Die Causa Mesut Özil schlägt weiter hohe Wellen: Sein Berater hat Uli Hoeneß mit heftigen Worten zurechtgewiesen, Joachim Löw erfuhr von Özils Entscheidung aus dem Internet und Cem Özdemir fordert derweil den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel.

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Nach der scharfen Kritik von Uli Hoeneß in Richtung Mesut Özil hat dessen Berater Erkut Sögüt den Bayern-Präsidenten attackiert.

"Die Kommentare von Herrn Hoeneß verfehlen den eigentlichen Sinn komplett. Er versucht die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema, dem Rassismus und der Diskriminierung in Deutschland, abzulenken", sagte Sögüt dem Internet-Portal Goal.

"Außerdem kann er seine dummen Aussagen, die komplett übertrieben sind, nicht belegen", fügte Sögüt hinzu.

Sögüt verwies auf 63 Torbeteiligungen seines Schützlings im Trikot des Weltmeisters von 2014 und auf den Fakt, dass Özil fünfmal zum Nationalspieler des Jahres gekürt wurde.

Sögüt: "Herr Hoeneß, Sie sind eine Schande"

Er reagierte damit auf die Äußerung von Uli Hoeneß, der vor dem Abflug des FC Bayern zu einer US-Tour gesagt hatte: "Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist. Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen. Und jetzt versteckt er sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto."

Nun konterte der Özil–Berater mit heftigen Worten: "Herr Hoeneß, wir werden keine weitere Zeit und Energie aufbringen, um mit Ihnen über ein Thema zu reden, von dem Sie keine Ahnung haben. Sie sind nicht nur eine Schande für sich selbst, sondern vor allem für Bayern München und die Leute in Deutschland."

Laut Sögüt lag der "Fokus von Mesuts Aussagen nicht unbedingt auf dem Fußball. Vielmehr ging es darum, auf das Wiederaufleben des Rassismus aufmerksam zu machen. Er hat den Mut und die Tapferkeit gezeigt, sich für all jene einzusetzen, die in Deutschland unfair behandelt werden: Einwanderer, Muslime und viele mehr", meinte der Berater.

Löw erfuhr von Özils Entscheidung aus dem Internet

Derweil wurde bekannt, dass Bundestrainer Joachim Löw von Mesut Özils Rücktritt offenbar aus dem Internet erfahren hat.

Der "Bild"-Zeitung bestätigte Löw-Berater Harun Arslan: "Weder der Bundestrainer noch ich waren vorab informiert."

Arslan betreut Löw schon seit vielen Jahren und handelte auch dessen Verträge mit dem Deutschen Fußball-Bund aus. Löw befindet sich derzeit im Urlaub auf Sardinien.

Laut "Bild" hat Arslan seit Jahresbeginn auch eine Kooperation mit Mesut Özils Berater Erkut Sörgüt und Ilhan Gündogan, dem Onkel und Berater von Nationalspieler Ilkay Gündogan. Ziel sei es, bei Transfer-Projekten zusammenzuarbeiten.

Özdemir fordert Reinhard Grindels Rücktritt

Grünen-Politiker Cem Özdemir hat unterdessen personelle Konsequenzen der Affäre um Mesut Özil gefordert. In einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" legte er DFB-Präsident Reinhard Grindel den Rücktritt nahe.

Der 56-Jährige solle sich fragen, ob er noch der richtige Mann an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes sei.

Özdemir zweifelt daran, dass ein Neubeginn der Nationalmannschaft mit Grindel als Verbandschef funktionieren kann. Hintergrund ist das Verhalten des DFB nach dem vieldiskutierten Foto von Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Man habe es versäumt, die Sache zu bereinigen und habe später gewissermaßen ausschließlich Özil das frühe WM-Aus in Russland angelastet. Özdemir nannte dieses Vorgehen "unverantwortlich und unanständig". (fte/dpa)

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