Der FC Bayern steht nach der Hinrunde der Bundesliga auf Platz eins. Dennoch hadert der Verein mit seiner Form und hat allerlei Schwierigkeiten. Hier kommen vier Dinge, die das Team von Hansi Flick in der Rückrunde besser machen muss.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Es war das gewohnte Bild der letzten Wochen. Trotz des 1:0-Siegs gegen den FC Augsburg und der damit verbundenen Hinrundenmeisterschaft schauten Spieler und Coach Hansi Flick am Mittwochabend bei den Interviews nach dem Spiel ein wenig ratlos drein. "Dünn", nannte es Joshua Kimmich, was die Bayern in der zweiten Halbzeit angeboten hatten. Eine fehlende "Selbstverständlichkeit" im Spiel der Bayern beklagte Kapitän Neuer.

Es spricht für den amtierenden Champions-League-Sieger, dass er trotz Platz eins in der Tabelle seine Probleme nicht kleinredet. Denn davon gibt es genug. Vier Dinge, die der FC Bayern in der Rückrunde besser machen muss:

1. Defensive stabilisieren

In der Saison 2015/2016, als die Münchner unter Pep Guardiola die Liga dominierten, kassierte Bayern-Torwart Manuel Neuer in 34 Spielen gerade einmal 17 Gegentore. Aktuell stehen die Münchner bereits nach der Hinrunde bei 25. Nun ist das ein oder andere Gegentor in der Spielweise von Hansi Flick durchaus eingepreist, doch ganz so viele Gegentreffer sollten es dann doch nicht sein.

Selbst beim ersten "zu null" seit Ende Oktober hatten die Münchner nach 2:9-Torschüssen in Halbzeit zwei am Mittwochabend mehr Glück als Verstand. Inklusive Aluminium bei Finnbogasons Elfmeter.

Bis heute ist es Flick in der laufenden Saison nicht gelungen, die Münchner Spielweise auszutarieren. Das liegt auch daran, dass die Bayern immer noch verhältnismäßig hoch verteidigen, aber das Pressing in den vorderen Linien nicht immer so effektiv ist wie in der Vorsaison. Die müden Beine und der müde Kopf, auf den die Münchner nach dem Mammutprogramm der letzten Monate immer wieder verweisen, tun ihr Übriges.

Zwar fangen die Probleme meist ohnehin weiter vorne an, doch denkbar ist, dass der französische Weltmeister Lucas Hernandez in der Rückrunde eine deutlich wichtigere Rolle spielen wird. Gegen Augsburg zählte der 24-Jährige als Linksverteidiger zu den besten Münchnern. Seine Kompromisslosigkeit und Zweikampfhärte könnte Bayern hier auch in zentraler Rolle in der Viererkette sehr guttun. Die Rückrunde könnte endgültig zum Durchbruch des Rekordtransfers werden.

2. Mehr Konstanz über 90 Minuten

Das Spiel gegen Augsburg wirkte auch ansonsten beinahe wie eine Blaupause für die gesamte bisherige Saison. Auf eine richtig starke erste Halbzeit, nach der die Münchner auch gut und gerne mit 3:0 hätten führen können, folgte eine indiskutable zweite.

Achtmal in Folge lagen die Münchner im November, Dezember und Januar mit 0:1 zurück und mussten Spiele mit großem Aufwand drehen. Gegen Mönchengladbach, kurz nach dem Jahreswechsel, verspielte man hingegen eine 2:0-Führung. Gegen Kiel kassierte der Titelverteidiger im DFB-Pokal nach zweimaliger Führung in der Nachspielzeit das 2:2 und schied am Ende im Elfmeterschießen aus.

Bayern hat bisher keinen Modus gefunden, ein Spiel ruhig und sachlich zu verwalten. Dabei wäre das im Angesicht des Pensums der Münchner schon aus Kraftgründen absolut notwendig. Hier sind vor allem Joshua Kimmich und Leon Goretzka in der Rückrunde gefordert. Beide sind inzwischen unumstrittene Führungsspieler und müssen das Spiel aus der Mittelfeldzentrale nicht nur antreiben, sondern auch mal Tempo rausnehmen und in den Gegner laufen lassen, wenn es die Mannschaft gerade braucht.

Die Weiterentwicklung des Duos, das auch für Joachim Löw in der Nationalmannschaft immer wichtiger werden könnte, wird ein wichtiger Faktor werden.

3. Mehr Druck aus der zweiten Reihe

Stand jetzt muss man festhalten: Die Münchner Neuzugänge haben nicht so funktioniert, wie es sich der Klub versprochen hat. Marc Roca, Bouna Sarr und Eric Maxim Choupo-Moting waren bisher kein Faktor. Douglas Costa spielt - abgesehen von wenigen starken Momenten - nicht auf Startelfniveau und Leroy Sané ist trotz vieler guter Ansätze bisher noch nicht konstant eingeschlagen.

Der stärkste Ergänzungsspieler ist in dieser Saison eindeutig Jamal Musiala (17), der von Flick häufig als erster Einwechselspieler gebracht wird und immerhin in fünf Pflichtspielen von Beginn an ran durfte.

Chancen bekommen hat auch Corentin Tolisso. Der wuchtige französische Mittelfeldspieler, der um seine weitere Zukunft in München spielt, wirkt nicht kreativ genug für die 8 und nicht strategisch genug für die 6. So braucht es immer eine fast perfekte Kombination von Teamkollegen um ihn herum, um seine Stärken zur Geltung zu bringen. Das sind bei den hohen Anforderungen beim FC Bayern ein paar Bedingungen zu viel.

Tolisso muss wie die anderen Rotationsspieler zeigen, dass Flick sich auf ihn verlassen kann, damit die zweite Reihe für mehr Entlastung sorgt.

4. Entlastung für Lewandowski und Müller

Apropos Entlastung. Die können sicher auch Robert Lewandowski und Thomas Müller gebrauchen. Die beiden erfahrenen Angreifer haben zusammen mehr als die Hälfte der Münchner Bundesliga-Tore erzielt und sind damit die Garanten dafür, dass der FC Bayern trotz aller beschriebenen Probleme auf Platz eins in der Bundesliga steht.

Dahinter wird es in der Offensive etwas dünn. Sané (4 Tore), Gnabry (4 Tore), Coman (2 Tore), Costa (1 Tor), Choupo-Moting (0 Tore) - das ist nicht dramatisch, aber durchaus ausbaufähig, zumal die Offensive in dieser Saison so breit aufgestellt ist, wie lange nicht.

In der Rückrunde werden Lewandowski und Müller Pausen benötigen, wenn es für den FC Bayern in der Champions League weit gehen soll. Dann müssen andere für mehr Torgefahr sorgen.

Mehr aktuelle News zur Bundesliga finden Sie hier

Sané klagt über sein Image: "Leute stecken mich in Bling-Bling-Schublade"

Leroy Sané hat nach seinem Wechsel zum FC Bayern ein schweres halbes Jahr hinter sich, will sich bei den Münchnern aber beweisen. Sein Image in der Öffentlichkeit sieht er falsch gezeichnet - er habe das Gefühl, gegen Vorurteile ankämpfen zu müssen. (Foto: Bernd Feil/M.i.S/Pool)