Fraktionschefin ist Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht nicht mehr, ein Ministeramt könnte sie sich aber noch einmal vorstellen. Das ist vielleicht die wichtigste Neuigkeit aus dem Themen-Allerlei bei Sandra Maischberger am Mittwochabend.

Fabian Busch
Eine Kritik
von Fabian Busch, Freier Autor

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Jetzt ist sie weg – und doch noch ganz da. Sahra Wagenknecht hat am Dienstag den Vorsitz der Linksfraktion im Bundestag abgegeben, am Mittwochabend sitzt sie schon wieder im Fernsehstudio.

Sie empfinde mehr Erleichterung als Wehmut über den Abschied vom Spitzenamt, sagt die Politikerin bei Sandra Maischberger. Und sie gibt sich selbstkritisch: Eine Fraktion zu führen, Seilschaften zu knüpfen, in Hinterzimmern zu beratschlagen – das sei nie ihr Ding gewesen. "Das kann ich auch nicht besonders gut."

Auf jeden Fall ist Maischbergers Gespräch mit Wagenknecht der interessanteste Teil einer Sendung, die ansonsten nicht so recht in Schwung kommt.

Seit der Sommerpause gibt es bei Maischberger nicht mehr eine feste Runde mit einem gemeinsamen Thema. Stattdessen wechselt die Moderatorin von der Diskussion mit drei Kommentatoren zu Einzelgesprächen.

Schon mehrmals hat das Konzept gut funktioniert, mehr Abwechslung und weniger verbissene Diskussionen auf den Bildschirm gebracht. An diesem Abend aber sind die inhaltlichen Sprünge zu groß und häufig, spannende Kontroversen bleiben aus.

Die Kommentatoren: Grundrente, Hoeneß und die Männervereine

Der stellvertretende "Welt"-Chefredakteur Robin Alexander und "Spiegel"-Autorin Christiane Hoffmann kommentieren dieses Mal das politische Geschehen der Woche.

Beide sind sich meist einig: Beim Kompromiss zur Einführung einer Grundrente zwischen CDU, CSU und SPD etwa hätten sich vor allem die Sozialdemokraten durchgesetzt. Robin Alexander macht sogar einen "spektakulären Erfolg der SPD" aus: "Da steht's mal wieder 3 zu 0 für die SPD."

Dass die Sozialdemokraten deutlich mehr rausgeholt haben als die Union, findet auch Hoffmann. Sie glaubt sogar, dass der Kompromiss ein Geschenk der Unionsparteien an die SPD war – um sie in der Großen Koalition zu halten.

Dass das unbeliebte Bündnis damit gerettet wäre, glaubt Robin Alexander allerdings nicht: "Die SPD hat ja das Talent, unglücklich zu werden an ihren Erfolgen."

Als Dritter sitzt Sport-Kommentator Marcel Reiff in der Runde. Er soll den Abschied von Uli Hoeneß beim FC Bayern München einordnen, der Reiff zufolge gar kein richtiger Abschied ist: "Er wird nicht loslassen, er wird im Hintergrund weiter wichtig sein", glaubt der Experte.

Zur Politik hat er weniger zu sagen – nur über einen Vorschlag von Olaf Scholz regt er sich noch auf. Von dessen Plan, reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit zu entziehen, hält er gar nichts. Damit sei die SPD endlich gerettet, sagt Reif – was natürlich ironisch gemeint ist.

Günther Jauch: Eine Fünf in Handarbeit

Um das ohnehin schon unübersichtliche Themen-Allerlei weiter anzureichern, nimmt Fernsehmoderator Günther Jauch zum Vier-Augen-Gespräch Platz.

Dieses Mal geht es um die Frage, was ein Mensch alles wissen muss – passend zur ARD-Themenwoche Bildung. Das Gespräch bringt nicht unbedingt neue Erkenntnisse, aber Jauch ist auch unterhaltsam, wenn er Anekdoten erzählt.

Im Fach "Nadelarbeit" habe er in der dritten Klasse einmal eine Fünf bekommen, verrät der Moderator. Und der eigene Vater schrieb einmal in einem Brief an einen Bekannten über den berühmten Sohn: "Günther verdient beim Fernsehen viel Geld. Keiner weiß, wofür."

Um noch einmal auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Bildung hat für Jauch nicht so viel mit umfangreichem Wissen zu tun. Gebildet sei ein Mensch vielmehr, wenn er sein Leben "sinnerfüllt gestalten kann".

Sahra Wagenknecht: Sie will es noch nicht lassen

Das wäre vielleicht die beste Überleitung zu Wagenknecht. Die Politikerin weiß jedenfalls sehr genau, mit welchen Sinn sie ihr Leben künftig füllen will: "Ich will wieder neue Ideen entwickeln, mehr lesen, wieder Bücher schreiben", sagt sie.

In der Tat wirkt die 50-Jährige wie befreit, seit sie in ihrer Fraktion nicht mehr an erster Stelle steht. In Fernsehstudios hat sich Wagenknecht aber ohnehin schon immer sichtlich wohl gefühlt.

Recht offen spricht sie bei Maischberger über ihren Burn-out vom Jahresanfang und ihren iranischen Vater, der ihr immer ein Unbekannter blieb.

Doch Wagenknecht wäre nicht Wagenknecht, wenn sie nicht auch weiterhin ihre politische Agenda verfolgen würde.

Auf die Frage, ob sie sich ein Ministeramt in einer rot-rot-grünen Bundesregierung vorstellen könnte, sagt sie auf jeden Fall nicht Nein. Das hänge von der Programmatik so eines Bündnisses ab, so Wagenknecht.

Den Sozialstaat weiterzuentwickeln und die Demokratie zu stärken, wäre ihr jedenfalls "ein tiefes Bedürfnis", sagt sie.

Das Fazit

Politik, Bildung und ein bisschen Fußball – in diesem Fall ist das Alles-Interessante-der Woche-Konzept der Sendung nicht so recht aufgegangen.

Im Gedächtnis wird dem Zuschauer langfristig wohl nur Günther Jauchs Fünf im Handarbeitskurs bleiben. Eine Sendung für die Ewigkeit war es nicht – aber das ist ja auch kein Beinbruch: In der nächsten Woche hat Maischberger wieder die Möglichkeit zu beweisen, dass ihr Konzept auch spannend sein kann.

Sahra Wagenknecht spricht in ihrer Biografie über Burn-out und Führungsschwäche

Sahra Wagenknecht ist eines der polarisierendsten Gesichter in der deutschen Politik. Umso erstaunlicher ist, welches Geständnis Interessierte in der Biografie über die 50-Jährige zu lesen bekommen.