Sandra Maischberger meldet sich aus der Osterpause zurück und das gleich mit einem Duell, zumindest auf dem Papier: Die ehemaligen Polit-Hitzköpfe Sigmar Gabriel und Roland Koch diskutieren mit Maischberger über den Zustand ihrer Parteien und des ganzen Landes. Richtig hitzig wurde es aber nur einmal.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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"Stehen Deutschland stürmische Zeiten bevor?", wollte Sandra Maischberger gleich zu Beginn ihrer Talkrunde wissen. Antworten erhoffte sie sich von den ehemaligen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel (SPD) und Roland Koch (CDU).

Doch statt über stürmische Zeiten zu sprechen, ging erst einmal sehr lange um viele andere Dinge.

Darüber diskutierte Sandra Maischberger mit Gabriel und Koch

Die Vergangenheit:

Für Nostalgiker hatte Maischberger alte Schoten aus der gemeinsamen Zeit von Gabriel und Koch parat. In einem Einspieler von 2002 sah man noch einmal, wie Gabriel Koch als Maulhelden bezeichnet.

Was dann im Studio folgte, war gegenseitige Lobhudelei, wie man sich damals trotz aller politischer Feindschaft aufeinander verlassen konnte. Über das Maulheldentum durfte dann Koch auf Anfrage das Fazit ziehen: "Das war ein fairer Wettbewerb."

Kevin Kühnert:

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Maischberger Gabriel zur jüngsten Kapitalismuskritik des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert ansprechen würde. Maischberger machte das in Form eines früheren Zitats Gabriels von 1985, das inhaltlich nicht allzu weit entfernt von Kühnerts Ideen war.

Gabriel blieb dennoch bei seiner Kritik, denn ihm gehe es darum, dass ein Rückgriff auf den Nationalstaat nicht helfe: "Es fehlt an Regulierung, aber nicht zwingend an Verstaatlichung."

Roland Koch wies darauf hin, dass es Kapitalismuskritik auch in der CDU gebe, aber immer im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft. Man müsse über Korrekturen am Rand sprechen, aber nicht über das große Ganze.

SPD und CDU:

Die Kritik Gerhard Schröders an den kommunikativen Fähigkeiten der SPD-Chefin, Andrea Nahles, nahm Sigmar Gabriel zum Anlass, gegen die Reduzierung des Problems auf Personen zu reden: "Die SPD hat eine Reihe von Schwierigkeiten", erklärt Gabriel und meint damit zum Beispiel, dass die Partei nicht mehr so in der Gesellschaft verankert sei wie früher.

Was eben noch kritisiert wurde, nämlich die Reduzierung auf Personen, fand dann beim Gespräch über den Zustand der CDU keine Beachtung mehr. Hier ging es lediglich um den Rückzug Merkels vom Parteivorsitz und über den Zeitpunkt für die Übergabe an Annegret Kramp-Karrenbauer.

Sigmar Gabriel und Roland Koch

Wenn sich Sandra Maischberger nicht auf ein Thema konzentriert, sondern eher auf ihre Gäste, dann sind private Fragen Tradition. Und so durften Sigmar Gabriel und Roland Koch über ihre Vergangenheit sprechen und wie aus den Privatmenschen Gabriel und Koch die Politiker Gabriel und Koch geworden sind.

Gabriel sprach über seinen Vater, einen überzeugten Nazi, und Koch erzählte, wie er bereits früh den Weg in die Politik fand: "Ich habe in jungen Jahren schon den Wahlkampf meines Vaters organisiert. Ich hatte mit 16 schon das Privileg, einen Fahrer zu haben."

Die AfD und Sigmar Gabriels "Pack"-Zitat

"Wir haben den Menschen die normale Alternative genommen", erklärt Roland Koch seine Abneigung gegen die große Koalition. SPD und CDU seien nicht die natürlichen Regierungspartner und Christian Lindner sei an der falschen Stelle davongelaufen, so Koch. "Das hat die Zahl der Stimmen für die AfD nicht verringert."

In diesem Zusammenhang erklärt dann Sigmar Gabriel noch einmal, warum er seinerzeit von "Pack" sprach: "Das sind Leute gewesen, die dazu aufgefordert haben, Ausländerheime abzufackeln. Das sind Menschen, die zum Beispiel auch meine Familie bedroht haben und anderes mehr. Wir reden hier nicht über den klassisch Deutsch-nationalen, der in der AfD wahrscheinlich weitgehend die Mehrheit bildet."

Die AfD selbst erklärt Gabriel so: "Die AfD hat auch Neonazis bei sich, aber sie ist in der Mehrheit eine deutsch-nationale Partei. […] Das Problem der AfD ist, dass sie etwas tut, was die alten Deutsch-nationalen, die es in der CDU gab, nie getan hätten: Sie öffnen die Grenze zum Rechtsradikalismus."

Die Auswahl der Gäste

Nun könnte man meinen, dass den Zustand ihrer Parteien am besten deren Parteivorsitzende beurteilen könnten. Doch Maischberger entschied sich nicht für den Blick von innen, sondern von "halb-außen". Gabriel und Koch waren einst führende Persönlichkeiten in ihren Parteien, stehen aber inzwischen eher am Spielfeldrand.

Warum sie sich dennoch entschieden hat, Gabriel und Koch zum Zustand ihrer Parteien zu befragen, erklärt Maischberger damit, dass all ihre Fragen nur Politiker beantworten könnten, "die das offene Wort nicht scheuen." In der Tat galten sowohl Gabriel als auch Koch in ihrer aktiven Zeit nicht gerade als Leisetreter.

Dass sie bei Maischberger aber dann doch nicht aufeinander losgingen wie früher, mag an der inzwischen eingetretenen Altersmilde liegen, vermutlich aber auch einfach an der weitgehenden Brisanzlosigkeit der Themen.

Der Schlagabtausch des Abends

In der Regel ging es nämlich recht ruhig zu, nur einmal war ein wenig die Spannung der Vergangenheit spürbar. Als es darum ging, dass die SPD erklärte, bei einem vorzeitigen Rückzug Merkels als Kanzlerin nicht mit Annegret Kramp-Karrenbauer weitermachen zu wollen, erklärt Roland Koch: "Das ist ein verdammt starkes Stück von der SPD."

Gabriel hält das allerdings für völlig legitim: "Unser Vertrauen war in einer schwierigen Lage, bei der wir eigentlich gar nicht in die Regierung hätten gehen sollen und weil die Unfähigkeit von CDU, FDP und Grünen, eine Regierung zu bilden, dazu geführt hat, dass wir in die Regierung gegangen sind, um das Land irgendwie stabil zu halten, das ist gebunden an das Vertrauen in Angela Merkel."

Das Fazit:

"Stehen Deutschland stürmische Zeiten bevor?" Ganz am Ende der Sendung erinnert sich Sandra Maischberger doch noch einmal an die eigentliche Hauptfrage vom Anfang. Bis dahin war der Talk ein nicht uninteressanter Einblick über Tricks und Kniffe in der Politik und den aktuellen Zustand von SPD und CDU.

Dass die eigentliche Frage dabei etwas unterging, ist wenig verwunderlich, fragte Maischberger doch nicht einmal, ob die "stürmischen Zeiten" nicht vielleicht deshalb bevorstehen, weil ebenjene Parteien mit ihren klassischen Rezepten keine Antworten auf die drängendsten Zukunftsfragen gefunden haben.

Und so blieb für die Antwort von Sigmar Gabriel auf Maischbergers Frage am Ende viel zu wenig Zeit: "Wir sind mittendrin."

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