Es ist vollbracht! Die Schweiz hat im vierten Anlauf endlich die K.o.-Phase bei einer Europameisterschaft erreicht. Davor hieß es aber 90 Minuten lang zittern und hoffen, dass im anderen Spiel der Gruppe A das richtige Ergebnis zustande kommt. Als Gruppenzweiter ist die Nati jetzt aber sicher dabei.

  • Nati erkämpft sich ein 0:0 gegen Frankreich
  • Die Schweiz schafft es erstmals bei einer EM in die K.o.-Runde
  • Gleich drei Mal Aluminium-Glück für die Nati
  • Xherdan Shaqiris Leistung bleibt weiter rätselhaft
  • Im Achtelfinale könnte Deutschland der Gegner sein

Der Star des Spiels

Paul Pogba hatte bei der EM bisher wenig zu lachen. Der verhinderte Superstar legte sich zuletzt auch noch mit Teilen der Medien an und befeuerte die Kritik an seinen bisherigen Leistungen damit noch mehr. Gegen die Schweiz ließ ihn Didier Deschamps wieder von Beginn an von der Leine und Pogba zeigte endlich, warum er als einer der kommenden Stars des Weltfußballs gilt. Dynamisch, elegant und technisch überragend lenkte er das französische Spiel, hatte gleich mehrere starke Abschlussszenen und lediglich Pech, dass einer seiner Torschüsse nicht auch den Weg ins Tor fand. Diese Leistung lässt aus französischer Sicht einiges erhoffen für die K.o.-Phase.

Die Szene(n) des Spiels

Abseits aller sportlichen Belange sorgten die Schweizer Trikots mit einer selten zuvor gesehenen Löchrigkeit für Aufsehen. In der ersten Halbzweit mussten gleich vier Spieler ihre Leibchen wechseln, weil diese den Reißtests des Gegners nicht standhielten. Granit Xhaka sein Jersey in der zweiten Hälfte sogar nochmals. Die allgemeine Belustigung darüber dürfte den Ausrüster eher weniger erfreut haben. Oder ist schlechte Publicity auch hier besser als gar keine? Kleiner Trost: Auch der Spielball, hergestellt vom großen Konkurrenten, platzte nach einem Pressschlag.

Die Lehren des Spiels

Die Schweiz kann an einem guten Tag auch gegen die ganz großen Kaliber zumindest mithalten. Das hat die Partie gezeigt - auch wenn ein bisschen Glück dabei war. Nach den Spielen gegen Albanien und Rumänien war nicht ganz klar, wie die Nati einem auf dem Papier überlegenen Gegner begegnen würde. Die 90 Minuten von Lille lieferten zumindest ein paar Antworten und geben für die K.o.-Phase Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

Frankreich profitierte besonders in der Anfangsphase der Partie von einem Gegner, der sich anders als Rumänien und Albanien nicht nur um den eigenen Sechzehner verschanzen, sondern selbst mitspielen wollte. Deshalb war sofort Feuer drin im Spiel, es gab viele schnelle Umschaltmomente auf beiden Seiten mit den größeren Chancen für Frankreich, das nach 17 Minuten bereits zweimal die Latte traf.

Die Schweiz hatte bis auf eine gute Möglichkeit nach einer Ecke aus dem Spiel heraus nur selten richtig zwingende Momente. Viel ging über die rechte Seite, Breel Embolo ließ sich immer wieder aus dem Zentrum auf den Flügel fallen und war so schwer zu packen für die gegnerischen Innenverteidiger - allerdings fehlte dann in der Mitte oft auch ein Abnehmer. So standen am Ende auch „nur“ sechs Torschüsse, nachdem es in den beiden Partien zuvor zusammen noch 36 waren. Die Aussicht auf den möglichen Gruppensieg ermunterte das Team jedenfalls nicht, das Äußerste zu riskieren.

Xherdan Shaqiri wirkte erneut sichtlich bemüht. Aber irgendetwas geht dem Zauberfuß auch nach drei Turnierspielen noch ab. Shaqiri wirkt nicht locker genug, will bisweilen zu viel und will dann mit dem Kopf durch die Wand. Weniger ist manchmal mehr. Vielleicht holt sich der 24-Jährige über einfache Aktionen im nächsten Spiel erst die nötige Sicherheit.

Didier Deschamps änderte gleich auf fünf Positionen, im Prinzip wurde die komplette Offensive ausgetauscht - auch der bisherige Star Dimitri Payet musste auf die Bank. Deschamps‘ durchaus diskutable Rotation sollte zum einen die vorbelasteten Spieler vor einer weiteren Gelben Karte schützen und ihnen eine kurze Verschnaufpause gönnen. Ein schmaler Grat im Hinblick auf die anstehenden Spiele, wenn eine eingespielte Formation benötigt wird.

Die Schweiz trifft als Zweiter der Gruppe A im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe C. Damit heißen die möglichen Gegner: Polen, Nordirland oder Deutschland! Und: Von den vorher verwarnten Fabian Schär, Granit Xhaka, Valon Behrami und Breel Embolo handelte sich keiner eine zweite Gelbe Karte ein. Schär hatte bei einem absichtlichen Handspiel auch noch jede Menge Glück. Im Achtelfinale kann Coach Vladimir Petkovic also auf seinen kompletten Kader zurückgreifen.

Der Rasen in Lille war eine Zumutung für beide Teams. Nahezu jede halbwegs dynamische Aktion riss kratergroße Löcher in das, was eigentlich ein sauber gepflegtes Grün sein sollte. Für eine Europameisterschaft ein Unding.

Die Reaktionen

Vladimir Petkovic (Trainer Schweiz): "Das war heute ein erster großer Schritt. Jetzt schauen wir, gegen wen wir im Achtelfinale spielen. Wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen wollen und gegen starke Gegner mithalten können. Vielleicht fehlt uns noch etwas, aber wir haben jetzt Zeit, daran zu arbeiten und das zu verbessern."

Granit Xhaka (Schweiz): "Wir haben gesehen, dass die Gruppe schwer war. Es war eine großartige Leistung der Mannschaft heute. Wir haben die Zweikämpfe angenommen und sind füreinander gelaufen. Das erste Ziel ist erreicht."

Didier Deschamps (Trainer Frankreich): "Wir hatten gute Chancen, drei Mal die Latte getroffen. Aber es war auch ein guter Gegner, der uns stark gefordert hat. Wir haben unser erstes Ziel erreicht, uns als Erster für das Achtelfinale zu qualifizieren. Aber wir haben jetzt eine Woche Zeit, uns zu verbessern und auf die K.o.-Phase vorzubereiten."

Die Tabelle der Gruppe A

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