Weimar - Kaum noch lebende Zeitzeugen, dafür aber eine Zunahme an rechtsextremistischen Strömungen und Desinformation: Der 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald findet dem Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zufolge unter schwierigen Vorzeichen statt.
Zur zentralen Gedenkfeier am 6. April in Weimar erwarte Stiftung knapp ein Dutzend Überlebende, sagte Jens Christian Wagner in Weimar. Die Frauen und Männer seien alle im hochbetagten Alter, teilweise über 100 Jahre alt. Sie kommen aus Israel, der Schweiz, Polen, Belarus, Frankreich, Rumänien und Deutschland. Daneben werden viele Angehörige von Überlebenden der zweiten, dritten und vierten Generation erwartet.
Rechtsruck, Kriege, Geschichtsrevisionismus
Dazu komme, dass die Gedenkarbeit der Stiftung zunehmend von rechts unter Druck gerate. Die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Thüringer AfD greife die Arbeit der Stiftung immer wieder an, sagte Wagner. Dazu komme die Zunahme von Desinformation im Internet, die Verbreitung von Holocaust verharmlosenden Positionen etwa. Wagner sprach von einem "geschichtskulturellem Klimawandel".
Auch die Kriege etwa in der Ukraine und im Nahe Osten seien eine Belastung für den Jahrestag. "Weil diese Überlebende des NS-Terrors direkt betreffen", sagte Wagner.
Zu den Gedenkveranstaltungen werden unter anderem der frühere Bundespräsident Christian Wulff, Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) und der Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD), Naftali Fürst, erwartet.
Umfangreiches Programm
Das Programm rund um den 80. Jahrestag der Befreiung umfasst Theaterprojekte, Gespräche, Ausstellungen und mehr an den verschiedenen Standorten der Stiftung und mit Kooperationspartnern. Ein thematischer Schwerpunkt bildet dabei die Frage, was nach der Befreiung mit den Überlebenden geschah.
In das 1937 errichteten Lager Buchenwald bei Weimar und seine rund 140 Außenlager hatten die Nationalsozialisten bis 1945 etwa 280.000 Menschen aus ganz Europa verschleppt. 56.000 wurden ermordet, starben an Hunger, Krankheiten oder durch Zwangsarbeit. Die Befreiung Buchenwalds erlebten 21.000 Häftlinge. © Deutsche Presse-Agentur