• In der Formel 1 hat es am vergangenen Wochenende in Singapur geknallt. Angeblich hat Red Bull Racing 2021 die Budgetobergrenze nicht eingehalten.
  • Red Bull weist die Vorwürfe zurück, die Konkurrenz fordert bei einem Verstoß entsprechende Konsequenzen.
  • Eine Entscheidung im Budgetzoff soll noch in dieser Woche fallen.

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Irgendwann hatte Max Verstappen genug. Es reichte dem Niederländer, der sich inmitten des Formel-1-Bebens schließlich auch zu Wort meldete. Und klarstellte: Er hat auf das ganze Geschrei keine Lust mehr. "Ich weiß, woher diese Spekulation kommt. Dann haben natürlich andere Rennställe angefangen zu reden, wo sie doch gar keine Informationen haben", sagte der Weltmeister. Er finde das alles ein wenig albern, polterte er. Und meckerte: "Die Leute sollten besser die Klappe halten."

Doch wie das in der Motorsport-Königsklasse gute, alte Tradition ist, bellt jeder bei einem potenziellen Skandal in die Kamera. Das Sportliche rückte deshalb am vergangenen Wochenende in Singapur in den Hintergrund, verdeckt von einer Posse, die tatsächlich jede Menge Skandalpotenzial hat. Hat Red Bull Racing betrogen? Wird Max Verstappen der WM-Titel aberkannt? Wir beantworten die im Moment wichtigsten Fragen zu dem Fall.

Massiver Verstoß gegen die Regeln?

Was ist passiert?

Im Fahrerlager von Singapur kochten Gerüchte hoch, dass zwei Teams 2021 die Budgetobergrenze überschritten haben sollen. Eines davon massiv – und dieses Team soll Red Bull Racing sein. Der andere Rennstall wiederum angeblich Aston Martin.

Was ist diese Budgetobergrenze?

Diesen Budgetdeckel hat sich die Formel 1 selbst verordnet. Zum einen, um zu sparen und die Kosten nicht ausufern zu lassen. Aber auch, um den Wettbewerb etwas ausgeglichener zu gestalten. Es ist kein Geheimnis, dass gerade die Top-Teams wie Mercedes, Red Bull und Ferrari echte Anstrengungen unternehmen mussten, um die Ausgaben zu senken, das Team zu verschlanken und Prozesse zu optimieren. 2021 lag der Deckel bei 148,6 Millionen Dollar. 2022 liegt er wegen der immens gestiegenen Inflation ähnlich hoch. Mehr dürfen die Formel-1-Teams pro Jahr nicht ausgeben.

Wie lautet der Vorwurf?

Es soll im Rahmen der Budgetüberprüfungen des Automobil-Weltverbandes FIA einen "schwerwiegenden Verstoß" gegeben haben, wie es heißt. Der liegt vor, sobald ein Team die Grenze um fünf Prozent überschreitet. Das wären umgerechnet in etwa sieben Millionen Dollar.

Von Geldstrafe bis Punktabzug ist vieles möglich

Was sieht das Strafmaß vor?

Theoretisch ist vieles möglich, denn auf eine konkrete Benennung der Strafen hat die Formel 1 verzichtet, um zu verhindern, dass Teams die Sanktionen einkalkulieren. Im Reglement heißt es, dass es eine Strafe gebe, "deren Höhe von Fall zu Fall festgelegt wird".

Möglich wäre bei einem geringen Verstoß (Überziehung unter fünf Prozent) eine Geldstrafe, aber bei härteren Verstößen auch ein Punktabzug. Im Fall von Max Verstappen könnte dies den Verlust des Titels bedeuten, er hatte 2021 am Ende acht Zähler Vorsprung auf Lewis Hamilton.

Möglich ist auch ein Punktabzug für das Team. Der würde aber geräuschlos verhallen, denn den Konstrukteurstitel hatte Mercedes geholt. Ebenfalls Optionen: der Ausschluss von Veranstaltungen, Beschränkungen bei Aerotests, der Ausschluss aus der Meisterschaft oder eine künftige Herabsetzung der Kostenobergrenze. Klar ist: Die FIA wird einen Präzedenzfall schaffen.

Was bringt das Geld auf der Strecke?

Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies rechnete vor: "Sieben Millionen, das sind 70 Ingenieure, und 70 Ingenieure bringen dir sehr viel Rundenzeit." Teamchef Mattia Binotto sprach bereits bei vier Millionen Dollar mehr von einem Vorteil von einer halben Sekunde. Mercedes-Teamchef Toto Wolff macht noch eine größere Rechnung auf: "Das Entscheidende ist – wenn du 2021 die Grenze überschritten hast, dann liegst du auch 2022 drüber. Das heißt, du hast für 2023 einen Vorteil."

Red Bull geht zum Gegenangriff über

Was sagt Red Bull?

Dort ist man in Singapur zum Gegenangriff übergegangen – und behält sich rechtliche Schritte vor. "Das ist eine Taktik unserer Konkurrenten, um von deren fehlender Leistung abzulenken", mutmaßt Teamchef Christian Horner: "Wir nehmen großen Anstoß daran. Wir schauen uns im Nachgang auch unsere Optionen an, wie wir darauf reagieren. Das ist absolut diffamierend."

Red Bull Racing sei "zu 100 Prozent" davon überzeugt, den Budgetdeckel nicht überschritten zu haben. "Wir leben und atmen dieses Reglement jeden Tag", sagte Horner. Er fragt sich: "Woher in aller Welt kommen diese Informationen? Die FIA hat doch selbst erklärt, dass sie ihren Prozess noch nicht abgeschlossen hat."

Dass in der Formel 1 viele Dinge nicht unter Verschluss bleiben und an die Öffentlichkeit geraten, ist aber nichts Neues. Der Verdacht hier: Mercedes und Ferrari haben das Thema bewusst an die Öffentlichkeit gebracht, aus Sorge, dass bei dem Thema etwas unter den Teppich gekehrt werden könnte.

Was sagt die Konkurrenz?

In Singapur knallte es zunächst ordentlich, vor allem Wolff preschte vor. Er und Binotto kamen für ein Gespräch im Fahrerlager zusammen, gaben sich anschließend öffentlichkeitswirksam die Hand. Es brauche eine "transparente, ernsthafte Aufarbeitung", erklärten sie unisono. Dass der Verstoß noch gar nicht final feststeht, merkten die Fahrerlager-"Ankläger" dann aber auch und hielten sich fortan deutlich zurück.

Grundgerüst ist erschüttert

"Wir müssen sicherstellen, dass der Budget Cap nicht entwertet wird", sagte Günther Steiner von Mick Schumachers Haas-Rennstall: "Er hat die Formel 1 zu einem besseren Sport gemacht." Zunächst gelte allerdings: "Unschuldig, bis eine Schuld bewiesen ist."

Wie ordnet Sky-Experte Ralf Schumacher die Situation ein?

Der frühere Formel-1-Fahrer stellt klar, dass das Grundgerüst erschüttert sei. "Denn es darf und kann nicht sein, dass da etwas rausrutscht. Was hier passiert, das schadet nur der Formel 1 und schuld kann nur der Weltverband selber sein. Die FIA muss hier durchleuchtet und möglicherweise bestraft werden", sagt Schumacher.

Schumacher nennt Toto Wolff "mit seiner harschen Kritik" einen "schlechten Verlierer, der bis heute nicht verdaut hat, dass er die WM 2021 verloren hat." Was aber klar sei, so Schumacher: "Der Kostendeckel muss eingehalten werden. Sollte das nicht so gewesen sein, dann muss natürlich eine Strafe her."

Wann herrscht Klarheit?

Am 5. Oktober, dann will die FIA die Ergebnisse mitteilen. So lange hat Max Verstappen noch seine Ruhe. Doch das ist die Ruhe vor dem Sturm, denn dann dürfte das Geschrei wieder losgehen. So oder so.

Verwendete Quellen:

  • Pressekonferenzen
  • TV-Übertragung Sky
Vettel fuhr in der Formel 1 für die Ställe Sauber, Toro Rosso, Red Bull, Ferrari und Aston Martin.

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