Mit glanzvollen EM-Auftritten macht Jadon Sancho im Sommer bisher (noch) nicht auf sich aufmerksam – im ersten Gruppenspiel Englands gegen Kroatien (1:0) durfte der BVB-Star nicht einmal auf der Bank Platz nehmen. Nichtsdestotrotz ist und bleibt Sancho der Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Transfersommers.

Christopher Giogios
Eine Kolumne
von Christopher Giogios
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Der Sommer 2020 scheint sich zu wiederholen – bislang. Wie bereits im Vorjahr buhlt Manchester United um die Dienste des 21-jährigen Sancho, der beim BVB noch einen Vertrag bis 2023 hat. Zumindest soll es erstmals ein offizielles Angebot in Höhe von 78 Millionen Euro gegeben haben, welches sich jedoch deutlich unter der BVB-Schmerzgrenze befindet, die bei etwa 90 Millionen Euro liegen soll. Die Personalie Sancho ist aufgrund dieser irrwitzigen Summen eine Art Dominostein in den Planungen von Borussia Dortmund.

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Die BVB-Defensive hat Verstärkung nötig

Falls Sancho geht, müsste man zwar über einen Ersatz auf dem Flügel nachdenken, hätte aber gleichzeitig enorme Summen zur Verfügung, mit denen man den Kader auch auf anderen Positionen verbessern könnte. Eine klare Schwachstelle lässt sich auf den Außenverteidigerpositionen festmachen: mit dem Abgang der BVB-Legenden Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer sowie der langfristigen Verletzung von Mateu Morey sieht es hier mehr als mau aus. Mit Nico Schulz und Thomas Meunier (zuletzt wenigstens durch seine EM-Leistungen positiv aufgefallen) war man in der vergangenen Spielzeit zwar alles andere als zufrieden, aber ohne Ersatz könnte man keinen der beiden aktuell ziehen lassen.

Fest verpflichtet ist derzeit jedoch nur Torwart Gregor Kobel vom VfB Stuttgart, der für 15 Millionen Euro ins Ruhrgebiet wechselt. Dass die ehemalige Nr. 1 beim BVB, Roman Bürki, noch über den Sommer hinaus in Dortmund spielt, gilt somit als sehr unwahrscheinlich. Marwin Hitz wird wohl wieder zurück ins zweite Glied rücken.

Außerdem hat man mit Soumaila Coulibaly ein 17-jähriges Abwehrtalent von Paris St. Germain zum BVB lotsen können. Das weckt Erinnerungen an den Dauerverletzten Dan-Axel Zagadou, der ebenfalls aus der französischen Kaderschmiede zum BVB kam. Das Problem: auch Coulibaly erholt sich momentan noch von einem Kreuzbandriss. Folglich sind die Borussen in der Innenverteidigung darauf angewiesen, dass Manuel Akanji und Mats Hummels fit bleiben.

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Über diesen Status quo hinaus ließe sich ein kleiner Blick in die Gerüchteküche werfen. In Anbetracht der angespannten Situation in der Verteidigung ist es kein Wunder, dass angebliches BVB-Interesse am Mainzer Innenverteidiger Jeremiah St. Juste vermeldet wurde. Der hat eine gute Saison beim Rückrunden-Wunder Mainz 05 gespielt und fand sich folgerichtig auch im erweiterten EM-Kader der Niederlande wieder. Für ca. 15 Millionen Euro würden die Rheinhessen den Holländer wohl ziehen lassen.

Das altbekannte BVB-Beuteschema: jung & talentiert

Ein weiterer Spieler aus den Niederlanden, der mit dem BVB in Verbindung gebracht wird, ist Donyell Malen. Der 22-jährige Angreifer von PSV Eindhoven hat in der vergangenen Spielzeit in der holländischen Eredivisie starke 27 Tore und 10 Vorlagen aufgelegt und just bei der Europameisterschaft gegen die Ukraine (3:2) sein Turnier-Debüt gefeiert. Auch der FC Liverpool soll an Malen interessiert sein, dessen Marktwert auf 30 Millionen Euro taxiert wird. Der Haken: auch dieser Transfer dürfte erst realistisch werden, wenn durch den Abgang von Sancho ein Vakuum in der Offensive entsteht.

Wesentlich weiter sollen die Borussen nach Berichten der Ruhr Nachrichten in den Verhandlungen mit Abdoulaye Kamara sein. Der gerade erst 16 Jahre alte Franzose läuft als Mannschaftskollege von Soumalia Coulibaly für die U19 von Paris St. Germain auf und gilt als riesiges Talent im defensiven Mittelfeld. Ein Transfer soll entweder in diesem oder im nächsten Sommer zustande kommen, wobei Kamara vorerst für die BVB-Jugend eingeplant wird. Bei den Borussen (Stichwort: Jude Bellingham und Youssoufa Moukoko) kann man sich da aber natürlich nie so sicher sein. Gerade mit diesen frühen Einsätzen von extrem jungen Spielern wirbt der BVB schließlich im Buhlen um die europäischen Top-Talente.

Kurzum: für die Borussia könnte durchaus ein spannender Transfersommer bevorstehen - zumindest, falls der erste Dominostein umfällt.

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