Der FC Bayern München soll Interesse an Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg haben. Der Belgier könnte eine große Lücke füllen. Doch die Bayern müssten richtig tief in die Tasche greifen.

Neu wäre das Szenario nicht: Der FC Bayern München holt sich einen Top-Spieler, der bereits gezeigt hat, dass er in der heimischen Liga zu Außergewöhnlichem in der Lage ist und schwächt damit einen direkten Konkurrenten.

Kevin de Bruyne mischt derzeit die Bundesliga auf wie kein anderer Spieler. 17 Vorlagen und neun eigene Tore machen ihn zum gefährlichsten Offensivspieler der Liga. Aber De Bruyne trägt Grün-Weiß - und nicht Rot-Blau. Das wiederum passt nicht zum Selbstverständnis des Rekordmeisters, der gerne die besten Spieler Europas, mindestens aber der Bundesliga um sich schart.
Es war deshalb fast schon überfällig, dass erste Spekulationen um einen möglichen Wechsel des belgischen Supertalents zu den Bayern die Runde machen. Die "Sport-Bild" berichtet über das generelle Interesse der Bayern am Spieler. Aber wie realistisch und sinnvoll wäre ein Transfer De Bruynes nach München eigentlich?

Passt Kevin de Bruyne zum FC Bayern München?

Der Belgier ragt selbst in der hervorragend besetzten Wolfsburger Mannschaft heraus. De Bruyne selbst sieht sich mittelfristig bei einem der Top-Klubs Europas - und davon ist der VfL Wolfsburg, trotz starker Saison, noch ein ganzes Stück entfernt. Die "Wölfe" sind nach dem gescheiterten Doppel-Intermezzo beim FC Chelsea nichts weiter als eine Durchgangsstation in De Bruynes ehrgeiziger Karriereplanung.

An Selbstbewusstsein des Spielers sollte es nicht mangeln, am Selbstverständnis ebenso wenig. Die Lektion, die De Bruyne in London gelernt hat, wo er sich unter verschiedenen Trainern nicht durchsetzen konnte, wird ihm eine Lehre sein. Auf der anderen Seite ist De Bruyne reifer geworden, noch fokussierter auf das Wesentliche und er kennt bereits das Gefühl, "nur" einer unter vielen Stars zu sein.

Auf dem Papier spräche nichts dagegen, wenn es einer der besten Spieler beim besten Klub des Landes probiert. Die Aura des Unnahbaren, der unbedingte Wille zum Erfolg, die hoch gesteckten Ziele: In Deutschland gibt es keine bessere Adresse, um seine Ziele zu verwirklichen als den FC Bayern.

Wo wäre im aktuellen Team Platz?

Eine der vielen Qualitäten des Belgiers ist die Flexibilität. De Bruyne kann im Mittelfeld nahezu jede Position bekleiden: zentral in der Offensive ebenso wie auf den Flügeln oder als hängende Spitze. Selbst einige Experimente als zweiter Angreifer waren vielversprechend.

De Bruyne ist ein begnadeter Passspieler, kann aber auch enge Spielsituationen mit einem Dribbling auflösen. Er ist torgefährlich im Strafraum und aus der Distanz, seine Beidfüßigkeit macht ihn im Torabschluss unberechenbar. Einen Spieler dieser Kategorie haben selbst die Bayern allenfalls ein-, vielleicht zweimal im Kader.
In München wäre er wohl im offensiven Mittelfeld auf einem der beiden Flügel am besten aufgehoben.

Wäre Kevin de Bruyne ein "Robbery"-Ersatz?

Arjen Robben und Franck Ribery sind mittlerweile beide 31 Jahre alt, der Franzose wird in wenigen Tagen sogar schon 32. Die Bayern haben den Umbruch längst im Auge, zumal auch Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Xabi Alonso ihren 30. Geburtstag bereits hinter sich haben.

Robben und Ribery sind als Spielertyp kaum zu ersetzen, vor allem deshalb nicht, weil beide mit ihrer Geschwindigkeit und ihren Dribblings sehr spezielle Fähigkeiten mitbringen. De Bruyne ist nicht ganz so gewandt und explosiv, dafür aber als Spielgestalter einen Tick wertvoller.

Was würde der Deal kosten?

De Bruyne ist einer der Spitzenverdiener der Liga und nach seiner bisher fantastischen Saison längst auf dem Radar anderer europäischer Spitzenklubs gelandet. Das treibt natürlich den möglichen Kaufpreis in die Höhe.

"Ein Verein, der heute sagt, er sei bereit, für Kevin 30 Millionen Euro Ablöse zu zahlen, redet an der Realität vorbei. Ein Spieler wie Kevin hat mittlerweile einen Marktwert von 50, 55 oder 60 Millionen Euro", sagt De Bruynes Berater Patrick de Koster. Und das würde nur die Kosten für die Ablöse decken.

Schätzungen zufolge verdient De Bruyne in Wolfsburg derzeit rund sechs Millionen Euro pro Jahr, Manager Klaus Allofs will mit einer Gehaltserhöhung auf zehn Millionen einen entsprechenden Anreiz setzen. Interessenten müssten also mindestens genauso üppig kalkulieren. Bei einem Vierjahresvertrag wären dann inklusive aller Gehälter rekordverdächtige 100 Millionen Euro fällig.

Wann wäre der geeignete Zeitpunkt für einen Wechsel?

Ein Wechsel nach dieser Saison sei ausgeschlossen, das hat Allofs mehrfach betont. Was 2016 passiert, ist dagegen völlig offen. Der Spieler ist in Wolfsburg derzeit zufrieden - weil sich der Erfolg endlich einstellt. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass De Bruyne bei einem entsprechenden Angebot eines großen Klubs die "Wölfe" auch relativ leidenschaftslos wieder verlassen könnte.

Je früher er auf absolutem Topniveau Fuß fassen und regelmäßig in der Champions League spielen könnte, desto besser. Hier erscheint München ein sehr logischer Schritt. De Bruyne wäre mit dann 24 Jahren in einem perfekten Alter und hätte noch rund zehn Jahre auf höchstem Niveau vor sich.