Der Halbfinal-Einzug im DFB-Pokal versetzt Borussia Dortmund in eine Euphorie. Torschütze Sebastian Kehl will jetzt ins Finale nach Berlin. Doch auch über die Bundesliga ist die ersehnte Europa League noch drin - dank einer neuen Regel der Uefa.

Es war ein Schuss wie ein Strahl. Sebastian Kehl zimmerte beim 3:2-Sieg des BVB nach Verlängerung im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen 1899 Hoffenheim den Ball ins Tor. Der Vertrag des 35-Jährigen läuft zum Saisonende aus. Er wird seine Karriere beenden. Es wirkte, als wolle er noch mal auf sich aufmerksam machen.

Es ist eine bemerkenswerte Parallele zu seinem Klub. Dessen Selbstwertgefühl litt in dieser Saison wie selten zuvor. Körpersprache, Jubelszenen, Aussagen bewiesen nun: Der BVB glaubt wieder an sich. Der Einzug ins Pokal-Halbfinale kann eine völlig verkorkste Saison doch noch zum Guten wenden.

Jürgen Klopp voller Euphorie

"Wir haben eine Marke gesetzt", meinte Coach Jürgen Klopp nach der Partie in der ARD. "Wir haben gezeigt, der BVB ist noch da."

Nicht zuletzt der Torschütze weiß um die Gefühlslage bei den Dortmundern. Seit 2002 (!) trägt der frühere Nationalspieler das Trikot in Schwarz und Gelb. Bis zur Vorsaison war er Kapitän. "Mehr Dortmund geht gar nicht", sagte Klopp nun über Kehl. Kehl selbst sagte nach seinem Gala-Tor in der ARD: "Der DFB-Pokal ist für uns weiter ein sehr, sehr attraktiver Wettbewerb, die einzige Chance in dieser Saison noch einen Titel zu holen."

Der Champions-League-Finalist von 2013 hat eine Katastrophen-Saison hinter sich. Zu Beginn der Rückrunde rutschte der BVB auf den letzten Tabellenplatz. In den Wochen danach berappelte sich Dortmund wieder - zumindest vorübergehend. Denn in der Champions League schied der - eigentlich - internationale Topklub erschreckend chancenlos gegen Juventus Turin aus. Und in der Bundesliga setzte es die nächste Ergebniskrise. Zuletzt blieb Dortmund in drei Heimspielen in Folge ohne eigenes Tor. Das gab es in der Bundesliga-Geschichte des Traditionsvereins noch nie. Zwischenzeitlich geriet selbst das Dreigestirn aus Trainer Klopp, Vereinsboss Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc hinter vorgehaltener Hand in die Kritik. Auch, weil Henrich Mchitarjan und Ciro Immobile mittlerweile als die größten Fehleinkäufe der Vereinsgeschichte gelten. 46,9 Millionen Euro kosteten sie zusammen an Ablöse.

Dass es doch noch geht, bewies jetzt nur ein Spiel. "Es war super intensiv. Das war mal wieder der alte BVB", sagte Klopp. Er hatte eine "geile Reaktion" nach der Halbzeit gesehen. Dabei fehlten Reus und Weltmeister Mats Hummels angeschlagen. Es war wieder dieser Fußball, der dem BVB jahrelang deutschlandweit große Sympathien einbrachte: nie aufzustecken; Angriff bis zur letzten Minute; beharrliches Gegen-Pressing, bis der Kontrahent nachgibt.

Kann sich BVB noch über Bundesliga für Europa League qualifizieren?

So ist selbst in der Bundesliga noch was drin. Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf den Tabellensechsten FC Augsburg, sieben Punkte auf den großen Rivalen aus dem Pott, den FC Schalke 04. Es sind beides Punkte-Differenzen, die in sieben verbleibenden Spielen aufholbar sind. Augsburg holte in den vergangenen drei Ligaspielen nur einen Punkt, Schalke in ebenso vielen Partien zwei Unentschieden. Vielleicht müssen die Dortmunder aber gar nicht so weit denken.

Im Gegensatz zu früher qualifiziert sich nur der Sieger über den DFB-Pokal für die Europa League. Ist dieser aber über die Bundesliga schon sicher im Wettbewerb oder gar der Champions League mit dabei, rückt der Tabellensiebte nach. Das besagt eine neue Regel des europäischen Fußballverbands Uefa. Siebter ist aktuell Hoffenheim - mit überschaubaren vier Punkten Vorsprung auf den BVB. 30 Millionen Euro soll die Europa League dem BVB bringen, "ohne, dass wir ins Viertel- oder Halbfinale kommen müssten", sagte Watze jüngst in einem Interview der "Bild". Verlockend.

Geht es nach Kehl, soll es der BVB erst gar nicht auf Rechenspiele in der Bundesliga ankommen lassen. "Natürlich habe ich diesen Traum, ich war mit Borussia Dortmund schon einige Male da", sagte er zu einer möglichen Pokal-Final-Teilnahme in Berlin. "Zum Abschluss der Karriere noch mal einen Titel zu holen, wäre ein Traum."