Nur eines von sechs Spielen hat der FC Bayern zuletzt gewonnen. Das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund am Mittwoch entscheidet über die Einordnung einer ganzen Saison. Bayern-Trainer Carlo Ancelotti personifiziert die Aufgeregtheit.

Am Wochenende definierte der FC Bayern seine eigene Wertetabelle. Gegen Mainz 05 "verloren" die Münchner mit 2:2, so fühlte es sich zumindest an, dieses lasche Remis im Niederlagen-Mantel.

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Und weil die Bayern zuvor offiziell verloren hatten, bei Real Madrid im Viertelfinale der Champions League, waren Beine wie Köpfe beträchtlich träge - was wiederum nichts Gutes verheißt vor dem DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch. Dann gastiert Borussia Dortmund in der Allianz Arena - und dann wird es heiß!

Thomas Müller gibt die Parole aus

Natürlich, bekannte Thomas Müller, hänge der Madrid-K.o. nach. "Wir sind auch nur Menschen", sagte er.

Menschen, die von ihrem Trainer Carlo Ancelotti offenbar unzureichend aufgepäppelt wurden; die vermaledeiten Tage rund um Ostern etikettierte der Italiener als "schwierig".

Jammern hilft nichts, und so gibt Müller die plakative Parole aus: "Jetzt müssen wir durchziehen, die Brust raustun und zeigen, dass wir da sind. Alles muss aus dem Tank raus!"

Die Frage ist halt, wie viel noch drin steckt in diesem Tank.

Mats Hummels: "Ein Weckruf für die ganze Saison"

Es braucht nun eine "Zapfsäule" für körperlich und mental müde Münchner. Der Auftritt gegen Abstiegskandidat Mainz sollte als Verarbeitung des Real-"Schocks" (Ancelotti) und Einstimmung für Dortmund dienen. Stattdessen lieferte Bayern eine Vorstellung, die Mats Hummels als "zu locker, zu lethargisch" einstufte. Konsequenz: "Dieses Spiel war ein Weckruf für die ganze Saison."

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Ancelotti ist "sicher, dass es gegen Dortmund anders" aussieht, die alte Klub-DNA soll's richten, große Leistungen in großen Spielen. Aber lässt sich diese Gangart beliebig reproduzieren?

"Gut, dass es jetzt schnell weitergeht", sagt Müller, das Pokalfinale in Berlin sei "neben der Meisterschaft unser wichtigstes Ziel". Acht Punkte beträgt der Vorsprung in der Liga auf RB Leipzig, vier Partien vor Schluss scheint der fünfte Titel in Folge gebucht.

Carlo Ancelotti fällt plötzlich mit wilden Gesten auf

Trotzdem droht der April wie in der Guardiola-Ära zur bayerischen Frühjahrsdepression zu verkommen. Vier Pflichtspiele haben die Münchner nicht gewonnen, aus den vergangenen sechs Partien gelang bloß ein Sieg, prompt wandert das böse "K"-Wort durch den Verein.

"Krise? Hören Sie mir auf mit Krise", brummt Ancelotti. Wenigstens eine "Stimmungskrise" will das Fachblatt "Kicker" registriert haben, beim FC Bayern erhitzt sich der Kessel, und Ancelotti personifiziert die Aufgeregtheit: Seine verhältnismäßig wilden Gesten im Mainz-Spiel waren ein äußerst ungewohnter Anblick - und Ausdruck der Unsicherheit.

Kaum auszudenken, wenn die stolzen Münchner nun gegen Rivale Dortmund scheitern, noch dazu in der heimischen Arena, wie vor zwei Jahren (damals mit absurdem Elfmeterschießen). Wehe, das geht diesmal wieder schief ...

BVB will Bayern "die Saison vermiesen"

Die Triple-Illusion wurde zum möglichen Double reduziert; gelingt der Gewinn von Meisterschaft und Pokal, würde Ancelotti von einer "guten" Bilanz sprechen. Sonst wohl nicht. Läuft es dumm für den FC Bayern, steht er als Single da, mit lediglich einer Trophäe, die keine Ansprüche befriedet. "Wir können ihnen die Saison ein Stück weit vermiesen", weiß auch Dortmunds Trainer Thomas Tuchel.

So hängt das sensible Binnenklima und die Einordnung des Arbeitsjahres an einem Spiel. Irgendwie unfair, aber so ist das eben bei den Bayern. Dazu diese Statistik: Von ihren vergangenen 33 Pokalspielen verloren die Münchner lediglich zwei, eine famose Bilanz. Die Kehrseite: Beide Pleiten verantwortete der BVB ...

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