Am vorletzten Spieltag der Saison lösen die Schiedsrichter auch schwierige Aufgaben wie die Abstiegsduelle in Mainz und Düsseldorf mit Ruhe und Umsicht. Regeltechnische Herausforderungen bei den Spielen in Köln und Paderborn meistern sie ebenfalls. In Leipzig ist der Referee jedoch zu gnädig.

Alex Feuerherdt
Eine Kolumne
von Alex Feuerherdt

Wenn sich eine Saison dem Ende zuneigt und es in vielen Spielen um alles oder nichts geht, rücken zuweilen auch die Unparteiischen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Es ist deshalb folgerichtig, dass die sportliche Leitung der DFB-Schiedsrichter zu den entscheidenden Duellen ihre besten Kräfte schickt.

An diesem vorletzten Spieltag wurden gleich drei wichtige Partien von Referees aus Berlin geleitet: Manuel Gräfe und Daniel Siebert pfiffen bei den Abstiegskrimis in Mainz und Düsseldorf, Felix Zwayer war beim Spiel um die Vizemeisterschaft in Leipzig eingesetzt. Und über keinen von ihnen wurde am Ende negativ gesprochen.

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Gewohnt gelassen und souverän brachte Gräfe das Spiel zwischen dem 1. FSV Mainz 05 und dem SV Werder Bremen (3:1) über die Bühne. Bei der Zweikampfbewertung war der 46-Jährige wohltuend großzügig, was beide Mannschaften auch annahmen.

Es passte zu dieser Linie, dass Gräfe weder nach zwölf Minuten noch in den Schlussminuten auf Elfmeter für die Bremer erkannte, als Yuya Osako respektive Niclas Füllkrug nach grenzwertigen, aber nicht eindeutig regelwidrigen Körpereinsätzen ihrer Gegenspieler zu Boden gingen.

Gar die Gelbe Karte sah der Mainzer Jean-Paul Boetius in der 57. Minute für seine Schwalbe im Strafraum der Gäste. Auch das war eine vollkommen richtige Entscheidung.

Kaan Ayhan verdirbt seinem Team den Torjubel

In der Begegnung zwischen Fortuna Düsseldorf und dem FC Augsburg (1:1) war Gräfes Kollege Siebert derweil schon wenige Minuten nach Anpfiff mit einer kniffligen Situation konfrontiert, als Rouwen Hennings nach einer Freistoßflanke ein Tor für die Fortuna erzielte.

Hennings‘ Teamkollege Kaan Ayhan war zuvor im Sprung mit den Fingerspitzen seiner weit erhobenen rechten Hand am Ball gewesen und zuvor auch nicht regelwidrig angegangen worden.

Weil Siebert dieses Handspiel auf dem Rasen nicht erkannt hatte – was in der Realgeschwindigkeit auch kaum möglich war, zumal der Ball seine Flugbahn nicht veränderte –, griff der Video-Assistent ein und empfahl ein On-Field-Review. Anschließend nahm der Unparteiische das Tor richtigerweise zurück.

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Rot für Schick wäre die bessere Entscheidung gewesen

Im Spiel RB Leipzig – Borussia Dortmund (0:2) stand Referee Felix Zwayer ebenfalls nicht im Mittelpunkt, auch wenn eine Entscheidung von ihm durchaus diskussionswürdig war.

Denn als Patrik Schick nach 20 Minuten dem Dortmunder Axel Witsel im Mittelfeld von hinten mit der offenen Sohle schmerzhaft auf die Wade stieg, griff sich der Schiedsrichter bereits an seine Gesäßtasche, wo die Rote Karte ihren Platz hat.

Nach kurzer Funkkommunikation mit seinen Assistenten entschied er jedoch anders und beließ es bei einer Verwarnung. Das war ziemlich gnädig. Zwar war die Intensität des Treffers nicht sehr hoch und Schicks Bein nicht durchgestreckt.

Doch dem Gegner die Stollen in die Wade zu bohren, war auch so gesundheitsgefährdend. Ein Feldverweis wäre daher eine bessere Entscheidung gewesen als die Gelbe Karte.

Ilsankers Hand macht Hinteregger unglücklich

In der Partie des 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt (1:1) setzte sich derweil die kleine Serie von Toren fort, die zuletzt wegen eines vorausgegangenen Handspiels annulliert wurden.

Diesmal war es der Frankfurter Stefan Ilsanker, dem der Ball im Gewühl an den Oberarm sprang und der ihn dann zu Martin Hinteregger spielte, der die Kugel im Kölner Tor versenkte.

Der Treffer durfte schon deshalb nicht zählen, weil das Handspiel unmittelbar vor der Torerzielung passierte und damit in jedem Fall strafbar war. Aber auch wenn diese Unmittelbarkeit gefehlt hätte, wäre das Tor nicht gültig gewesen.

Denn Ilsanker hatte seinen rechten Arm weit ausgestreckt und damit seine Körperfläche vergrößert, als es zum Handspiel kam. Schiedsrichter Christian Dingert verweigerte dem Treffer jedenfalls zu Recht die Anerkennung.

Vorteil trotz Notbremse?

Eine regeltechnisch spannende Szene trug sich unterdessen nach 65 Minuten in der Begegnung zwischen dem SC Paderborn 07 und Borussia Mönchengladbach (1:3) zu.

Nach einem Steilpass überlief der Gladbacher Breel Embolo seinen Gegenspieler Uwe Hünemeier und hatte freie Bahn zum Tor. Daraufhin wusste der Kapitän der Gastgeber sich nicht anders zu helfen, als etwa 28 Meter vor dem eigenen Gehäuse den Angreifer der Gäste in zentraler Position zu Boden zu ziehen.

Das war eigentlich eine klare "Notbremse" und damit eine Rote Karte. Denn kein Paderborner Feldspieler hatte eine realistische Chance, Embolo noch aufzuhalten. Dieser hatte nur noch Torhüter Leopold Zingerle vor sich.

Schiedsrichter Tobias Welz pfiff jedoch nicht – denn er sah, dass sich Embolo unverzüglich wieder aufrappelte und den direkten Weg zum Tor suchte. Zwar soll bei feldverweiswürdigen Vergehen prinzipiell nicht auf Vorteil entschieden werden, ausgenommen sind aber Situationen, in denen sich eine klare Torchance ergibt.

Gelb-Rot statt glatt Rot für Hünemeier

Danach sah es hier zunächst aus, weshalb der Referee weiterspielen ließ. Am Ende aber hatte Embolo keinen Erfolg, weil der Paderborner Jamilu Collins ihn abdrängte und Zingerle seinen Torschuss schließlich abwehrte.

Da war der Vorteil bereits eingetreten, weshalb Welz keinen Freistoß mehr geben konnte. Hünemeier sollte allerdings nicht ungestraft bleiben.

Denn im Regelwerk ist festgelegt, dass ein Spieler verwarnt wird, wenn er versucht, eine offensichtliche Torchance zu verhindern, der Schiedsrichter jedoch die Vorteilsbestimmung anwendet. Eine glatt Rote Karte ist nur für eine vollendete "Notbremse" vorgesehen und nicht bereits für den Versuch, sie zu ziehen.

Sobald in einer solchen Situation auf Vorteil erkannt wird, gibt es am Ende lediglich die Gelbe Karte – auch dann, wenn die Torchance nicht genutzt wird.

Trotzdem musste Uwe Hünemeier das Feld vorzeitig verlassen, denn zehn Minuten zuvor hatte er für ein Foul im eigenen Strafraum an Lars Stindl die Gelbe Karte gesehen. Das bedeutete nun in der Summe die zweite Verwarnung – und damit Gelb-Rot.