Jeden Tag nur Corona-Nachrichten und kein Fußball, das hält kein Mensch aus. Viel schöner ist es da doch, in Erinnerungen zu schwelgen. Genau deshalb erzählen uns verschiedene Persönlichkeiten des Fußballs von ihrem persönlichen "Spiel meines Lebens". Als nächster an der Reihe: Stürmerstar Kevin Kuranyi.

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Kevin Kuranyi hat in seiner Laufbahn sowohl beim VfB Stuttgart als auch beim FC Schalke 04 und als Nationalspieler viele denkwürdige Spiele erlebt. "Ja klar, mein erinnerungswürdigstes Spiel ist natürlich das Spiel mit der Nationalmannschaft in Dortmund. Da bin ich abgehauen", beginnt er das Interview und lacht.

Ins Detail mag er da dann aber doch nicht gehen, schließlich ist das alles andere als das Spiel seines Lebens. Nachdem er von Bundestrainer Jogi Löw auf die Tribüne verbannt worden war und sich offenbar einige Fans nicht mit blöden Sprüchen zurückhalten konnten, hatte Kuranyi das Stadion einfach verlassen und besiegelte damit das unrühmliche Ende seiner Nationalmannschaftskarriere.

Keine schöne Erinnerung. Da blickt er viel lieber auf das Champions-League-Gruppenspiel mit dem VfB Stuttgart gegen Manchester United 2003 zurück. Das erzählt Kuranyi:

"Beim Spiel meines Lebens denke ich zuerst an meine Zeit bei den Jungen Wilden vom VfB Stuttgart, als wir in der Champions League 2003 mit 2:1 gegen Manchester United gewonnen haben.

"Alle hatten Gänsehaut"

Das war für mich als junger Spieler sehr emotional, weil wir als kleiner VfB Stuttgart gegen das große Manchester United mit lauter Topspielern - Ruud van Nistelrooy, Rio Ferdinand, Paul Scholes, ein 18-jähriger Cristiano Ronaldo und wer da alles dabei war - gewonnen haben. Ich glaube, viele die vom tollsten Spiel im Stuttgarter Stadion berichten, erzählen von der Partie gegen Manchester United. Alle hatten Gänsehaut und es war auch für die Stadt Stuttgart etwas ganz Besonderes.

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Bundesliga Classics 1997/98: Otto Rehhagels Rache am FC Bayern - Vom Aufsteiger zum Meister

Das Coronavirus hat auch den Fußball in die Knie gezwungen. Um die Zwangspause etwas angenehmer zu gestalten, widmen wir uns in den nächsten Wochen in einer Serie einigen Klassikern der Bundesligageschichte. Die vierte Folge: Als Otto Rehhagel den FC Bayern narrte und Kaiserslautern vom Aufsteiger zum Deutschen Meister coachte.

Vor dem Spiel hatten wir ziemlich viel Respekt davor, gegen die Topspieler dieser Welt zu spielen. Wenn es dann losgeht, legt man das aber alles zur Seite und sagt sich, jetzt zeigen wir, dass wir auch guten Fußball spielen können und dass wir in Stuttgart gewinnen wollen.

Hinkel hat Ronaldo total ausgeschaltet

Bei Cristiano Ronaldo hat man vor und nach dem Spiel schon gemerkt, welche riesigen Qualitäten er auch schon mit 18 Jahren hatte. Aber nicht gegen uns. Andreas Hinkel hat ihn total ausgeschaltet.

Besonders präsent ist mir mein Tor zum 2:0. Imre Szabics bekommt den Ball im Mittelfeld und leitet ihn direkt weiter, zwischen den Innenverteidigern hindurch. Der Ball kommt ein bisschen zu lang, aber da war ich noch jung und schnell und habe den Ball kurz vor dem Torwart lupfen können. Der Ball geht unter der Latte ins Tor. Und dann: Jubel, Gänsehaut, ganz Stuttgart jubelt mit.

Nach dem Spiel haben mir quasi alle Freunde und Familienmitglieder SMS geschickt. Sie haben das Spiel alle live vor dem Fernseher oder im Stadion angeschaut. Das war schon besonders. Ob es danach eine große Party gab, weiß ich gar nicht mehr. Vielleicht war sie so gut, dass ich sie schon wieder vergessen habe.

Mein Trikot habe ich damals mit Diego Forlan getauscht, weil ich einen Freund hatte, der ein großer Fan von ihm war, ihm habe ich das Trikot nach dem Spiel geschenkt."

Bildmaterial von imago/Sportfoto Rudel/Pressfoto Baumann/