wir sind weiterhin sehr genau mit den ganzen Maßnahmen. Wobei kürzlich der erste Tag war, an dem kein einziger Corona-Fall entdeckt wurde bei 70.000 Tests täglich. Das macht es uns natürlich um einiges leichter. Man steht jetzt nicht mehr mit anderen Nationen im Aufzug und hat Angst, dass man das Virus einatmet. Es kehrt einfach ein bisschen Ruhe ein, wir haben nicht mehr permanent Angst, uns anzustecken. Wahrscheinlich ist das Olympische Dorf momentan der sicherste Ort der Erde, was Corona betrifft. Trotzdem machen wir jetzt nichts lockerer. Das wäre jetzt einfach Quatsch, nachdem wir es so lange durchgezogen haben. Jetzt kurz vor dem Ziel wollen wir auch nicht verhungern. Deswegen sind wir alle weiter konsequent.

Gibt es eigentlich Athletinnen oder Athleten im Dorf, bei denen Sie so richtig starstruck sind, also bei denen Sie sich mal umdrehen und sich denken "Uiuiui, die ist auch da!"?

Ja, ich habe Mikaela Shiffrin beim Mittagessen gesehen und einen verstohlenen Blick zu ihr rübergeworfen. Sie ist einfach unglaublich erfolgreich. Und wenn ich nicht gerade selbst Wintersport ausübe, schaue ich mir Skifahren sehr gerne im Fernsehen an. Also da laufen schon die einen oder anderen Stars hier herum. Und dass ich Mikaela Shiffrin live gesehen habe, hat mich schon sehr gefreut. Auch wenn ich nicht das Ultra-Fangirl bin und da gleich ein Selfie machen muss. (lacht)

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Burghardt: "Ich war überzeugt, ich halte das hier nicht aus"

Die Kälte der vergangenen Tage war vor allem bei den Langläufern und im Biathlon ein Thema. Wie fühlen sich denn minus 20 Grad an?

Ich war noch nie an einem Ort, an dem es so kalt war wie hier. Für die anderen ist das relativ normal. In St. Moritz hat es ja zum Beispiel auch ständig zwischen minus 10 und minus 20 Grad oder sogar noch kälter. An den ersten drei Tagen dachte ich wirklich, ich erfriere hier. Da waren auch noch 50 km/h Wind und ich war überzeugt, ich halte das hier nicht aus. Jetzt habe ich mich aber wirklich gut daran gewöhnt und finde es nicht mehr so schlimm. Während man Sport macht, geht es ohnehin. Wir wärmen uns ja drinnen auf und gehen dann erst kurz bevor es losgeht raus. Da hat man dann so eine Hitze in sich, dass man auf jeden Fall nicht friert. Bei der Fahrt selbst ist es sowieso kein Problem, da ist man ja sehr windgeschützt. Und außerhalb von der Bobbahn habe ich einfach sehr viele Lagen an. (lacht)

Wie warm hält eigentlich ein Bobanzug?

Der hält gar nicht warm. (lacht) Der ist einfach nur ganz dünn und windschnittig. Aber Gott sei Dank haben wir den nur fünf Minuten draußen an und in den fünf Minuten sind wir richtig aufgeheizt.

Also ist die niedrige Temperatur im Wettkampf für Sie kein Faktor?

Ich glaube nicht. Bei den Männer hat sich tatsächlich ein Anschieber Verbrennungen am Unterarm durch die Kälte zugezogen bei minus 20 Grad. Aber das passiert mir bestimmt nicht.

Jetzt nimmt das Material viel Zeit in Anspruch

Wie sehen jetzt die letzten Tage vor dem Start am Freitag noch aus bei Ihnen?

Das Material nimmt jetzt noch die meiste Zeit in Anspruch. Die Kufen müssen geschliffen und poliert werden. Außerdem werden wir versuchen uns so viel wie möglich auszuruhen.

Im Film "Cool Runnings" gibt es die berühmte Szene in der Badewanne, in der die vier Jungs sich auf ihr Rennen vorbereiten und die Kurven durchgehen. Wie bereiten sich Bobfahrer und Bobfahrerinnen heutzutage vor?

Cool Runnings
Cool Runnings

Den Film habe ich mir tatsächlich vor meinem Abflug nochmal angeschaut. (lacht) Mariama und die anderen Pilotinnen haben sich zu Hause mithilfe von Virtual Reality auf die Bahn in Peking vorbereitet. Ganz viel läuft bei den Pilotinnen aber auch vor dem geistigen Auge ab. Für mich persönlich ist es wichtig zu wissen, wann welche Kurve kommt. Schließlich muss ich an der richtigen Stelle bremsen.

Matthias Sommer, dem Anschieber von Christoph Hafer, ist bei ihrem Bronzelauf tatsächlich fast ein Missgeschick passiert. Er hatte seinen Kopf zu früh oben, dachte offensichtlich, sie wären schon im Ziel. Zum Glück bremste er nicht. Wie verhindern Sie, dass Ihnen sowas auch passiert?

Ich zähle die Kurven, allerdings nicht mit Nummern, sondern ich habe einfach "links, rechts, links und so weiter" im Kopf. Es gibt auch einige markante Punkte. Den Kreisel zum Beispiel spürt man sehr. Und nach dem Kreisel weiß ich, da kommt noch einmal rechts, zweimal links und dann wird's Zeit zu bremsen. Das klappt ganz gut.

Sind Sie abergläubisch? Also darf zum Beispiel irgendwas Bestimmtes nicht passieren am Wettkampftag oder küssen Sie vielleicht auch ein Ei, wie in "Cool Runnings"?

Nein, da bin ich völlig entspannt. (lacht) Ich trinke gerne einen guten Kaffee vorher und dann läuft das schon. Zum Glück ist der Kaffee hier gut.

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