Grobe Abwehrmängel und vergebene Chancen: Das ÖFB-Team kehrt mit Null Punkten aus Belgrad zurück. Southamptons Dusan Tadic hingegen lässt die Serben nach drei Spielen und sieben Punkten von Russland träumen.

  • Erste Auswärtsniederlage seit Stockholm 2013
  • Grobe Abwehrschnitzer entscheiden die Partie
  • Öczans erstes Bewerbsspiel von Anfang an
  • Kapitän Baumgartlinger und Dragovic verletzt raus
  • Dusan Tadic glänzt mit zwei Assists und Siegtor

Highlights des Spiels

Die erste Halbzeit war ereignisreich. Bereits in der sechsten Minute bediente, nach schönem Ferserl von Filip Kostic, Dusan Tadic auf der linken Seite Newcastle-Stürmer Aleksandar Mitrovic, der den Ball an Özcan zum 1:0 vorbeischob. Österreichs Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

Marko Arnautovic jagte in der 9. Minute nach starkem Solo den Ball übers Tor. Es dauerte dann bis zur 15. Minute als Marcel Sabitzer von der rechten Seite den Ball nach Fehler von Stefan Mitrovic zum Ausgleich ins Tor hämmerte. Acht Minuten später hatte Führungstorschütze Aleksandar Mitrovic auf Höhe des 5er Raums zu viel Platz und köpfelte zur erneuten Führung für die Serben ein.

Nach einem sehr holprigem Start in die zweite Hälfte erzielte Mark Janko nach Schuss von Arnautovic, der Parade von Vladimir Stojkovic und etwas Glück in der 62. Minute den Ausgleich. Zwölf Minuten später krönte Dusan Tadic seine großartige Leistung mit dem 3:2 Siegestreffer. Der Angriffssturm der Österreicher in den letzten 15 Minuten blieb, trotz Chancen, unbelohnt.

Star des Spiels

Doppeltorschütze Aleksandar Mitrovic zeigte zwar sowohl mit dem Kopf als auch mit dem Fuß seine Torgefährlichkeit, aber FC Southampton-Star Dusan Tadic war an allen Toren beteiligt und erzielte das 3:2 selbst.

Szene des Spiels

Kuriosum: In der 55. Minute wollte David Alaba den Ball ins Aus spielen, da Julian Baumgartlinger verletzt am Boden lag. Aleksandar Mitrovic nahm aber dem Bayern-Star den Ball vorher ab und zog Richtung Tor. Darauf kam es zu einem kleinen Tumult und kurzen Wortgefechten, die ohne Folgen blieben.

Der 2:2-Ausgleich durch Basel-Stürmer Janko war ein wenig umstritten. Nachdem der Ball sich mit etwas Glück durch die serbischen Abwehrreihen gemogelt hatte, landete das runde Leder mehr oder weniger gewollt per Janko bei Marko Arnautovic, der vorher passiv im Abseits gestanden war, dann aber aktiv wurde. Sein Schuss wurde von Stojkovic pariert, woraufhin Janko problemlos einnetzte.

Lehren des Spiels

Nach dem frühen Rückstand fiel auf, dass Österreich das Aggressionslevel erhöhte, auch zum Ausgleich kam, gut spielte, aber defensiv immer wieder zu lasch agierte. Kevin Wimmer machte zum zweiten Mal ein Spiel auf einer ungewohnten Position und wirkte sehr verunsichert. Ihm passierten Fehler im Spielaufbau und Stellungsfehler in der Defensive, die er aber in der zweiten Hälfte abstellte.

Im Mittelfeld wussten die Serben das Spiel über mit Härte zu führen und setzten David Alaba und Julian Baumgartlinger (wie vor dem 2:1) gehörig zu. Die Folge fürs österreichische Spiel: Stetige Versuche rasch über die Seite von Arnautovic zu kommen. Während die Seitenverlagerung des österreichischen Angriffsspiels größtenteils auf der linken Seite gelang, blieb im Vergleich zum Wales-Spiel der rechte Flügel anfangs ohne große Akzente.

Insgesamt vollbrachte das ÖFB-Team immer wieder schöne Spielzüge, die aber nicht konsequent zu Ende gespielt wurden.

Die zweite Hälfte war durch eine noch härtere, aber nicht unfaire, Spielweise der Serben gekennzeichnet. Klein und Sabitzer versuchten, mehr auf ihrer Seite zu bewegen, schafften dies aber nur ansatzweise. Zwar zeigte die österreichische Mannschaft immer wieder große Moral und den Willen noch ein Tor erzielen zu wollen, aber die eklatanten Abwehrschwächen bei schnellen Gegenangriffen der Serben waren augenscheinlich.

Gegen Ende des Spiels wurde des Öfteren versucht das Zentrum der Heimmannschaft durch Steilpässe in den Strafraum zu überwinden, was oft scheiterte und gefährliche Gegenangriffe zur Folge hatte.

Österreich hat nun nach drei Spieltagen sechs Tore bekommen. Es wäre unfair und unrichtig die Abwehrleistung nur an Kevin Wimmer festzumachen, der dennoch seine Interpretation des Positionsspiels überdenken und seine Unsicherheit ablegen muss. Der gesamte Defensivverbund inklusive Mittelfeldspieler muss noch härter nach hinten arbeiten und gegebenenfalls Konter viel früher unterbinden.

Positives Fazit: Im Vergleich zu früheren Nationalmannschaften gab sich das Team nie auf, weder nach dem ersten, noch dem zweiten und auch nicht dem dritten Rückstand.

Stimmen zum Spiel

Marcel Koller: In der ersten Halbzeit standen wir nicht so kompakt. In der zweiten Hälfte haben wir defensiv besser gearbeitet, hatten auch die eine oder andere Möglichkeit. Die Serben haben vier Chancen gehabt und drei Tore erzielt. Ein Unentschieden zu holen, hat nicht sein sollen. (Zu den vielen Gegentoren in der Qualifikation): Es ist eine mentale Sache, wenn die Bereitschaft fehlt sich in den Arsch zu kneifen und die Scheiß-10-Meter nach hinten zuzustellen.

Marko Arnautovic: Wenn wir auswärts spielen und in drei Kontertore hineinlaufen, dann muss man sich schon fragen. Wir haben unverdient verloren. Es war ein emotionales Spiel.

Marc Janko: Wir waren zu nachlässig und hätten ein Unentschieden verdient gehabt. Weil wir die bessere Mannschaft waren, tut es sehr weh.

Dusan Tadic: Es war ein schweres Match. Österreich hat eine starke Mannschaft mit guten Spielern. Vielleicht hätten sie sich einen Punkt verdient. In unserer Gruppe kann jeder jeden schlagen.