Sind Sie auch schon so gespannt wie ich, wer diese Woche die heißbegehrte Hauptrolle in diesem Wochenrückblick spielen wird? Wer das unbeliebteste Casting nach Rollen neben Jan Josef Liefers gewinnen wird? Wer mich diese Woche auf Twitter blockieren wird? Das wird jedenfalls ein spannenderes Rennen als die etwa 21 gnadenlos langweiligen Bundesligaspieltage, bis Bayern München als Deutscher Meister 2023 feststeht. Das wird vermutlich so Ende Februar sein, kurz nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz den Oscar für den besten fremdsprachigen Film kassiert hat, das Cum-Ex-Warburg-Epos "Erinnerung: Impossible".

Marie von den Benken
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Damit auch Sie als geneigter Leser sich ein halbwegs vollständiges Bild davon machen können, wie hochkarätig die Besetzungscouch für besagte Titelrolle diese Woche bestückt war, hier eine kurze Liste der möglichen personellen Optionen:

1. Donald Trump

Donald Trump keine Dokumente aus dem Weißen Haus mit in seine Privaträume in Mar-a-Lago genommen. Das sagt jedenfalls sein Anwalt. Und falls doch, waren die nicht geheim. Und falls doch, hat er sie schon zurückgegeben. Und falls was fehlt, waren sie dann doch nicht geheim. Und falls doch, hat das FBI sie mitgebracht und in einer großangelegten Betrugs-Verschwörung in Trumps Safe platziert, um dem besten Präsidenten aller Zeiten zu schaden.

Das waren wahrscheinlich dieselben Staatsdiener, die 2020 die Präsidentschaftswahl manipuliert haben, bei der Joe Biden angeblich 7,1 Millionen Stimmen mehr als Trump bekommen haben soll – obwohl Trumps Anwalt (der, der gesagt hat, da sind gar keine Dokumente in Mar-a-Lago, Sie erinnern sich vielleicht) eine vollkommen glaubwürdige Zeugin hatte, die unter Eid aussagen wollte, dass sie selbst gesehen hat, wie Stimmen für die Republikaner tonnenweise aus den Wahllokalen entfernt wurden.

Naja, und wenn aber aus Versehen jetzt doch Dokumente gefunden wurden und die auch noch geheim waren, dann waren aber auf keinen Fall Dokumente dabei, in denen es auch um Atomwaffen geht. Und falls doch, dann hat Barack Obama das auch gemacht. Und falls Obama das doch nicht gemacht hat, sind die Dokumente niemals an jemanden weitervermittelt worden, schon erst Recht nicht an irgendwen in Russland, wo man dieser Tage stolz verkündete, man hätten Zugang zu geheimen US-Dokumenten.

2. Eric Trump

Der Sohn, den Donald Trump nie hatte, gehört zu den hyperintellektuellen Feingeistern Nordamerikas. In Kunst- und Kulturkreisen gilt er als die Fran Lebowitz der Politik. Als stolzer Beinahe-Sohn sprang er seinem zumindest offiziellen Vater selbstredend umgehend zur Seite und verkündete, die Trump-Familie sei die ehrlichste Familie in der Geschichte der USA, die jemals im Weißen Haus regiert hat. Falls Eric es damit nicht in den Hauptcast dieser Kolumne schafft, muss er nicht traurig sein – für ihn wird es nach dieser Aussage Comedy-Preise regnen!

3. Andrea Kiewel

Andrea Kiewel, die rüstige ZDF-, naja, Moderatorin gilt als die Helene Fischer des Sonntagmorgen-Entertainments: Sie hat eigentlich nur einen Hit und dauernd lungern Giovanni Zarrella oder Florian Silbereisen um sie herum. Oder wenn es ganz schlecht läuft: beide. Kiewel sorgte am Sonntag für einen ausgewachsenen Empörungs-Tsunami bei rechtskonservativen Diskursausfällen, die sich am liebsten "Gendergaga" auf den Hintern tätowieren lassen würden (wenn sie nicht Angst vor der Reaktion ihrer Frau hätten).

Kiewel hatte im "ZDF-Fernsehgarten", der im Prinzip nur existiert, damit Kegelklubs aus Westerkappeln sonntags mal rauskommen, einen Bus chartern und in ihren frisch gebügelten Kurzarmhemden den Lerchenberg stürmen können, gegendert. Aber irgendwie nicht ganz freiwillig.

So sprach sie von "Songwritern und Songwriterinnen", fügte dann aber süffisant an: "Verziehen Sie nicht das Gesicht, ich muss ja". Quasi eine subtile Kritik am neuen Hang der Medien zum Genderfinanzausgleich. Das suggerierte der stattlichen Armada von Menschen, die Gendersternchen für gefährlicher als Wladimir Putin halten, glasklar: Die Öffentlich-Rechtlichen zwingen ihr Moderationspersonal, stets den Woke-Wahnsinnigen, die inzwischen Land, Regierung und TV-Sender übernommen haben, nach dem Mund zu reden und flächendeckend durchzugendern. Was noch, ÖRR, was noch? Muss man beim ZDF demnächst auf einem Regenbogen-Einhorn zum Dienst reiten?

4. Friedrich Merz

Der innovationsbesessene Unions-Jungspund, der nicht zu Unrecht als große Zukunftshoffnung für die zuletzt stark arminlaschinierte CDU gehandelt wird, muss sich diese Woche bis zur Schnappatmung echauffierten Freiheitskämpfern entgegenstellen. Friedrich Merz hatte eine Podiumsdiskussion abgesagt, an der auch Henryk M. Broder teilnehmen sollte. Broder wertet das offenbar als persönlichen Affront und sortierte Merz fortan auf seiner Liste der unerträglichsten Zeitgenossen noch vor Claudia Roth ein. Über Roth hatte Broder mal so lupenrein journalistisch fundierte Dinge gesagt wie: "Die Frau wäre noch aus Theresienstadt zurückgekommen und hätte gesagt, wir müssen das Theater dort subventionieren" oder "Sie ist ein Doppelzentner fleischgewordene Dummheit".

Und weil hohes Diskursniveau vor allem dem Qualitätsblatt "Welt" überaus wichtig ist, das gleichzeitig die letzte Bastion echter Freiheit in Deutschland darstellt, durfte Broder dort das Wort direkt an Friedrich Merz richten und fragen, was ihn unerwünscht machen würde. Auf den Gedanken, der Freiheits-Gedanke gelte auch für Merz und der hätte damit unter anderem die Freiheit, sich aussuchen zu können, mit wem er eine Bühne teilt, kommen weder Broder noch die Freiheits-Hasardeure der "Welt"-Redaktion. Egal. Das Thema hat sich demnächst ohnehin erledigt.

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5. Ralf Schuler

Der vom Nischenmagazin "Cicero" in einem satirischen Kleinod als "einer der renommiertesten Politikjournalisten des Landes" gefeierte "BILD"-Redakteur reiht sich diese Woche in einen Reigen generalverdrossener Ex-Mitarbeiter ein, denen der Axel Springer Verlag zu woke geworden ist. Schuler wolle den neuen Kurs, mit dem sich der Verlag zum Bannerträger der Regenbogenfahne macht, nicht mittragen. Vollkommen verständlich. Spätestens, als Mathias Döpfner per Chef-Dekret verfügte, dass sich jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin "GAY PRIDE FOREVER" auf den Hintern tätowieren lassen müsse, wäre auch ich ausgestiegen. Für Schuler war Schluss, als ein "BILD"-Vize-Chefredakteur (womöglich Paul Ronzheimer?) in einer internen Mail schrieb, man stehe "fest an der Seite der LBGTQ-Community". Endlich wieder Integrität im durch den Triumphzug von Fake News, Wissenschaftsresistenz und Recherche-Allergie so rasant Reputation einbüßenden Genre Journalismus. Wenn man seine Arbeitszeit nicht mehr weitestgehend mit Schwulen- und Transfeindlichkeit ausfüllen darf, muss man seinen Werten treu bleiben und per offenem Brief kündigen.

Das hatte vor Schuler bereits seine Ex-Kollegin Judith Sevinç Basad durchexerziert, die seither als Jeanne d'Arc der Protestbewegung gegen den neuen linksgrünversifften Mainstream gilt und dementsprechend eine neue Heimat bei Julian Reichelts Scheidungsurkunden Star-up fand. Wo Schuler landet, ist bei Redaktionsschluss noch nicht klar. Als "einer der renommiertesten Politikjournalisten des Landes" (Sie finden doch auch, einen richtig guten Gag kann man ruhig öfter bringen?) wird es ihm leichtfallen, irgendwo weiter gegen den Untergang des Abendlandes durch regenbogenverliebte LGBTQ-Speichellecker anschreiben zu können. Gut, andererseits hatten die Journalismus- und Politikexperten vom "Cicero" ja auch nicht gesagt, von welchem Land sie konkret sprechen. Aber anderes Thema.

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