Transfermarkt knallhart: Nach tagelangem Hin und Her sichert sich Borussia Dortmund auf den letzten Drücker Emre Can von Juventus Turin. Der Transfer des Nationalspielers zieht sich dramatisch in die Länge. Unsere Redaktion erklärt, warum er jetzt für den BVB so wichtig ist.

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Am Deadline Day ist so mancher Transfer in den letzten Stunden geplatzt. Früher war schon mal ein falsch versendetes Fax schuld. Diesmal erwischte es Marko Arnautovic. Corona-Virus. Österreichs Fußballliebling geht es zum Glück gut.

Doch wie der englische "Mirror" berichtet, verhinderte die neuartige Infektionskrankheit eine Rückkehr des wuchtigen Stürmers von Shanghai SIPG zu West Ham United. Der Grund: Weil alle Flüge nach London gestrichen wurden, konnte der 30-Jährige nicht rechtzeitig anreisen.

Transfer von Emre Can zum BVB zieht sich in die Länge

Auch der Transfer von Emre Can zu Borussia Dortmund zog sich wie ein Kaugummi in die Länge. Geduld war gefragt. Doch, während am Deadline Day die Transfer-Ticker heiß liefen, konnte (oder wollte) der BVB vorerst keinen Vollzug vermelden – bis 19 Uhr. Eine Stunde nach Schließung des Transfer-Fensters

Den Spannungsbogen im Poker um den 26-jährigen Nationalspieler hätte wohl selbst ein Krimi-Drehbuchautor nicht besser ausreizen können. Can wird zunächst ausgeliehen, geht dann – bei Erfüllung "vereinbarter Parameter" – in einen festen Transfer über. Die Ablöse soll Berichten zufolge bei 23 Millionen Euro liegen, sein Jahresgehalt laut "Kicker" bei etwa zehn Millionen Euro.

Emre Can beim BVB: "Ich will Gas geben"

Am späten Vormittag waren Fotos des Hessen aus Dortmund aufgetaucht, die ihn auf dem Weg zum Medizincheck zeigen sollen. Bange Stunden des Wartens. In der Mitteilung des Klubs am Abend wurde Sportdirektor Michael Zorc dann zitiert: "In Emre Can bekommen wir einen deutschen Nationalspieler, der systemübergreifend auf mehrere Positionen sowohl in der Abwehr als auch im zentralen Mittelfeld einsetzbar ist."

Can erklärte: "Ich will Gas geben, hatte schon immer Sympathien für diesen Klub und kann es nicht erwarten, zum ersten Mal vor diesen Fans zu spielen, für die Borussia Dortmund auf der ganzen Welt bekannt ist."

Der dritte Königs-Transfer des BVB

Can ist schon der dritte Königs-Transfer des BVB in dieser Saison nach der Rückkehr von Mats Hummels im Sommer und der Verpflichtung von Sturmjuwel Erling Haaland zum Jahreswechsel.

Wichtigstes Kriterium Can, in Frankfurt geboren, in der Jugend bei der Eintracht und später beim FC Bayern in München ausgebildet, bringt alles mit, was den Dortmundern laut Kritikern zu häufig abgeht: Aggressivität im Zweikampf, Mentalität und unbedingter Siegeswille selbst in vermeintlich ausweglosen Situationen in einem Spiel.

Neben Mats Hummels in der Abwehr?

Can ist nicht primär für das defensive Mittelfeld vorgesehen, sondern für die Abwehr neben Chef Hummels. In einer Dreierkette auf der rechten Seite oder – variabel – in einer Viererkette als Rechtsaußen oder rechter Innenverteidiger. Ganz nach dem Gusto von Coach Lucien Favre.

Favre-Liebling Manuel Akanji würde in einem 3-5-2-System dann nach links rutschen. Der 24-jährige Schweizer hatte sich in der Abwehrmitte immer wieder als Bruder Leichtfuß erwiesen, mit schlampigen Stellungs- und Abspielfehlern sowie mangelhafter, weil teils schüchterner Körpersprache.

Can bringt Mentalität und Siegeswille

Fahrig nervös, oder präsent weltklasse, dazwischen gab es bei Akanji wenig Spielraum. Auch die Mentalitätsfrage war beim BVB in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Thema, laut Kritikern soll diese dem Klub im Mai im Duell mit den Bayern letztlich die Meisterschaft gekostet haben.

Führungen wurden verspielt, sicher geglaubte Siege leichtfertig hergeschenkt – zuletzt beim 1:2 Ende der Hinrunde bei 1899 Hoffenheim. Marco Reus hatte verneinte zwar mentale Schwächen. "Oh, das geht mir sowas von auf die Eier – mit euch. Das mit eurem Mentalitätsscheiß! Ganz ehrlich, Mann", hatte der Dortmunder Kapitän im September einen "Sky"-Reporter angemotzt. Und doch drängte sich der Eindruck auf.

BVB: Emre Can als "Aggressive Leader"

Can soll dieses Manko beheben. Er gilt als Aggressive Leader, als Fußball-Arbeiter, betont diese Rolle gerne öffentlich und offensiv. Can sei ein Spieler, der "über einen ausgeprägten Siegeswillen verfügt", erklärte Zorc.

Zu aggressiv war der viel Gelobte indes im Oktober das EM-Qualifikationsspiel gegen Estland angegangen, als er sich nach nur 15 Minuten wegen einer Notbremse die Rote Karte eingehandelt hatte.

Doch schon vor der schweren Verletzung von DFB-Abwehr-Chef Niklas Süle (Kreuzbandriss), war Can, der einst für die Münchner sein Bundesliga-Debüt gegeben hatte und 2013 mit dem Rekordmeister Champions-League-Sieger wurde, zum Stammspieler in der Nationalmannschaft aufgestiegen.

Transfer mangels Perspektive bei Juventus Turin

Wohl mangels Alternativen in einer sonst recht wackeligen Abwehr. Diese Planstelle auszufüllen, soll eine wesentliche Motivation für seine Rückkehr nach Deutschland gewesen sein. Bei Juventus Turin hatte er unter Coach Maurizio Sarri keine Chance mehr, der Italiener hatte ihn nicht mal für die Königsklasse nominiert. Jetzt wird er beim BVB das viele Lob rechtfertigen müssen.

Verwendete Quellen:

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