Beim FC Bayern München herrscht Alarmstufe Dunkelorange, Borussia Dortmund ist wie auf Drogen und auf die Größe kommt es doch an! In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

Eine Glosse
von Tim Frische

1. Lehre: In München herrscht Alarmstufe Dunkelorange

Es sind schon verrückte Zeiten, in denen wir leben. Ein Größenwahnsinniger wird demnächst der mächtigste Mann der Welt, Sarah und Pietro Lombardi trennen sich und der FC Bayern ist nicht mehr Tabellenführer in der Fußball-Bundesliga. Einfach nur crazy ...

Nun gut, dass Leipzig dermaßen durch die Liga fegt, damit konnte man an der Säbener Straße nicht rechnen. Und in Dortmund zu verlieren, ist wahrlich keine Schande. Dennoch haben die Bayern den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren.

Und genau das dürfte den Münchnern saurer aufstoßen als der Inhalt einer abgelaufenen Red-Bull-Dose. Plötzlich ist die Selbstverständlichkeit weg. Die Selbstverständlichkeit, ein Spiel zu dominieren, es zu gewinnen und wenige Stunden später leicht verachtend vom Bundesliga-Thron auf den Pöbel herunterzublicken.

Und so war auch der stets so besonnene Philipp Lahm nach dem 0:1 beim BVB ziemlich angefressen. Angesprochen darauf, dass Leipzig neuer Tabellenführer ist, sagte der Bayern-Kapitän: "Das ist doch schön für die Liga, das haben sich doch alle gewünscht."

Die Bayern flüchten sich in Sarkasmus. In München herrscht Alarmstufe Dunkelorange!

2. Lehre: Borussia Dortmund ist wie auf Drogen

Ganz anders ist die Situation natürlich beim BVB. Die Borussen haben sich durch den Sieg gegen die Bayern bis auf drei Punkte an die Münchner herangepirscht und dürfen wieder zart vom Titelgewinn träumen.

Highlight des Spiels war natürlich der Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang, nach Vorlage Mario Götzes (!), inklusive der Jubel-Einlage des Gabuners. Der BVB-Stürmer zelebrierte sein Tor mit dem Ausführen von Liegestützen – eine Hommage an einen befreundeten Rapper.

Vollgepumpt war am Tag danach aber nicht Aubameyang, sondern Hans-Joachim Watzke – und zwar mit allerlei erdenklichen Glückshormonen. Der BVB-Boss ergötzte sich bei der Mitgliederversammlung an sensationellen Geschäfts- und Mitgliederzahlen, verteilte Seitenhiebe in Richtung Manchester City und den FC Barcelona und bezeichnete seinen Klub als den "großartigsten Verein der Welt".

Die Bayern zu schlagen, wirkt ganz offensichtlich wie eine Droge: Dann scheint das ganze Leben einfach noch 'ne Ecke geiler zu sein.

3. Lehre: Sepp Hundehuus bellt Leipzig an die Spitze

Das Titelrennen in der Bundesliga ist langweilig? Das war einmal! Nun muss sich der gemeine Bundesliga-Fan entscheiden: Soll er RB Leipzig weiterhin von Grund auf verteufeln, weil er mit der Philosophie des "Dosenklubs" nicht einverstanden ist und den Untergang der "Traditionsvereine" befürchtet? Oder soll er sich freuen, dass es erstmals seit Jahren wieder einen Verein gibt, der dem FC Bayern Paroli bietet?

Durch den fulminanten 3:2-Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen hat sich Leipzig Platz eins von den Bayern gekrallt - dank der Münchner Niederlage beim BVB sogar mit drei Punkten Vorsprung. Dabei ließ sich das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl, besser bekannt als Sepp Hundehuus (denn alle anderen Namen ergeben einfach keinen Sinn), nicht einmal von Leverkusener Idioten ablenken, die mit dem Design des Leipziger Mannschaftsbusses allem Anschein nach unzufrieden waren.

Farbattacke hin oder her – es ist eigentlich unnötig zu erwähnen, dass Leipzig mit 27 Punkten aus elf Spielen der erfolgreichste Aufsteiger der Bundesliga-Geschichte ist.

Halten wir zumindest für den Moment fest: Wenn die hungrigen "Bullen" so weiterspielen, kann sich jeder Fußballfan in Deutschland auf einen spannenden Meisterschaftskampf freuen.

4. Lehre: Auf die Größe kommt es an

Auf die Größe kommt's nicht an? Was Frauen so gerne behaupten, gilt nicht zwingend für Fußball-Torhüter. Bankangestellter Max Mustermann mag sich mit 1,83 Meter vielleicht überdurchschnittlich groß fühlen. Doch Torwart Yann Sommer, hauptberuflich bei Borussia Mönchengladbach zwischen den Pfosten stehend, ist mit 1,83 Meter einer der kleiner gewachsenen seiner Zunft.

Ex-Torwart-Titan Oliver Kahn etwa ist fünf cm größer als Sommer, Gianluigi Buffon acht, Manuel Neuer sogar zehn. Und eben diese entscheidenden Zentimeter fehlten Sommer in der Nachspielzeit, um den Gladbachern wenigsten einen Punkt im Rhein-Derby gegen den 1. FC Köln festzuhalten.

Beim Traumfreistoß des Kölners Marcel Risse aus gut und gerne 35 Metern streifte der Ball zwar Sommers Fingerspitzen, wurde durch diese aber nicht entscheidend abgelenkt und die Kugel flog zum 2:1 in den Winkel.

So hatten die Kölner neben Dauer-Torschütze Anthony Modeste einen weiteren Derby-Helden, den sie in ihre Arme nehmen konnten – weil eben jene Sommers zu kurz waren.

Auf die Größe kommt's halt doch an. Alles andere ist schlicht eine Lüge.

5. Lehre: Benedikt Höwedes ist der "König der Löwen" - und noch vieles mehr

Und dann war da an diesem Spieltag noch die Szene mit Benedikt Höwedes, dem beim 1:0-Sieg seiner Schalker beim VfL Wolfsburg ein klarer Elfmeter verweigert wurde.

Kurioser als die Tatsache, dass Schiedsrichter Felix Zwayer das eindeutige Foulspiel am S04-Kapitän übersah, war Höwedes' Reaktion auf den ausbleibenden Elfmeterpfiff. Findige Photoshop-Experten hatten daran ihre helle Freude: