Die Meldung am Mittwoch kam ziemlich aus dem Nichts - Gerüchte hatte es zu seinem Namen zuletzt kaum gegeben. Da platzte die Nachricht der gewöhnlich gut informierten Marca herein, dass der FC Bayern mit Atleticos Abwehr-Allrounder Lucas Hernandez einig sei. 80 bis 85 Millionen Euro, in diesem Bereich liegt Hernandez festgeschriebene Ablösesumme. Damit würden die Münchner ihren bisherigen Rekordtransfer (Tolisso, 41 Mio.) auf einen Schlag verdoppeln.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

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80 bis 85 Millionen? Für einen Abwehrspieler? Die Summe lässt aufhorchen. Hernandez ist 22 Jahre alt. Im Sommer wurde er als Stammspieler auf der linken Verteidiger-Position Weltmeister mit Frankreich. In Erinnerung blieb dabei vor allem seine Vorarbeit zum Tor des Turniers, das sein Pendant Benjamin Pavard mit einem Schrägschuss aus 18 Metern beim spektakulären 4:3-Erfolg der Franzosen gegen Argentinien erzielte. Hernandez war bei einem seiner seltenen Vorstöße dem Argentinier Pavon im Rücken weggelaufen und fand mit seiner Hereingabe den ebenfalls aufgerückten Pavard am gegenüberliegenden Strafraumeck. Der Rest ist WM-Geschichte.

Hernandez ist seit zwei Spielzeiten Stammspieler in Madrid. Coach Diego Simeone hält große Stücke auf den unerschrockenen Defensivallrounder und lehnte schon in jungen Jahren eine Ausleihe des Franzosen ab. Simeone hatte einen klaren Plan mit dem Eigengewächs und führte ihn sukzessive an die erste Mannschaft heran. Hernandez kann sowohl innen als auch außen verteidigen. Er ist für einen Abwehrmann nicht besonders groß (1,82 Meter), dafür schnell und mit einem hervorragenden Passspiel gesegnet. Ein Offensivverteidiger wie etwa David Alaba ist er dabei in der Regel nicht.

Endlich ein zweiter Linksfuß in der Abwehr?

Hernandez hat die Tendenz, etwas früh auf den Boden zu gehen, allerdings ist sein Timing im Tackling meist gut. Als Linksfuß wäre er natürlich eine starke Ergänzung für Bayerns Abwehrreihe, die mit drei Rechtsfüßern (Hummels, Boateng, Süle) und nur einem Linksverteidiger (Alaba) aktuell eine etwas schiefe Balance aufweist. Vor allem eine Dreierkette, die Kovac bisher immer verneinte, könnte mit Hernandez eine starke Option werden.

Ohnehin war schon länger klar, dass die Bayern in der Defensive etwas tun müssen. Die Platzhirsche Mats Hummels und Jerome Boateng wirken angezählt. Rafinha wird den Verein im Sommer wohl endgültig verlassen, Joshua Kimmich drängt ins Mittelfeld und nach dem Abgang von Juan Bernat fehlt auch ein zweiter Linksverteidiger, der bei einer Verletzung von David Alaba einspringen könnte.

Die Aussagen der Münchner Bosse nach dem Sieg gegen Leipzig ließen jedenfalls tief blicken. Rummenigge wollte lächelnd weder bestätigen noch dementieren. Salihamidzic verwies lediglich auf die festgeschriebene Ablösesumme von Hernandez, die am Ende entscheide. Dementis klingen anders.

Auch in der Offensive muss Bayern Geld in die Hand nehmen

Selbst wenn der Transfer am Ende nicht klappen sollte: Allein die Diskussion zeigt, in welche Richtung es gehen wird in München. Zu groß waren die Demütigungen des Herbstes. Zu grell die Schlagzeilen über einen zwischenzeitlich enteilten BVB. Die Münchner werden spätestens im Sommer auf dem Transfermarkt richtig angreifen. Wenn sie bereit sind, für einen Abwehrmann die Rekordsumme von über 80 Millionen Euro zu investieren - wie viel ist dann der dringend benötigte Offensiv-Superstar wert, der für die Bayern in die großen Fußstapfen von Arjen Robben und Franck Ribéry treten kann?

Leipzigs Timo Werner brachte sich mit seinen Aussagen nach dem Spiel in München gleich selbst ins Spiel. Auch auf dem Flügel müssen die Bayern im Sommer nachlegen. Coman und Gnabry allein reichen für die maximalen Ansprüche der Münchner, die vor allem in der Champions League ein Faktor bleiben wollen, nicht aus.

Die Münchner stehen vor extrem spannenden und wohl auch teuren Monaten. Die Diskussion um 80-Millionen-Mann Lucas Hernandez wird dabei erst der Anfang sein.

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